Dass es sich beim Deutschen um keine einheitliche Sprache handelt, fällt schnell auf, wenn man sich mit einem Schweizerdeutschen oder einem Österreicher unterhält. Denn häufig versteht man nur die Hälfte, obwohl jeder in seinen Augen Hochdeutsch spricht. Wo die Unterschiede liegen, woher sie stammen, und was das für professionelle Übersetzungen bedeutet, erklären wir in diesem Blogbeitrag.

Die deutsche Sprache ist weiter verbreitet, als es auf den ersten Blick scheint, und wird geschätzt von ca. 90 bis 105 Millionen Muttersprachlern sowie 80 Millionen Zweit- und Fremdsprachlern weltweit beherrscht. Gesprochen wird Deutsch in Deutschland, Österreich, Liechtenstein, der Deutschschweiz, Luxemburg, Südtirol, Belgien und Frankreich. Außerdem wird Deutsch von Minderheiten gesprochen, vor allem in Oberschlesien, sowie in Namibia und Südafrika.

Zu den bekanntesten der drei Varietäten des Deutschen zählen das Bundesdeutsche Deutschlands, das Österreichische und das Schweizer Hochdeutsch, die jeweils Eigenheiten in Grammatik, dem Wortschatz und der Aussprache aufweisen. Nicht zu vergessen sind die Standardvarietäten Belgiens, Südtirols, Liechtensteins und Luxemburg, die zwar weniger bekannt sind, für ihre Sprecher aber ebenfalls von großer Bedeutung sind.

Bei der deutschen Sprache handelt es sich um eine plurizentrische Sprache. Das heißt, sie hat mehrere gleichwertig nebeneinanderstehenden Standardvarietäten des Hochdeutschen, auch Standardsprache genannt. Dabei handelt es sich um die in der normgebundenen (meist durch schriftlich Fixierung), überregional geltenden und dialektfreien Erscheinungsform der jeweiligen Sprache, die als Dachsprache für regional gesprochene Dialekte fungiert. Die Fixierung der Hochsprache übernimmt in Deutschland der DUDEN, währenddessen es in der Schweiz der „Schweizerisch Verein für deutsche Sprache“ macht.

Bei den Dialekten handelt es sich aus sprachwissenschaftlicher Sicht um Sprachvarietäten einer Sprache, die regional und lokal begrenzt sind und ein eigenes „sprachliches System“ mit eigenen Regeln haben, das die Standardsprache, also z.B. das Hochdeutsche, ersetzt oder auch erweitert. Die Dialekte werden überwiegend mündlich realisiert (=gesprochen) und werden im Vergleich zu der Hochsprache meist gar nicht schriftlich fixiert, haben also nicht den Status einer Standardvarietät. Das Gleichgewicht zwischen Verwendung von Hochsprache und Dialekt ist in jedem Land anders. Währenddessen sich in der Schweiz das Hochdeutsche fast ausschließlich auf die Schriftsprache beschränkt und untereinander im Dialekt, dem Schweizerdeutsch, gesprochen wird, sieht das in Deutschland anders aus.

Deutschland

Die deutschen Dialekte werden grob in niederdeutsche und hochdeutsche Dialekte eingeteilt. Hochdeutsch wird in dem Sinne sprachgeographisch definiert und hat nichts mit der sprachsoziologischen Definition als überregional geltende dialektfreie Standardsprache zu tun. Die Bezeichnung rührt von der Beschaffenheit der Regionen Deutschlands: der niederdeutsche Dialektraum meint den flacheren nördlichen Raum, währenddessen mit hochdeutsch der hügeligere Süden Deutschlands gemeint ist. Die hochdeutschen Dialekte werden nochmals in mitteldeutsche und oberdeutsche Dialekte geteilt. Die hochdeutschen Dialekte wurden, im Gegensatz zu den niederdeutschen Dialekten, von der zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert stattfindenden zweiten Lautverschiebung erfasst. Dabei handelt es sich um einen Wandel in der Aussprache, insbesondere der Konsonanten „p“, „t“, „k“. Anhand der unterschiedlichen Verwendung von Wörtern im Dialekt, kann man eine geographische Grenze ziehen, sprachwissenschaftlich Isoglosse genannt, und so die Dialektgebiete einteilen. Die hochdeutschen und niederdeutschen Dialekte werden von der Benrather Linie oder maken-machen-Linie voneinander getrennt, da die Dialekte anhand der Verwendung des Wortes „machen“ differenziert werden. In niederdeutschen Dialekten sagt man „maken“, in mittel- und oberdeutschen Dialekten „machen“. Ein weiteres Beispiel für diese Lautverschiebung sieht man noch heute im Konsonanten „t“. Im Norden, also dem niederdeutschen Dialektraum, indem keine Lautverschiebung stattgefunden hat, sagt man noch heute „dat“, „wat“ und „Water“, währenddessen man in Süddeutschland, also dem hochdeutschen Dialektraum mit Lautverschiebung „was“, „das“ und „Wasser“ sagt.

Die drei groben Dialektgebiete lassen sich alle nochmal anhand von Isoglossen unterteilen, wobei man beachten muss, dass die Grenzen verschwimmen, da die Dialekte und deren Sprecher nicht statisch sind. Insgesamt zählt man innerhalb Deutschlands 16 größere Dialektverbände, wozu unter anderem Bayerisch, Alemannisch, Obersächsisch, Ostfränkisch, Rheinfränkisch, Westfälisch, Ostwestfälisch, Brandenburgisch und Nordniederdeutsch gehören, die auf allen sprachlichen Ebenen Eigenheiten haben, die sie voneinander, und vom Hochdeutschen abgrenzen.  Ein Beispiel für die lexikalische Differenzierung der Dialekte ist das Wort „Mädchen“ in Pluralform. In Süddeutschland heißt es “Mädel”, “Mad(e)ln”, “Diandl(a)n” oder auch “Gitschn“, währenddessen man in Nord- und Mitteldeutschland meistens von “Mädchen” spricht. Im Norden hört man aber auch teilweise “Deern” oder “Wicht”. Dialekte erfüllen durch ihre regionalen und lokal beschränkten Besonderheiten vor allem die Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls und der Zusammenhalt in Region und vermitteln Heimat- und Traditionsverbundenheit – sie dienen jedoch auch als Abgrenzung nach außen.

Früher galten Dialekte als Zeichen geringer Bildung. Ein Image, das sich im Laufe der Zeit stark verbessert hat, sodass sie inzwischen als regionales Kulturgut verstanden und als schützenswert angesehen werden.

In Deutschland hat man übrigens auch gute Möglichkeiten, die deutschen Kunden auf Englisch anzusprechen, so liegt Deutschland gemäß der internationalen Studie des English Proficiency Index zur Ermittlung der Englischkenntnisse als Fremdsprache im Jahr 2021 auf Platz 11 – Österreich und Belgien liegen im Vergleich hier weiter vorne (Platz 2 und 6).

Schweiz

In der mehrsprachigen Schweiz wird von einem Großteil der Bevölkerung Deutsch gesprochen, der Rest spricht Französisch, Italienisch oder Rätoromanisch. In der Verwendung des Deutschen wird in der Schweiz zwischen Schweizerhochdeutsch und Schweizerdeutsch, oder auch Schwizerdütsch, unterschieden. Das Schweizerhochdeutsche ist die Standardvarietät des Deutschen, die in der Schweiz gesprochen wird. Schweizerdeutsch hingegen ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von alemannischen und südbairischen Dialekten, die in der Schweiz gesprochen wird, die jedoch nur selten schriftlich festgehalten wird. Darunter zählen z.B. das Baseldeutsch, Berndeutsch, Zürichdeutsch und Solothurnerdeutsch – es gibt also kein Standardschweizerdeutsch. Schweizerdeutsch wird im Norden, Osten und in der Mitte des Landes von 63 % der Bevölkerung gesprochen und ist damit die Hauptsprache der Schweiz. Seine Sprecher bezeichnen es als Dialekt, Mundart oder einfach nur Dütsch.

Wenn man das Schweizer Hochdeutsch und das bundesdeutsche Hochdeutsch vergleicht, so stößt man auf sogenannte Helvetismen. Wörter, deren Gebrauch nur in der Schweiz üblich ist. Diese werden häufig durch die räumliche Nähe zu Frankreich bestimmt, so heißt es im schweizerischen Hochdeutsch Velo statt Fahrrad oder Billet statt Fahrkarte.

In der Schweiz sind die Dialekte im hohen Maße identitätsstiftend und werden stolz von ihren Sprechern genutzt. Für viele Schweizer ist das Schweizer Hochdeutsch wie eine Fremdsprache, da im Alltag in vielen Bereichen Dialekt gesprochen wird. Das Hochdeutsch wird vor allem in der Schriftsprache verwendet oder bei formellen Anlässen, im Schulunterricht, in den Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender oder bei Gesprächen mit Nicht-Schweizern gesprochen.

Österreich

Die österreichische Standardvarietät des Deutschen wird in Österreich von ca. 9,5 Millionen Sprechern gesprochen. Dabei gibt es Aspekte, die sich nur beim Sprechen, jedoch nicht beim Schreiben äußern. Ein gutes Beispiel dafür ist das Hinzufügen von Artikeln bei dem Sprechen über eine andere Person, so sagt man statt „Mia lernt gerne Sprachen“, wie es in Deutschland üblich ist, „Die Mia lernt gerne Sprachen“. Auch gibt es die sogenannten Austriazismen, die das österreichische Pendant der schweizerischen Helvetismen darstellen: das Angebot ist das Anbot, das Rührei ist die Eierspeis, die Tomate ein Paradeiser und der Januar heißt Jänner. Letzterer wird übrigens auch häufig von dialektalen Sprechern aus Süddeutschland verwendet.

Auf grammatikalischer Ebene kommt es im Österreichischen zu der Verwendung der sogenannten Fugenlaute, bei denen bei der Wortzusammensetzung die beiden Einzelwörter mit einem „s“ verbunden werden. Ein Beispiel ist der Schweinebraten (Deutschland) bzw. Schweinsbraten (Österreich). Das kann auch andersherum passieren, so heißt der Adventskalender in Österreich Adventkalender. Auch wird im österreichischen Deutsch gerne der Diminutiv (= Verkleinerungsform) verwendet und Wörter mit der Silbe -erl verniedlicht, z.B. Mauserl oder Enkerl. Es gibt jedoch auch Wörter, die auf -erl enden und keine Verkleinerung, sondern ihre normale Form darstellen, wie z.B. Zuckerl für das bundesdeutsche Bonbon.

Luxemburg

Laut einer Studie des Bildungsministeriums von 2018 sprechen 98% der luxemburgischen Bevölkerung Französisch, 80% Englisch, 78% Deutsch und 77% der Bevölkerung Luxemburgisch. In Luxemburg gibt es drei Amtssprachen, deren Verwendung je nach Anlass variiert: Französisch ist die allgemein bevorzugte Sprache in der Regierung und Verwaltung und wird auch gerne im Handel und der Hotellerie verwendet. Luxemburgisch wird besonders in der gesprochenen Sprache verwendet, so auch in Radio und Fernsehen. Das Deutsche wird vor allem in den Printmedien verwendet, ist aber auch erst erlernte Fremdsprache in Schulen.

Das Luxemburgische, oder auch Lëtzebuergesch, ist die Nationalsprache Luxemburgs und galt bis zum 20. Jahrhundert noch als Mundart des Deutschen, zugehörig der moselfränkischen Sprachvarietät der westmitteldeutschen Dialektgruppe, und wurde erst später als eigenständige Sprache betrachtet.

Die Kinder in Luxemburg erlenen im Elternhaus meist Luxemburgisch und werden dann in der Schule zunächst an das Luxemburgische Hochdeutsche als erste Fremdsprache, und das Französische als zweite Fremdsprache herangeführt. In der Sekundarstufe wird Französisch dann nach und nach zur vorherrschenden Unterrichtssprache. Die Standardvarietät des luxemburgischen Deutsch ist weniger bekannt als das Schweizerdeutsch oder das Österreichische, wird jedoch nach und nach versucht schriftlich im „Luxemburger Standarddeutsch“ zu fixieren. In dem diesen Oktober im DUDEN Verlag erscheinenden Wörterbuch findet man beispielsweise Wörter wie rentrée für den Wiederbeginn der Schule nach den Ferien oder chamber für Parlament, die von der französischen Sprache beeinflusst sind. Auch gibt es Begriffe, die dem bundesdeutschen sehr ähnlich sind, z.B. Freiluftbad statt Freibad, aber auch zunächst schwerer erkennbare Wörter wie Gemeindemutter für Bürgermeisterin.

Belgien

Das Königreich Belgien gliedert sich in drei Gemeinschaften, in denen drei Amtssprachen gesprochen werden: flämisch, französisch und deutsch. Ca 60% der Belgier sprechen Niederländisch, 40% Französisch und nur ca. 1% Deutsch. Die deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens liegt im Osten, in den ehemals deutschen Gebieten, und setzt sich aus ca. 73.000 Einwohnern zusammen. Die deutschsprechenden Belgier stellen eine Minderheit dar, die jedoch durch einen eigenen Sitz im Europaparlament gut geschützt wird.

Die Unterschiede zwischen dem der belgischen und der bundesdeutschen Standardvarietät des Deutschen äußert sich vor allem auf gesprochener Ebene. Eine lexikalische Besonderheit stellen hier die Belgizismen dar, wovon ein großer Teil jedoch als umgangssprachlich oder dialektal einzustufen ist. Die deutsche Sprache wurde durch das Nebeneinander mit dem Französischen und dem Niederländischen stark von diesen Sprachen beeinflusst, sodass es häufig zu Fremdwörtern oder Entlehnungen aus der jeweiligen Sprache kommt. In Belgien sagt man zum Beispiel anbefohlener Preis statt empfohlener Preis oder ich habe kalt statt mir ist kalt.

Liechtenstein

Liechtenstein ist der letzte der geschlossenen deutschen Sprachräume, in denen Deutsch offizielle Amtssprache ist. In dem viertkleinsten Staat Europas wird im Alltag aber hauptsächlich der alemannische Dialekt, mit deutlich lokalen Variationen, gesprochen. Der Staat hat die Bestrebung, die regionalen Dialekte zu fördern, und hat dies in der Ratifizierung der europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen fixiert.

Frankreich und Italien

Gesprochen wird Deutsch außerdem noch in nennenswertem Maße in Frankreich und Italien. In Frankreich werden die elsässischen und lothringisch-fränkischen Dialekte von mehr als einer Millionen Personen gesprochen, die sich am Hochdeutschen in der Schriftform und als Bezugssprache orientieren. Einen offiziellen Status haben sie durch die strikte Sprachpolitik Frankreichs jedoch nicht.

Anders ist dies in Italien, wo in Südtirol Deutsch offizielle Amtssprache ist und von ca. 60% der 509.000 Einwohnern Südtirols als Muttersprache angegeben wird. Die Verwendung der deutschen Sprache ist rechtlich geregelt und wird in Südtirol gleichgestellt mit dem Italienischen.

Fazit

Man kann mit der deutschen Sprache über 150 Millionen Menschen in verschiedenen Ländern erreichen. Die Unterschiede zwischen den Varianten sind dabei, zumindest in der geschriebenen Sprache, relativ gering. Das bundesdeutsche Hochdeutsch ist für nahezu alle Deutschsprachigen gut verständlich und stellt somit auch außerhalb von Deutschland einen gut funktionierenden Kompromiss dar.

Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass Dialekte und Sprachvarianten im Alltag vieler Menschen eine große Rolle spielen und einen wichtigen Teil der eigenen Identität ausmachen. Dialekte kann man deshalb nicht nur als Aufhänger für Werbezwecke nutzen oder um in lokal begrenzten Gebieten eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen, sondern auch um Vertrauen aufzubauen, Wertschätzung auszudrücken und eine persönlich Verbindung herzustellen.

Besonders in der Schweiz sollte man den Stellenwert der Sprache und des Dialektes im Hinterkopf behalten und nicht den Fehler begehen, die deutsche Sprache zu pauschalisieren: die Verwendung des Schweizerischen Hochdeutsches ist hier ein Muss, wenn man auf Augenhöhe mit den Menschen kommunizieren möchten.

Aber natürlich birgt das Thema auch Fettnäpfchen: Wenn ein internationales Unternehmen es mit der kulturellen Aneignung lokaler Eigenheiten übertreibt oder Begriffe fehlerhaft verwendet werden, kann dies der Glaubwürdigkeit mehr schaden als nutzen. Aus Marketingzwecken ist es also immer sinnvoll, mit einem lokalen Experten Rücksprache zu halten, um sowohl die Verwendung der richtigen Worte als auch eine korrekte Orthographie zu gewährleisten und gut funktionierende Texte zu erstellen.



Quellen

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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Bitte beachten Sie: Auch wenn wir in unseren Beiträgen gelegentlich Rechtsthemen ansprechen, stellen diese keine Rechtsberatung dar und können eine solche auch nicht ersetzen. Wenn Sie konkrete Fragen haben, lassen Sie sich bitte von einem Anwalt beraten.