Ein E-Commerce-Markt ohne Sprachbarrieren wirkt auf den ersten Blick natürlich attraktiv. Ob sich Liechtenstein als Expansionsziel aber wirklich eignet oder ob es dabei auch Tücken gibt, zeigen wir in diesem Beitrag unserer Reihe „E-Commerce in…“.

Zahlen und Fakten

Liechtenstein ist ein Binnenstaat im Alpenraum Mitteleuropas. Im Westen bildet der Alpenrhein die Grenze zwischen Liechtenstein und der Schweiz. Im Osten grenzt der Mikrostaat an Österreich. Übrigens ist Liechtenstein neben Usbekistan der einzige Binnenstaat, der wiederum ausschließlich von Binnenstaaten umgeben ist. Mit ca. 38.650 Einwohnern ist es der kleinste Staat im deutschen Sprachraum. Im Alltag werden überwiegend liechtensteinische Mundarten gesprochen, welche dem Alemannischen angehören. Daneben hört man oftmals auch Schweizerdeutsch oder Englisch aus den Gesprächen raus. Das Land hat eine Fläche von etwa 160,5 km2 und ist damit der viertkleinste Staat Europas und der sechstkleinste der Erde. Das bedeutet, Liechtenstein ist flächenmäßig nicht einmal halb so groß wie Dresden. Die Bevölkerungsdichte liegt bei ca. 237 Einwohnern pro km2, wobei die Einwohner durchschnittlich 43,4 Jahre alt sind. Zu Beginn der Industrialisierung 1941 lag der Ausländeranteil bei knappen 16 %. Bis 1990 stieg er dann schon auf 37,6 %. Seitdem sinken die Zahlen allerdings wieder und lagen 2019 bei 34,2 %. Die Hauptstadt ist Vaduz. Mit einer Fläche von ca. 17.300 km2 ist die Stadt rund 51-mal kleiner als Berlin. Gezahlt wird in Liechtenstein mit Schweizer Franken (CHF). Ein Euro entspricht dabei ca. 1,04 CHF. Zu den beliebtesten Online-Zahlungsmethoden in Liechtenstein gehören Prepaid-Karten und Kreditkarten.

Chancen und Trends

 Liechtenstein ist ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort und hat eine der höchsten Industriequoten der Welt mit rund 41 % der Bruttowertschöpfung aus der Industrie und dem warenproduzierenden Gewerbe. Liechtenstein verfügt über eine hoch entwickelte und effiziente E-Commerce-Branche. Die Regierung versucht das Land in eine Smart Nation zu verwandeln und hat in den letzten Jahren viel in die Internet-Infrastruktur investiert. Außerdem sollen bis 2023 weitere Teile des Landes mit schnellem Glasfasernetz erschlossen werden und die „digitale Autobahn“ ausgebaut werden. Diese ermöglicht vielen Geschäftsinhabern, sich nun auch im Online-Bereich zu etablieren. Der Verkauf in Liechtenstein ist für viele internationale E-Commerce-Händler eine Überlegung wert. Es ist ein großer und aktiver Verbrauchermarkt. Jeder fünfte Einwohner Liechtensteins kauft mittlerweile mehrfach im Monat und jeder vierte kauft wenigstens einmal im Monat online ein. Dabei wird die Produktauswahl durch Qualitätsdenken beeinflusst. Die wichtigsten Qualitätsattribute sind für die liechtensteinischen Einwohner „frisch“, „hochwertig“ und „benutzerfreundlich“. Die Marke ist prinzipiell nicht kaufentscheidend. 80 % legen zudem sehr großen Wert auf freundliche und fachkundige Beratung. Am häufigsten werden Flugtickets, Veranstaltungstickets, Reisebuchungen sowie Bücher und Elektroartikel gekauft. Gerne wird auch im Ausland eingekauft. Gründe dafür sind zum einen die größere Auswahl an Fachgeschäften sowie die modernen Angebote und zum anderen die günstigeren Einkaufskonditionen. Vor allem bei B2C-Online-Einkäufen macht der mobile E-Commerce mittlerweile einen bedeutenden Anteil des liechtensteinischen E-Commerce-Marktes aus und wird demnächst wahrscheinlich die Desktop-Nutzung übertreffen. Dies sollte beim Einrichten eines Online-Shops und Produktangebotes berücksichtigt werden. Die beliebtesten Internetseiten sind amazon.de, ricardo.ch, conrad.ch, brack.ch und digitech.ch.

Versand und Zölle

Der Versand eines Pakets von Deutschland nach Liechtenstein dauert je nach Versanddienstleister zwischen 3 und 5 Tagen. Um für die liechtensteinischen Käufer einen reibungslosen Einkauf zu gewährleisten, werden alle lokalen Steuern und Abgaben im Voraus berechnet und ausgewiesen. Dazu müssen allen Produkten die entsprechenden HS-Codes zugewiesen und dann anhand dieser die Steuern und Abgaben berechnet werden, die auf ein bestimmtes Produkt erhoben werden müssen. Das ist zwar eine mühsame manuelle Aufgabe, kann aber mit HS-Klassifizierungstools automatisiert werden.

Die Schweiz und Liechtenstein gehören nicht zum Zollgebiet der Europäischen Gemeinschaft. Daher müssen für den Versand neben der Empfänger- und Absender-Adresse zusätzliche Angaben für die Verzollung gemacht werden. Dies erfolgt im Rahmen der Zollinhaltserklärung. Zusätzlich ist immer die Handelsrechnung auf dem Paket zu befestigen.

Fazit

Grundsätzlich ist der Verkauf in Liechtenstein für viele internationale E-Commerce-Händler eine Überlegung wert. Es ist ein sehr aktiver Verbrauchermarkt. Es ist dabei wichtig, dass (potenziellen) Kunden die von ihnen bevorzugten Zahlungsmethoden angeboten werden und der Shop sollte auch auf Schweizer Franken und in Deutsch lokalisiert sein



Quellen

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

Wir erklären, wie Internationalisierung funktioniert, geben Tipps zu Übersetzungsprojekten und erläutern Technologien und Prozesse. Außerdem berichten wir über aktuelle E-Commerce-Entwicklungen und befassen uns mit Themen rund um Sprache.

 

Bitte beachten Sie: Auch wenn wir in unseren Beiträgen gelegentlich Rechtsthemen ansprechen, stellen diese keine Rechtsberatung dar und können eine solche auch nicht ersetzen. Wenn Sie konkrete Fragen haben, lassen Sie sich bitte von einem Anwalt beraten.