Frankreich ist eine der größten Volkswirtschaften weltweit – und aus der Sicht deutscher Unternehmen ein wesentlicher Zielmarkt, denn rund 16 % der französischen Warenimporte werden aus Deutschland geliefert. Welche Merkmale den französischen E-Commerce kennzeichnen und was Unternehmen im Hinblick auf den digitalen Handel in Frankreich beachten müssen, zeigen wir hier.

Zahlen und Fakten über Frankreich

Mit seiner Fläche von über 635.700 km2 ist Frankreich eines der größten Staatsgebiete der EU, größer als Deutschland, Österreich, Schweiz, Tschechien und die Slowakei zusammen. Aufgrund seiner Nähe zu wichtigen Wirtschaftspartnern – vor allem zu Deutschland – sowie seiner Beziehungen zu weltweiten Bezugs- und Zielmärkten, ist es ein naheliegendes Expansionsziel und ein wichtiger Wirtschaftsstandort, der sich über viele Überseegebiete auf mehreren Kontinenten erstreckt.

Frankreich ist eine semipräsidentielle Republik. Im Jahr 2016 wurde eine Verwaltungsreform verabschiedet, mit der die Anzahl der seit 1964 bestehenden, ursprünglichen 27 Regionen auf die heutigen 18 Regionen reduziert wurde. Diese sind ihrerseits in Départements unterteilt. Heute gibt es 101 Départements; 96 liegen in Europa (das eigentliche Kernland plus Korsika), die restlichen 5 befinden sich in Übersee.

Die Hauptstadt Paris ist Frankreichs größte Metropolregion und beheimatet über 12,6 Mio. der insgesamt 67,4 Mio. Menschen, die in Frankreich leben. Weitere wichtige Metropolregionen Frankreichs sind die Städte Lyon im Südosten (2,3 Mio.), Marseille-Aix-en-Provence an der Mittelmeerküste (1,7 Mio.), Toulouse im Süden (1,3 Mio.) und Bordeaux im Südwesten (1,2 Mio.).

Frankreich ist Gründungsmitglied der EU und der Vereinten Nationen und Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Welthandelsorganisation (WTO). Es ist Teil des Europäischen Binnenmarkts und verwendet den Euro.

In Frankreichs Überseegebieten leben ca. 2,6 Mio. Menschen. Die Überseegebiete Französisch-Polynesien, Neukaledonien und Wallis und Futuna im südlichen Pazifik verwenden eine eigene Währung, den CFP-Franc. 1.000 CFP-Franc entsprechen dem Wert von 8,39 Euro (Februar 2022).

Sprache und Lokalisierung

Die französische Standardsprache teilt sich mit dem Englischen den Status einer weltweit verstandenen Handels- und Verkehrssprache und schafft eine solide Kommunikationsbrücke zwischen dem französischen Mutterland und den vielen Ländern, in denen Französisch Amtssprache ist. Dazu zählen übrigens nicht nur Frankreich und seine Überseegebiete, sondern auch Kanada, Belgien, die Schweiz, Haiti sowie viele afrikanische Länder wie Madagaskar, Kongo, Mali, Kamerun, Niger, Burkina Faso und Benin. Zu den frankophonen Ländern pflegt Frankreich auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit eine besondere Beziehung.

Französische Schülerinnen und Schüler lernen vor allem Englisch und Spanisch. Deutsch wird in französischen Schulen neben anderen Fremdsprachen seltener unterrichtet. In den ehemaligen Kolonialgebieten Frankreichs werden nach wie vor Kreolsprachen gesprochen, die von der französischen Sprache vor allem was den Wortschatz betrifft beeinflusst werden.

Frankreich verfolgt eine aktive Sprachpolitik, die die Verwendung der französischen Sprache sowohl national als auch international fördert. Regionalsprachen genießen in Frankreich keinen offiziellen Status, sie sind somit der Standardsprache untergestellt und ihr Gebrauch – wie auch der Gebrauch sämtlicher Migrantensprachen – wird auf den privaten Bereich beschränkt. Für den erfolgreichen Anstieg am französischen Markt kommt der Lokalisierung etwa von Werbeinhalten, die an das französischsprachige Publikum gerichtet sind, eine entscheidende Rolle zu.

Wirtschaft, Import und Export

Der französische Wirtschaftsgigant scheint von der Pandemie durch Covid-19 keinen allzu großen Schaden genommen zu haben: Nur im Jahr 2020 hat die französische Wirtschaft gelitten, nun aber wächst sie stabil weiter – und sogar mehr als in der Prä-Covid-Zeit. Frankreichs Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag Ende 2021 bei rund 2.940 Mrd. US-Dollar, Ende 2019 lag der Wert bei 2.728 Mrd. Für Ende 2022 wird geschätzt, dass das BIP über die 3.000 Mrd. US-Dollar hinauswachsen wird. Diesem Wachstumstrend folgt auch das BIP pro Kopf, dieses liegt aktuell bei 45.028 US-Dollar.

Der Dienstleistungssektor trug im Jahr 2020 zu 71,03 % zur Bruttowertschöpfung in Frankreich bei, die Industrie zu 16,29 % und die Agrarwirtschaft zu 1,72 %. Frankreich ist ein weltweit beliebtes Urlaubsziel: Der Tourismus, die Modeindustrie und der Handel sind die Branchen, die am meisten zur Gesamtwertschöpfung des Landes beitragen.

Deutschland ist Frankreichs wichtigster Wirtschaftspartner innerhalb der EU: 16 % der französischen Importe kommen aus Deutschland, weitere wichtige Bezugsmärkte sind China (9 %), Italien (8 %), Belgien (7 %), die USA und Spanien (jeweils 6 %). Aus dem Ausland importiert Frankreich vor allem mechanische und elektronische Arbeitsmittel sowie Transportmittel unter anderem für die Luftfahrt- und die Automobilindustrie. Nach Frankreich importiert werden auch chemische und kosmetische Produkte sowie Produkte für die Agrarwirtschaft, die Metallurgie und den Bergbau. In einem geringeren Ausmaß importiert Frankreich auch Textilien, Leder, Schmuck, Spielzeuge und Einrichtungsgegenstände sowie Pharmazeutika, Gummi- und Kunststoffprodukte.

Auch im Hinblick auf die Warenexporte ist Deutschland Frankreichs wichtigster Wirtschaftspartner unter den EU-Ländern: 15 % der französischen Exporte werden nach Deutschland geliefert, weitere wichtige Zielmärkte sind Spanien und Italien (8 %), das Vereinigte Königreich, die USA und Belgien (7 %) sowie China und die Niederlande (4 %). Frankreich exportiert vor allem Transportmittel für die Luftfahrt- und die Automobilindustrie. Auch aus Frankreich exportiert werden mechanische und elektronische Arbeitsmittel, chemische und kosmetische Produkte sowie Produkte für die Agrarwirtschaft und die Metallurgie. Pharmazeutika, Textilien, Leder sowie Gummi- und Kunststoffprodukte neben Schmuck, Spielzeugen und Einrichtungsgegenständen werden in einem geringeren Ausmaß exportiert.

Trends in der Internetnutzung

Daten von Statista zufolge haben 78 % der Französinnen und Franzosen im Jahr 2021 mindestens einmal das Internet benutzt; 72 % von ihnen glauben, dass ihnen das Internet einen einfachen und vor allem schnellen Weg zu recherchierten Informationen bietet. Es wird geschätzt, dass das Internet in dem Leben der Französinnen und Franzosen immer präsenter wird – und damit auch im Hinblick auf den digitalen Handel: Bis 2023 dürften in Frankreich über das Internet 52,8 Mio. potenzielle Konsumentinnen und Konsumenten erreicht werden.

Französische Konsumentinnen und Konsumenten sind digitalaffin und setzen das Internet kompetent ein, um sich über Produkte und Leistungen zu informieren, sie zu vergleichen und über etablierte E-Commerce-Kanäle zu beziehen. Die unkomplizierte und ortsunabhängige Suchfunktion des Internets verwenden Französinnen und Franzosen vor allem außerhalb der eigenen Wohnung oder des Arbeitsorts über mobile Geräte, wie beispielsweise Smartphones und Tablets. Von den befragten Französinnen und Franzosen verwenden mehr als 78 % das Internet über mobile Geräte, wenn sie unterwegs sind.

Die Häufigkeit der Internetnutzung seitens der französischen Unternehmen variiert hingegen sehr je nach der jeweiligen Branche. Der Einzelhandel (71 %) und die Hotellerie (61 %) sind die Branchen, die am meisten digital verkaufen.

Kaufverhalten

Laut Statista nutzten im Jahr 2019 52 % der Französinnen und Franzosen das Internet, um Waren und Dienstleistungen online zu beziehen. Insgesamt wurden in dem Jahr in Frankreich digitale Einkäufe im Wert von 72,6 Mrd. Euro vom Computer aus getätigt, weitere 16,8 Mio. machten die mobilen Transaktionen aus. Fast 40 % der befragten französischen Konsumentinnen und Konsumenten gaben an, mindestens einmal im Monat Waren oder Dienstleistungen über verschiedene E-Commerce-Kanäle online zu beziehen.

Onlinetransaktionen schließen französische Konsumentinnen und Konsumenten am liebsten per Kredit- bzw. Debitkarte ab, per E-Banking oder Banküberweisung wird nur selten gezahlt. Digitale E-Wallets, die das bequeme Zahlen per Smartphone ermöglichen, sind ebenfalls beliebt und werden beim Onlinekauf von Lebensmitteln von 36 % der Französinnen und Franzosen sogar der Kreditkarte bevorzugt.

Den französischen E-Commerce-Markt teilt sich der globale Player Amazon mit den Marktplätzen Fnac und Cdiscount. Auf Cdiscount werden vor allem Kleidung und Modeartikel verkauft.

Fazit

Aus der Sicht deutscher Händlerinnen und Händler ist Frankreich mit Sicherheit eine naheliegende Option für eine Expansion ins Ausland. Die gemeinsame Währung sowie die Tatsache, dass Frankreich ein Mitgliedsstaat der EU ist und dadurch Waren und Personen zwischen den zwei Ländern unbeschränkt zirkulieren dürfen, sind alle wesentliche Gründe, die für den Einstieg in den französischen Markt sprechen. Die französische Bevölkerung ist vernetzt, digitalaffin und kauft gerne im Internet ein. Eine – wenn auch leicht überwindbare – Barriere für ausländische Unternehmen, die kein Französisch sprechen, stellt hingegen die Sprache dar: Die Übersetzung ins Französische ist zwar nötig, aber auch die einzige Hürde, die Interessenten aus dem Ausland in Kauf nehmen müssen: Die Vorteile, die das Land Frankreich als Wirtschaftsstandort bietet, überwiegen.



 

Quellen:

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

Wir erklären, wie Internationalisierung funktioniert, geben Tipps zu Übersetzungsprojekten und erläutern Technologien und Prozesse. Außerdem berichten wir über aktuelle E-Commerce-Entwicklungen und befassen uns mit Themen rund um Sprache.

 

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