In diesem Artikel unserer Reihe „E-Commerce in…“ stellen wir die statistisch gesehen gastfreundlichste Nation der Welt vor: Serbien. Der E-Commerce in Serbien ist in den letzten 3 Jahren stark gewachsen und weiterhin im Steigen begriffen.

Zahlen und Fakten

Serbien hat eine Fläche von 88.360 km2 (es ist damit nur knapp größer als Bayern) und eine Bevölkerung von ca. 6,9 Millionen Menschen. Die Bevölkerungsdichte liegt somit bei 80 Einwohnern pro km2 und entwickelt sich wegen Abwanderung und aus Altersgrößen um 0,5 % ins Negative. Die Einwohner sind zu ca. 80 % Serben, daneben leben dort noch größere Gruppen von Ungarn, Roma und Bosniaken.

Serbien ist ein Binnenstaat in Südost- und Mitteleuropa und reicht teilweise in das Gebiet des Balkans hinein. Das Land grenzt im Norden an Ungarn, im Osten an Rumänien und Bulgarien, im Süden an Nordmazedonien und Albanien bzw. Kosovo, im Südwesten an Montenegro und im Westen an Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien. Neben der Hauptstadt Belgrad sind Novi Sad, Nis, Kragukevac und Subotica weitere große Städte.

Der Norden des Landes wird von den Ausläufern des ungarischen Tieflands geprägt. Die sogenannte Vojvodina bildet zusammen mit dem Belgrader Becken, wo Save und Donau zusammenfließen, die einzigen beiden Ebenen des Landes. Das zentrale Serbien (auch Altserbien genannt) wird dagegen überwiegend von Hügeln und bewaldeten Mittel-gebirgen dominiert.

Die Kultur in Serbien wurde durch das Byzantische Reich und die orthodoxe Religion stark beeinflusst. Allgemein sind die serbischen Bräuche und nationalen Tradition aber denen der restlichen christlich-slawischen Welt sehr ähnlich.

Währung und Bezahlung

Bezahlt wird in Serbien in Dinar und Para (1 Dinar = 100 Para). Ein Euro entspricht ca. 118 Dinar.  Daten der serbischen Nationalbank zeigen, dass die Verwendung von Zahlungskarten (sowohl Kredit- als auch Debitkarten) an physischen Verkaufsstellen und auf E-Commerce-Websites von Jahr zu Jahr zunimmt. Online-Kartenzahlungen in Serbien wachsen mit einer jährlichen Rate von etwa 55 Prozent. Die beliebteste Bezahlmethode ist jedoch noch das Bargeld. Wobei neben Banküberweisung (1 %) e-Wallets (2 %) auch immer interessanter werden und häufiger genutzt werden.

89 % der Online-Shopper kaufen über den Desktop ein. Nur 4 % nutzen dazu ihr Smartphone und 1 % verwendet ein Tablet. Die Zahlen für die beiden letztgenannten Möglichkeiten sind jedoch im Steigen begriffen.

Chancen und Trends

Der Umsatz im Markt E-Commerce beträgt rund 602 Millionen Euro. Laut Prognose wird im Jahr 2025 ein Marktvolumen von 1.306 Millionen Euro erreicht, dies entspricht einem erwarteten jährlichen Umsatzwachstum von 21,36 %. Im Markt E-Commerce wird die Anzahl der Nutzer im Jahr 2025 laut Mutmaßung 4,2 Mio. Nutzer betragen. Ca. 20 % der serbischen Unternehmen sind im elektronischen Handel tätig und 42 % der Unternehmen bestellen Produkte und Dienstleistungen online. Die Verbraucherausgaben haben sich 2019 und 2020 erhöht und es wird erwartet, dass das Wachstum bis Ende 2022 weiterhin über dem EU-Durchschnitt liegt.

Die beliebtesten Produkte, die online gekauft werden, sind Kleidung und Sportartikel (58,2 %), Haushaltswaren (27,1 %), elektronische Geräte (20,1 %), Computerausrüstung (12,4 %), Spiele und Zubehör (12 %), pharmazeutische Produkte (6,6 %), Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen (4,7 %), Personenbeförderung (8,5 %), Ferienunterkünfte (7,9 %), Bücher, Zeitschriften und Zeitungen (2 %).

Versand und Zölle

Ca. 75 % aller Transaktionen gehen an nicht-serbische Online-Händler, hauptsächlich aus Deutschland, Italien, Russland, China und Ungarn.

Der nationale Postdienst Posta Srbije, hat in Zusammenarbeit mit dem Finanzministerium zwei neue Dienste für seine Nutzer geschaffen, um den Export von Waren zu erleichtern und bessere Bedingungen für die Entwicklung des grenzüberschreitenden E-Commerce zu schaffen: PostExport und PostPak. Daneben gibt es auch noch weitere private Logistikdienstleister. Je nach Dienstleister (DHL oder UPS) dauert der Versand aus Deutschland nach Serbien 4-9 Tage.

Websites und Social Media

Die beliebtesten Websites der Serben sind Amazon (.uk oder .de) und Alibaba. Aber auch lokal entwickelte Plattformemen wie eKupis.rs, Tako lako, Tehnomanija, NonStopShop.rs und www.kupujemprodajem.com sind gut besucht. Win Win und Gigatron gehören zu den größten Elektronik-Webshops. Zudem gibt es eine Suchmaschine für eCommerce-Geschäfte in Serbien (Shopmania). Fast alle Websites sind übrigens auf der Amtssprache Serbisch.

Die serbische Sprache ist eine Standardvarietät aus dem südslawischen Zweig der slawischen Sprache und basiert wie Kroatisch und Bosnisch auf einem stokavischen Dialekt. In Serbien wird serbisch von ca. 6,7 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Daneben werden auch andere Sprachen gesprochen, wie zum Beispiel Ungarisch, Slowakisch, Rumänisch, Kroatisch und Albanisch. Die Hauptfremdsprache dort ist Englisch.

Die meisten Internetnutzer (über 60 %) in Serbien nutzen das Internet für soziale Medien. Mehr als 3,2 Millionen Menschen in Serbien sind aktive Nutzer sozialer Netzwerke. Die am häufigsten genutzten sozialen Netze sind dabei Facebook, Instagram und YouTube. Jüngere Nutzer verwenden Facebook als Informationsquelle, während ältere Nutzer es zur Kommunikation nutzen. Twitter wird vor allem von Politikern und Journalisten genutzt. LinkedIn ist die fünftbeliebteste Social-Media-Plattform und wird hauptsächlich von Geschäftsleuten genutzt.

Fazit

Der E-Commerce in Serbien hat eine Zukunft, wird aber bisher noch nicht genug genutzt, sodass es noch viel Raum für Entwicklung gibt. Die Serben kaufen gerne bei ausländischen Unternehmen ein, weshalb es sich vor allem auch für deutsche Händler lohnen kann. Das einzige Hindernis stellt die Sprache dar, da die Serben gerne in der eigenen Sprache shoppen. An digitales Marketing sollte ebenfalls gedacht werden. Die Gesamtausgaben für Marketing in Serbien sind in den letzten Jahren gestiegen, da die Werbetreibenden immer mehr in digitale Werbung investieren.



Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

Wir erklären, wie Internationalisierung funktioniert, geben Tipps zu Übersetzungsprojekten und erläutern Technologien und Prozesse. Außerdem berichten wir über aktuelle E-Commerce-Entwicklungen und befassen uns mit Themen rund um Sprache.

 

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