Kroatien ist seit 2013 das bisher jüngste Mitgliedsland der EU und möchte in naher Zukunft auch den Euro einführen. Warum das gute Rahmenbedingungen für den E-Commerce im „Land der tausend Inseln“ sind, sehen wir uns in unserem neuesten Blogeintrag genauer an.

Zahlen und Fakten

Weiße Kiesstrände, quirlige Altstädte, einsame Buchten – und das alles bei über 200 Sonnentagen im Jahr: Kroatien ist zu recht ein beliebtes Urlaubsziel. Die knapp 2000 Kilometer lange Mittelmeerküste ist so zerklüftet, dass das Land auch unter dem Spitznamen „Land der tausend Inseln“ bekannt ist. Tatsächlich sind nur rund 50 dieser Eilande bewohnt, darunter die bei Urlaubern beliebten großen Inseln Cres und Krk. Doch die touristisch bedeutsame Küstenregion ist längst nicht alles, was das Land ausmacht: Zwischen den schroffen Gipfeln des dinarischen Gebirges nördlich der Stadt Split sind bis heute Luchse, Wölfe und Bären zuhause, während in den fruchtbaren Ebenen der Region Slawonien im Nordosten riesige Eichenwälder gedeihen.

Kroatien liegt im Nordwesten der Balkanhalbinsel. Im Westen grenzt das Land an das Adriatische Meer, im Norden an Slowenien und Ungarn, im Osten an Serbien und im Südosten an Bosnien und Herzegowina. Die Hauptstadt Zagreb ist mit ca. 806.000 Einwohnern das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Insgesamt leben in Kroatien etwas über vier Millionen Menschen. Obwohl es mit seinen 56.594 Quadratkilometern Fläche nur etwa doppelt so groß ist wie Brandenburg, zählt das kleine Mittelmeerland ganze acht kulturelle Welterbestätten – vom Palast des römischen Kaisers Diokletian in der Stadt Split bis hin zur malerischen Altstadt von Dubrovnik, die in jüngerer Vergangenheit unter anderem als mittelalterliche Kulisse für die beliebte Fernsehserie „Game of Thrones“ diente. Hinzu kommen der Nationalpark Plitvicer Seen und die länderübergreifend gewürdigten alten Buchenwälder der Karpaten als UNESCO Weltnaturerbe.

Wie seine Nachbarstaaten war auch Kroatien einst Teil von Jugoslawien. 1991 erklärte das Land seine Unabhängigkeit – der daraus resultierende Kroatienkrieg dauerte bis 1995. Heute ist Kroatien eine parlamentarische Demokratie und trat im Juli 2013 als bisher letztes Mitgliedsland der Europäischen Union bei. Zum Jahresbeginn 2023 will das Land nach derzeitigem Stand auch den Euro einführen. Bis es so weit ist, bezahlen die Kroaten weiterhin mit der Landeswährung Kuna (HRK). Eine Kuna entspricht ungefähr 13 Euro-Cent und wird mit dem Kürzel „kn“ abgekürzt.

Trends & Einblicke

Der kroatische E-Commerce-Markt ist insbesondere seit dem EU-Beitritt 2013 stark gewachsen. Ende 2020 hatten laut dem nationalen Statistikbüro DZS 85 Prozent der Kroaten Zugang zum Internet und 77 Prozent besaßen einen eigenen Computer. Vor allem die jüngere Bevölkerung, allen voran die Altersgruppe zwischen 16 und 34 Jahren, ist demnach gerne und regelmäßig online. Knapp die Hälfte aller Internetnutzer nutze das Netz im Corona-Jahr 2020 auch für Einkäufe – insbesondere Kleidung, Schmuck und elektronische Geräte standen bei den kroatischen Kunden dabei hoch im Kurs.

Im Digitalindex DESI der Europäischen Kommission landete Kroatien 2020 dennoch nur auf dem 25. Platz unter 28 untersuchten Ländern. Die Internetgeschwindigkeit ist vielerorts zu langsam, ein Breitbandanschluss durchschnittlich zudem teurer als anderswo in Europa. Von 2021 bis 2027 plant die kroatische Regierung jedoch eine intensive Infrastrukturreform, um die Breitbandabdeckung im gesamten Land zu verbessern.

Das durchschnittliche Nettoeinkommen in Kroatien betrug im Jahr 2020 umgerechnet etwa 1200 Euro pro Monat, was einem der niedrigsten Lohnniveaus in der Europäischen Union entspricht. Dennoch bestellen rund 40 Prozent der kroatischen Online-Kunden auch Waren im Ausland, vor allem aus China und anderen EU-Staaten. Erschwert wird dies dadurch, dass große internationale Anbieter wie Ebay und Amazon bisher keine kroatische Version ihrer Webseite anbieten. Der Versand nach Kroatien ist zwar oft dennoch möglich, Kunden müssen jedoch mit längeren Versandzeiten und höheren Kosten rechnen.

Die mit Abstand beliebteste Suchmaschine in Kroatien ist Google mit über 96 Prozent Marktanteil. Etwas vielfältiger sieht es bei den Internethändlern aus. Wohl wegen der im Lockdown geschlossenen Geschäfte erwirtschaftete 2020 der lokale Ableger der deutschen Baumarktkette Bauhaus mit 30 Millionen US-Dollar den größten Online-Umsatz auf dem kroatischen Markt. Auf den Plätzen zwei und drei folgten der einheimische Elektronikanbieter Ekupi sowie die spanische Modekette Zara.

Wie in vielen Nachbarländern bezahlen auch die Kroaten den Inhalt ihres digitalen Warenkorbs nach wie vor am liebsten analog. Die beliebteste Bezahlmethode im Onlinehandel ist die Nachnahme – wer auf dem kroatischen Markt erfolgreich sein will, sollte diese Option also auf jeden Fall anbieten. Spätestens seit der Corona-Pandemie erfreuen sich jedoch auch der digitale Bezahldienst PayPal sowie das Zahlen per Kreditkarte immer größerer Beliebtheit.

Sprachen

Bis zum Zerfall Jugoslawiens 1991 wurde die kroatische Sprache gemeinsam mit Bosnisch, Serbisch und Montenegrinisch zu einer gemeinsamen Sprache, dem Serbokroatischen, zusammengefasst. Noch heute verstehen die Sprecher dieser vier Sprachen einander problemlos, es gibt jedoch Unterschiede in der Aussprache und im Wortschatz. Im Gegensatz zu den drei anderen Sprachen wird das Kroatische außerdem ausschließlich in lateinischer statt in kyrillischer Schrift geschrieben.

Die Frage, ob es sich tatsächlich um separate Sprachen oder vielmehr um Dialekte derselben Sprache handelt, ist nach wie vor ein großes Politikum. Als es im Jahr 2013 etwa darum ging, Serbisch in der Region rund um die kroatische Stadt Vukovar als offizielle Minderheitensprache anzuerkennen und Schilder in kyrillischer Schrift aufzustellen, kam es seitens der kroatischsprachigen Mehrheit (über 95 Prozent der Einwohner Kroatiens sind Kroatisch-Muttersprachler) zu gewaltsamen Protesten. Zwar ist die enge sprachliche Verwandtschaft ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei der Übersetzung eventueller Online-Angebote, die linguistischen Besonderheiten der kroatischen Sprache sollten bei der Übertragung jedoch Beachtung finden.

Neben Serbisch sind in Kroatien unter anderem auch Italienisch und Tschechisch als offizielle Minderheitensprachen anerkannt. Im kroatischen Teil der Region Istrien ist Italienisch sogar zweite Amtssprache, an der Grenze zu Ungarn gibt es kleine ungarische Sprachinseln. Insgesamt machen die entsprechenden Muttersprachler jedoch einen so kleinen Anteil an der Gesamtbevölkerung aus, dass sie für den E-Commerce vernachlässigbar sind.

Hinzu kommt, dass über 80 Prozent der Kroaten mindestens eine weitere Sprache beherrschen. Auf Englisch, das insgesamt etwa 60 Prozent der Bevölkerung sprechen, folgen Deutsch und Italienisch als beliebteste Fremdsprachen.

Fazit

Gerade weil viele kroatische Onlineshopper gerne und oft ausländische Waren kaufen, bietet der kroatische Markt auch für deutsche Anbieter interessante Chancen. Die geographische Lage und die lokale Infrastruktur sind exzellent, Englisch- und oft sogar Deutschkenntnisse sind weit verbreitet.

Als EU-Mitglied ist Kroatien außerdem bereits jetzt Teil des europäischen Binnenmarktes, die Einführung des Euro dürfte den Handel für EU-Anbieter aller Voraussicht nach in Zukunft noch einmal zusätzlich erleichtern. Auch wenn das geringe Durchschnittseinkommen und die vielerorts langsame Internetverbindung mögliche Hindernisse darstellen, so zeigt das stete Wachstum des kroatischen E-Commerce-Marktes in den vergangenen Jahren doch, dass die Kunden in Kroatien zunehmend Gefallen am Einkaufen per Mausklick finden. Zugleich gibt es bisher vergleichsweise wenige Online-Shops – eine Lücke, die zu schließen sich durchaus lohnen könnte.



Quellen

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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