Der E-Commerce hat in Kroatien im Pandemiejahr 2020 einen regelrechten Boom erlebt. Warum aber dies erst in der Coronazeit passieren konnte, und nicht früher, ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Auf diese einzugehen könnte sich – gerade für Anbieter aus Deutschland und der EU ­– durchaus lohnen. Mehr dazu gibt es hier zu lesen.

Zahlen und Fakten

Kroatien liegt im Nordwesten der Balkanhalbinsel. Im Westen grenzt das Land an das Adriatische Meer, im Norden an Slowenien und Ungarn, im Osten an Serbien und im Südosten an Bosnien und Herzegowina. Die Hauptstadt Zagreb ist mit ca. 800.000 Einwohnerinnen und Einwohnern das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes. Insgesamt leben in Kroatien rund 3,8 Mio. Menschen. Dabei ist Kroatien mit seinen 56.594 km² Fläche nur etwa doppelt so groß wie Brandenburg.

Gemessen am HDI, dem Wohlstandindikator der Vereinigten Nationen, ist Kroatien mit einem Wert von 0,858 das 40. Land der Welt nach menschlicher Entwicklung (vgl. Deutschland: 0,942; Österreich: 0,916). Einen ähnlichen HDI wie Kroatien haben etwa die europäischen Länder Slowakei (0,848) und Ungarn (0,846). Das kroatische Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei rund 68 Mrd. US-Dollar, kaufkraftbereinigt liegt das BIP pro Kopf bei rund 32.800 US-Dollar (vgl. deutsches BIP pro Kopf: 45.700 US-Dollar).

Kroatien ist Mitglied der Europäischen Union und der Welthandelsorganisation. Seit 2023 ist Kroatien außerdem Teil des Schengen-Raums und der Eurozone. Somit hat der Euro in Kroatien die Kuna abgelöst. Der Wechselkurs beträgt ca. 7,5 Kuna pro Euro.

Internetnutzung, Kaufverhalten, Branchen und Zahlungsarten

Der kroatische E-Commerce-Markt ist seit dem Beitritt Kroatiens zur EU im Jahr 2013 stark gewachsen – Hand in Hand mit der Internetnutzung im Land. Daten von Statista zufolge hatten Ende 2023 rund 89,6 Prozent der Kroatinnen und Kroaten Zugang zum Internet. Vor allem aktiv, was die Internetnutzung betrifft, sind auch in Kroatien – dem globalen Trend folgend – die jüngeren Nutzerinnen und Nutzer zwischen 16 und 34 Jahren. Zu dieser Altersgruppe gehören der Umfrage zufolge viele, die das Internet auch kauforientiert, das heißt, um Waren und Dienstleitungen zu suchen, zu vergleichen und zu erwerben, einsetzen.

Soziale Netzwerke erfreuen sich in Kroatien eines kontinuierlich wachsenden Publikums. Bis zum Jahr 2028 wird erwartet, dass rund 3,4 Mio. Personen soziale Netzwerke nutzen werden. Social Media Werbung wird somit für den E-Commerce zu einem immer wichtigeren Thema.

Der E-Commerce hat in Kroatien ein sehr großes Potenzial, das noch nicht erschlossen ist. Zu den aktiven Onlineshopperinnen und -shopper gehören in Kroatien rund 40 Prozent aller Konsumenten, wie eine Umfrage aus dem Jahr 2022 zeigt. Dass viele allerdings immer noch lieber im Geschäft einkaufen als online, lässt sich zum einen damit erklären, dass das Internet vielerorts zu langsam ist und ein Breitbandanschluss durchschnittlich teurer als anderswo in Europa. Deshalb plant die kroatische Regierung eine intensive Infrastrukturreform, um die Breitbandabdeckung bis zum Jahr 2027 im gesamten Land zu verbessern.

Ein weiterer Grund, weshalb 82 Prozent der Befragten angeben, lieber im Geschäft einzukaufen als im Internet, ist, dass für viele Konsumentinnen und Konsumenten der Onlinekauf noch etwas Neues und Ungewohntes ist. Auch ist der Versand von Waren aus dem Ausland oft mit langen Zeiten und hohen Kosten verbunden. Dabei ist der schnelle Versand für kroatische Konsumentinnen und Konsumenten neben der gewünschten Zahlungsmöglichkeit im E-Commerce-Portal ein wesentliches Entscheidungskriterium.

Im Internet kaufen die Kroatinnen und Kroaten vor allem Flugtickets (72 %). Weitere Warenkategorien, die bei den kroatischen Onlineshoppern hoch im Kurs stehen, sind Kleidung, Schmuck und elektronische Geräte.

Wenn sie zur Kasse gebeten werden, greifen die Kroaten bei Onlinetranskationen im E-Commerce bevorzugt zur Kreditkarte. Auch zahlen sehr viele bevorzugt per Nachnahme (46 %). Digital Wallets sind in Kroatien vor allem bei den digital versierteren Kundinnen und Kunden beliebt (37 %).

Sprache

Die Amtssprache Kroatiens ist Kroatisch. Bis zum Zerfall Jugoslawiens im Jahr 1991 wurde die kroatische Sprache gemeinsam mit Bosnisch, Serbisch und Montenegrinisch zu einer gemeinsamen Sprache, dem Serbokroatischen, zusammengefasst. Noch heute verstehen die Sprecherinnen und Sprecher dieser vier slawischen Sprachen einander problemlos, es gibt jedoch Unterschiede in der Aussprache und im Wortschatz. Im Gegensatz zu den drei anderen Sprachen wird das Kroatische außerdem ausschließlich in lateinischer statt in kyrillischer Schrift geschrieben.

Die Frage, ob es sich tatsächlich um eigenständige Sprachen oder vielmehr um Varianten derselben Sprache handelt, ist nach wie vor ein großes Politikum. Als es im Jahr 2013 etwa darum ging, Serbisch in der Region rund um die kroatische Stadt Vukovar als offizielle Minderheitensprache anzuerkennen und Schilder in kyrillischer Schrift aufzustellen, kam es seitens der kroatischsprachigen Mehrheit (über 95 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Kroatiens sprechen Kroatisch als Muttersprache) zu gewaltsamen Protesten. Zwar ist die enge sprachliche Verwandtschaft ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei der Übersetzung eventueller Online-Angebote, die linguistischen Besonderheiten der kroatischen Sprache sollten bei der Übertragung jedoch Beachtung finden.

Neben Serbisch sind in Kroatien unter anderem auch Italienisch und Tschechisch als offizielle Minderheitensprachen anerkannt. Im kroatischen Teil der Region Istrien ist Italienisch sogar zweite Amtssprache, an der Grenze zu Ungarn gibt es kleine ungarische Sprachinseln.

Mehr als 80 Prozent der Kroatinnen und Kroaten beherrschen neben der Muttersprache eine weitere Sprache. Bei 60 Prozent von ihnen ist dies ist die Weltsprache Englisch, gefolgt von Deutsch und Italienisch als beliebteste Fremdsprachen.

Wissenswertes zu Importbestimmungen, Verpackungsvorschriften, Ursprungsbezeichnung

Als EU-Land birgt Kroatien sowohl im Hinblick auf die Importbestimmungen als auch zollrechtlich keine Fallstricke. Seit 2013 ist Kroatien Teil des EU-Binnenmarktes, weshalb bei der Ausfuhr von Waren aus Deutschland bzw. aus EU-Ländern nach Kroatien keine Zollgebühren mehr anfallen und keine Zollanmeldung mehr erstellt werden muss.

Für den E-Commerce ist – wie für alle EU-Länder – seit 2021 die Umsatzschwelle für die Entrichtung der Umsatzsteuer bei grenzüberschreitenden Verkäufen an Privatkundinnen und -kunden innerhalb der EU zu beachten. Die Umsatzschwelle liegt bei 10.000 Euro.

Mit dem Beitritt zur EU hat Kroatien zudem alle rechtlichen Bestimmungen in Bezug auf die Etikettierungsvorschriften und die Qualitätszertifikate für importierte Produkte aus dem EU-Recht übernommen. Gemäß Verbraucherschutzgesetz müssen bei Produktetiketten sämtliche Mindestangaben über das Produkt in kroatischer Sprache abgefasst sein, so dass für eine verständliche und eindeutige Information der Verbraucherinnen und Verbraucher gesorgt ist.

Fazit

Der E-Commerce hat in Kroatien viel Potenzial, gerade für Anbieter aus Deutschland und der EU. Die gemeinsamen Vorschriften etwa im Hinblick auf die Importbestimmungen oder das Zollrecht durch die Mitgliedschaft Kroatiens in der EU und seit 2023 der Euro erleichtern den grenzüberschreitenden Handel, der während der Pandemie einen regelrechten Boom erlebt hat. Kroatien bietet ein Publikum von rund 3,8 Mio. potenziellen Kundinnen und Kunden, das langsam aber kontinuierlich digitalaffiner wird. Warum der E-Commerce in Kroatien erst in der Coronazeit blühen konnte, ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Viele Konsumentinnen und Konsumenten kaufen noch heute vorzugsweise im Geschäft, weil sie dort den Kauf schneller abwickeln und bar zahlen können. Außerdem ist der Onlinekauf für viele in Kroatien noch etwas Neues und Ungewohntes. Hinzu kommt, dass es nur wenige Onlineshops in kroatischer Sprache gibt. Diese Lücke zu schließen könnte sich durchaus lohnen.



Quellen

Weiterführende Links

Kroatische Zollbehörde (in englischer Sprache)

 


autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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