Norwegen will unabhängiger von fossilen Energieträgern werden und mehr umweltfreundliche Energie exportieren. Dabei sichern Öl und Gas weiterhin den Wohlstand des Landes, trotz dessen grüner Ambitionen. In den Bereichen Wasserstoff, Batterien, Offshore-Windkraft sowie Kohlenstoffabscheidung und -speicherung streben Deutschland und Norwegen eine engere Zusammenarbeit an. Dabei haben Investoren in Norwegen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie in Deutschland. Alles Aktuelle rund um die Industrie in Norwegen inklusive Änderungen im Zollrecht erfahren Sie hier.

Daten und Fakten zum Industrieland Norwegen

Anteil an der Wirtschaftsleistung

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Norwegens beträgt 485 Mrd. US-Dollar, das BIP pro Kopf liegt kaufkraftbereinigt bei rund 100.000 US-Dollar (vgl. Deutschland: 69.500 US-Dollar; Österreich: 72.000 US-Dollar). Damit ist Norwegen nach Singapur, Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten die 32.-größte Volkswirtschaft der Welt gemessen am BIP. Die Industrie hat einen Anteil von rund 39 Prozent am BIP und beschäftigt 18,9 Prozent der Erwerbstätigen. Rund 50 Prozent der Bruttowertschöpfung entfallen auf den Dienstleistungssektor.

Fokusbereiche: Öl und Gas, Wasserstoff, Offshore-Windkraft, CSS

Trotz seiner grünen Ambitionen bleibt Norwegen beim Thema Öl und Gas ein wichtiger Investor. Schätzungsweise fließen für jede Krone, die in erneuerbare Energien investiert wird, immer noch 27 Kronen in die Öl- und Gasindustrie. Laut dem norwegischen Offshore-Direktorat (NOD) wurde im Jahr 2024 mit insgesamt vier Millionen geförderten Barrel Öläquivalent ein neuer Höchststand bei der Öl- und Gasproduktion erreicht. Dabei stiegen die saison- und kalenderbereinigten Fördermengen um 3,4 Prozent. Anfang 2025 vergab Norwegen 53 Offshore-Öl- und Gas-Explorationslizenzen an 20 Unternehmen und kündigte verstärkte Bohrungen in der Arktis an. Damit will das Land seine Öl- und Gasproduktion langfristig sichern, was jedoch umweltpolitisch viel Kritik hervorruft.

Norwegen arbeitet an der Dekarbonisierung seiner Wirtschaftsstruktur. Das Land soll unabhängiger von fossilen Energieträgern werden und mehr umweltfreundliche Energie exportieren. Dazu sollen insbesondere Offshore-Windkraftprojekte ausgebaut und in Wasserstofftechnologien investiert werden. Die weitreichende Elektrifizierung wird das norwegische Wirtschaftsmodell maßgeblich und nachhaltig verändern. Bereits im Jahr 2023 machten Elektroautos 83 Prozent aller neu zugelassenen privaten Fahrzeuge aus.

Aktuell exportiert Norwegen einen Teil seines Stroms, allerdings dürfte sich dies in Zukunft ändern, so das Urteil von Expertinnen und Experten. Ein nennenswertes Stromdefizit droht bereits im Jahr 2028, wofür vor allem die Industrie und die Wasserstoffstrategie Norwegens verantwortlich sind. Die energieintensive Wasserstoffproduktion wird bis zum Jahr 2030 voraussichtlich zwei bis drei Gigawatt betragen und bis 2040 auf zehn bis 15 Gigawatt ansteigen. Das größte Potenzial, zusätzlichen Strom ins norwegische Stromnetz zu speisen, liegt in den 2030er-Jahren bei der Offshore-Windenergie.

Norwegen erblickt in der Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff (CCS) wichtige neue Geschäftsmöglichkeiten. Das Land strebt eine Steigerung des Umsatzes mit Offshore-CCS-Infrastruktur auf über eine Milliarde Euro bis 2030 sowie eine Erhöhung der Beschäftigtenzahl von derzeit 300 auf 2.800 an. Doch ohne Kunden aus dem Ausland kann Norwegen seine CCS-Ziele nicht erreichen. Deshalb intensiviert die norwegische Regierung bilaterale Kooperationen. Im März 2022 wurde im Rahmen eines Abkommens zur engeren Zusammenarbeit bei Energiethemen mit Deutschland auch CCS explizit als Thema aufgegriffen. Norwegen hat zudem mit dem Vereinigten Königreich, Schweden, der Schweiz, Frankreich und Belgien bilaterale Abkommen zur Zusammenarbeit geschlossen, die den grenzübergreifenden Transport und die langfristige Lagerung von Kohlenstoff erleichtern sollen.

Partnerschaft mit Deutschland: Energiesicherheit, Außenhandel, Verteidigung

In den kommenden Jahren wollen Deutschland und Norwegen enger in den Bereichen Wasserstoff, Batterien, Offshore-Windkraft sowie Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) zusammenarbeiten. Darauf haben sich beide Länder in zwei gemeinsamen Erklärungen verständigt, die den Fokus auf die Erzeugung erneuerbarer Energien und die Entwicklung grüner Industrien legen.

Die Partnerschaft mit Norwegen ist auch für die Energiesicherheit Deutschlands von großer Bedeutung. Gaslieferungen aus Norwegen könnten Deutschland dabei helfen, sich von fossilen Energieträgern aus Russland unabhängig zu machen. Im Februar 2023 haben Deutschland und Norwegen zudem ein Industriekooperationsabkommen für verteidigungspolitische Angelegenheiten beschlossen.

Im Jahr 2023 importierte Norwegen Waren im Gesamtwert von über 10 Milliarden Euro aus Deutschland. Rund drei Viertel davon entfielen auf Chemieerzeugnisse, Maschinen und Transportmittel. Hauptabnehmer waren Kunden auf dem Festland. Weitere wichtige Handelspartner sind Schweden (Importe: 10,6 %; Exporte: 6,9 %), die USA (I: 7,8 %; E: 3,4 %), Großbritannien (I: 4,7 %; E: 18,8 %), die Niederlande (I: 4,7 %; E: 10,6 %), Dänemark (I: 4,3 %; E: 4,9 %), Frankreich (I: 2,8 %; E: 6,2 %) und Polen (I: 3,5 %; E: 5,9 %). China ist mit einem Anteil von 12,1 Prozent das wichtigste Importland Norwegens.

Aktuelle Wirtschaftslage: Öl und Gas sichern weiterhin Wohlstand, Fachkräftemangel treibt Lohnkosten in die Höhe

Anfang 2025 zeigte sich die norwegische Wirtschaft stabil. Öl und Gas sind zwar nach wie vor entscheidend für den Wohlstand des Landes, doch die aktuelle Wirtschaftsbelebung gründet – anders als früher – auf mehreren Standbeinen. Das BIP ohne Öl und Gas soll 2025 um 1,2 Prozent steigen. Insbesondere der private Konsum wird durch steigende Reallöhne in Verbindung mit niedriger Arbeitslosigkeit gestützt. Ein weiterer Wachstumsmotor ist der Wohnungsbau, in dem sich erste Anzeichen einer Erholung zeigen. Auch die norwegische Fiskalpolitik treibt die Wirtschaft weiterhin an. Das Land gibt viel Geld für Verteidigung und Infrastruktur aus. Dafür werden Mittel aus dem staatlichen Ölfonds verwendet, der mit einem Wert von rund 1.600 Mrd. Euro zu den größten Staatsfonds weltweit zählt.

In Norwegen haben Investoren mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie in Deutschland. Ein akuter Fachkräftemangel lässt die im europäischen Vergleich bereits überdurchschnittlich hohen Lohnkosten weiter steigen. Laut Eurostat lagen die Arbeitskosten pro Stunde in Norwegen im Jahr 2022 bei durchschnittlich 55,60 Euro und waren damit deutlich höher als in Deutschland, wo sie im gleichen Zeitraum bei 39,50 Euro lagen. Die regionale Lohnverteilung ist in Norwegen jedoch gleichmäßiger als in Deutschland. Abgesehen vom Offshore-Bereich unterscheiden sich nur die Hauptstadtregion Oslo und die Region Rogaland um Stavanger im Südwesten des Landes wesentlich vom Durchschnitt. In den restlichen neun Regionen liegen die Durchschnittslöhne höchstens zehn Prozent auseinander.

Entwicklungen: Schifffahrt wird Hauptabnehmer von Wasserstoff, Lachsfarmen stellen auf Erneuerbare um

Die Schifffahrt soll künftig der größte Abnehmer von Wasserstoff in Norwegen werden. Zu den in diesem Bereich aktiven Unternehmen zählen Norled, das seit Oktober 2022 eine Fähre mit Flüssigwasserstoff-Antrieb testet, sowie Havyard, Samskip, Selfa und Flying Foil. Spätestens ab 2026 sollen entlang des Geirangerfjords keine fossil angetriebenen Wasserfahrzeuge mehr verkehren. Ein Tankstellennetzwerk soll die Schiffe mit Wasserstoff versorgen.

Norwegian Hydrogen und Inseanergy unterstützen Lachsfarmen außerdem dabei, auf erneuerbare Energien umzusteigen.  Das Konzept setzt hauptsächlich auf Sonnenenergie aus lokal installierten Anlagen von Inseanergy. Ergänzend kommen Brennstoffzellen zum Einsatz, falls die Anlagen die benötigte Strommenge nicht liefern können. Laut Norwegian Hydrogen beträgt der Bedarf „etwa zehn Tonnen grünen Wasserstoff jährlich je Fischfarm”.

Internationalisierung

Die norwegische Sprache gehört zu den nordgermanischen Sprachen und ist eng mit Dänisch und Schwedisch verwandt. Es gibt zwei offizielle Standardvarietäten des Norwegischen: Bokmål (zu Deutsch etwa „Buchsprache“) und Nynorsk (zu Deutsch „Neunorwegisch“). Rund 90 Prozent der norwegischen Bevölkerung, das sind fast 4,8 Mio. Menschen, können gut bis sehr gut Englisch. Englisch wird an fast allen norwegischen Schulen als erste Fremdsprache unterrichtet. Oft verfügen die Norwegerinnen und Norweger auch über mittlere bis gute Kenntnisse weiterer Fremdsprachen, darunter Deutsch, Französisch und Spanisch, die ebenfalls an vielen Schulen unterrichtet werden. Für ausländische Unternehmen mit Expansionsplänen in Richtung Skandinavien ist dies natürlich von Vorteil.

Bei einer Expansion nach Norwegen ist eine professionelle Übersetzung notwendig, um kulturelle Unterschiede sicher zu meistern und auch nicht-sprachliche Aspekte zu berücksichtigen, die für eine verhandlungssichere Kommunikation mit Partnern und Kunden ebenfalls wichtig sind, wie z. B. die andere Währung und Maßeinheiten. Bei Texten wie Werbetexten, die sich direkt an das Zielpublikum, den Kunden, richten und nicht nur Information, sondern auch Kaufanreiz sein sollen, empfiehlt sich eine freie, kreative Übersetzung durch spezialisierte Fachübersetzer. Ob eine KI-Übersetzung eine realistische Alternative sein kann, hängt vom Einzelfall ab: Textsorte, Textmenge, Qualitätsniveau, Zielgruppe etc.

Zollrechtliche Änderungen

Zum 1. Januar 2023 hat Norwegen sein Zollrecht geändert. Die meisten bisherigen Rechtsvorschriften gelten weiterhin, allerdings in neuer Form. Es haben sich dennoch auch einige Änderungen bei den Zollverfahren und Zuständigkeiten ergeben. Von Bedeutung sind die neuen rechtlichen Verweise vorwiegend für Zollbehörden und -berater. Unternehmen, die Waren nach Norwegen exportieren, sind gut beraten, sich mit den neuen Rechtsvorschriften vertraut zu machen und ihre Logistikprozesse und IT-Systeme entsprechend den neuen Vorgaben anzupassen.

Auch bei der Anmeldung von Waren zum freien Verkehr in Norwegen stehen Änderungen bevor. Gemäß aktuellen Vorschriften kann die Verzollung bei Waren im Versandverfahren innerhalb von zehn Tagen nach Ankunft beim norwegischen Kunden erfolgen. Künftig muss die Verzollung jedoch vor der Einfuhr nach Norwegen erfolgen. Zudem wird eine neue elektronische Meldepflicht für Waren und Transportmittel eingeführt.

Fazit

Im Rahmen der norwegischen Wasserstoffstrategie gewinnt die maritime Wirtschaft zunehmend an Bedeutung, wodurch sich auch für deutsche Unternehmen neue Geschäftschancen eröffnen. Der norwegische Staatsfonds investiert bereits in deutsche Windparks und Thyssenkrupp Marine Systems plant gemeinsam mit Kongsberg Defence & Aerospace ein Joint Venture für den Bau neuer Fregatten. Der norwegische Infrastrukturplan bietet ebenfalls ein interessantes Geschäftsfeld für deutsche Unternehmen. Für 2025 plant die norwegische Straßenverwaltung Statens vegvesen die Ausschreibung von 28 Tiefbauprojekten im Gesamtwert von rund 1,9 Mrd. Euro. Schwerpunkte sind die Modernisierung des Lærdalstunnels, Arbeiten am Unterwasserstraßentunnel Rogfast bei Stavanger und Beratungsdienstleistungen für den Straßen- und Bahntunnel Arna-Stanghelle.



Quellen

Weiterführende Links

 


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