Aus Schweden kennt man vor allem die stylischen Möbel mit minimalistischem Design, die man zu Hause selbst baut. Doch weder IKEA noch die Möbelindustrie sind der eigentliche Kern des Industrielandes Schweden. Hier stehen vor allem 5G, emissionsfreie Mobilität und innovative, wasserstoffbasierte Energiekonzepte im Fokus. Für deutsche Unternehmen aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Innovation bieten sich daher gute Geschäftschancen im „green-dustrialisierten“ Schweden. Mehr dazu hier.

Daten und Fakten zum Industrieland Schweden: Anteil an der Wirtschaftsleistung, wichtigste Branchen und Handelspartner

Das schwedische Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt rund 590 Mrd. US-Dollar, das BIP pro Kopf beträgt kaufkraftbereinigt rund 66.100 US-Dollar (vgl. Deutschland: 64.000 US-Dollar; Österreich: 66.800 US-Dollar). Gemessen am BIP ist die schwedische Wirtschaft in etwa so stark wie die Norwegens und Belgiens.

Das verarbeitende Gewerbe hat in Schweden einen hohen Anteil am nationalen BIP. So entfallen auf die Industrie inklusive Baugewerbe 23,7 Prozent, auf den Dienstleistungssektor inklusive Handel 63,8 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung. Rund 17 Prozent der Erwerbstätigen in Schweden sind in der Industrie beschäftigt. In Schweden sind relativ viele Großunternehmen angesiedelt. International ist vor allem der Möbelhersteller IKEA ein Begriff. Die Möbelindustrie ist jedoch nicht der Kern der schwedischen Industrie. Die größten Industriebranchen sind der Automobilbau (Volvo, Scania), die Luft- und Raumfahrtindustrie (Saab AB) sowie der Maschinenbau (Electrolux, SKF, Tetra-Pak und Alfa Laval) und die Elektro- und Elektronikindustrie (Ericsson und ABB).

Aus Schweden exportiert bzw. nach Schweden importiert werden vor allem Straßenfahrzeuge (Exporte: 14,1 %; Importe: 11,7 %) sowie Erdöl und Erdölerzeugnisse (E: 6,2 %; I: 10,3 %). Aus Schweden in die ganze Welt exportiert werden außerdem medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse (E: 7,4 %), Maschinen und Geräte (E: 5,9 %), Papier und Pappe (E: 4,65 %) sowie Eisen und Stahl (E: 4,1 %).

Deutschland ist sowohl bei den Exporten (10,26 %) als auch bei den Importen (16,64 %) der wichtigste Handelspartner Schwedens. Auch das benachbarte Norwegen ist ein wichtiger Handelspartner (Exporte: 9,62 %; Importe: 10,33 %). Weitere wichtige Export- und Importländer sind die Vereinigten Staaten (E: 8,63 %; I: 3,69 %), die skandinavischen Länder Dänemark (E: 6,99 %; I: 6,41 %) und Finnland (E: 6,86 %; I: 4,58 %), sowie die Niederlande (E: 5,36 %; I: 10,75 %), Frankreich (E: 4,38 %; I: 3,72 %) und Belgien (E: 4,07 %; I: 5,04 %). China ist ein wichtiger Bezugsmarkt (I: 5,64 %).

Aktuelle Wirtschaftslage: Hohe Inflation und Energiepreise, Entwertung der schwedischen Krone

In den Jahren 2022 und 2023 wird die schwedische Wirtschaft kaum wachsen. Grund dafür waren vor allem die anhaltend hohe Inflation und die hohen Energiepreise, die die privaten Haushalte weiterhin stark belasten. Das geringe bzw. ausbleibende Wirtschaftswachstum dürfte sich künftig auch in einem Anstieg der Arbeitslosigkeit niederschlagen.

Der Wechselkurs der schwedischen Krone ist im September 2023 auf einen historischen Tiefstand gefallen. Aktuell (Stand: 17.04.2024) liegt der Wechselkurs bei 11,68 SEK pro Euro. Damit hat die schwedische Krone gegenüber dem Euro allein im vergangenen Jahr sieben Prozent an Wert verloren. In den letzten zehn Jahren hat die schwedische Krone sogar fast 40 Prozent an Wert verloren.

Die schwedische Bevölkerung steht der Einführung des Euro vor dem Hintergrund der Schwäche der schwedischen Krone weniger ablehnend gegenüber. In einer Umfrage vom Juni 2023 gab immerhin ein Drittel der Befragten an, dass sie im Falle einer Abstimmung für die Einführung des Euro stimmen würden. Dies entspricht dem höchsten Zustimmungswert seit Beginn der europäischen Schuldenkrise.

Entwicklungen: 5G-Technologie, „Green-dustrialisation“, Wasserstoff

Schweden ist ein innovationsfreundliches Land. Lokale Technologieunternehmen wie Ericsson haben das Potenzial des Landes früh erkannt und Pionierarbeit beim Aufbau einer hervorragenden Infrastruktur, beispielsweise für die Fernkommunikation, geleistet. Aktuell ist Schweden auf die rasche Einführung der 5G-Technologie fokussiert. Dies soll insbesondere den E-Commerce fördern, der seit der Pandemie weltweit boomt.

Sowohl der öffentliche als auch der private Sektor investieren weiterhin in grüne Technologien und nachhaltige Entwicklung. Dies gilt auch für traditionelle Industriezweige wie die Automobilindustrie. Schwedische Automobilhersteller wie Volvo und Scania orientieren sich zunehmend an einer emissionsfreien Mobilität und arbeiten intensiv daran, ihre Fahrzeugflotten zu elektrifizieren.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise werden Projekte zur „Green-dustrialisation“ verstärkt vorangetrieben. In Nordschweden, wo Wasserkraft klimafreundliche Industrien antreibt, schaffen grüne Batteriefabriken und Stahlwerke nicht nur neue Arbeitsplätze und Wohnraum, sondern lenken auch die Aufmerksamkeit auf bisher wenig erschlossene Regionen.

Die Zukunftstechnologie Wasserstoff ist vor allem für energieintensive Industrien wie die Automobilindustrie von großem Interesse. Innovative wasserstoffbasierte Energiekonzepte werden aber auch für Gebäude und Quartiere entwickelt.

Internationalisierung

In Schweden ist Schwedisch die Muttersprache von etwa 10 Millionen Menschen und seit 2009 Amtssprache. Finnisch wird von vielen Schwedinnen und Schweden in den grenznahen Gebieten gesprochen. Finnisch ist dort als Minderheitensprache anerkannt. Schwedisch gehört zu den nordgermanischen Sprachen und hat viele Gemeinsamkeiten mit Norwegisch und Dänisch. Die meisten Gemeinsamkeiten, die eine gegenseitige Verständigung ermöglichen, bestehen vor allem mit dem Norwegischen. Mehr über die skandinavischen Sprachen erfahren Sie hier.

Viele Schwedinnen und Schweden sprechen neben ihrer Muttersprache sehr gut Englisch. Der English Proficiency Index von Education First bewertet insgesamt 113 Länder weltweit, deren Amtssprache nicht Englisch ist, nach ihrer Kompetenz im Gebrauch der englischen Sprache. Schweden liegt im Ranking von Education First auf Platz 6, Deutschland auf Platz 10.

Die Weltsprache Englisch schlägt somit Brücken für den Handel zwischen Schweden und Deutschland. An der Übersetzung etwa von technischer Dokumentation, zulassungsrelevanten Unterlagen und Marketingtexten kommen etwa deutsche Maschinenhersteller, die nach Schweden expandieren wollen, jedoch nicht vorbei – auch deshalb nicht, weil sie Pflicht ist. Die Maschinenrichtlinie stellt nämlich genaue Anforderungen an die technische Dokumentation – und folglich an deren fremdsprachliche Übersetzung. Wichtig ist, dass die Übersetzung von Handbüchern, Gebrauchsanweisungen, Konformitätsbescheinigungen usw. fachlich korrekt und leicht verständlich ist. Da es sich hierbei um eine besonders sensible Aufgabe handelt, von der die Sicherheit der Maschinenbedienenden abhängt, ist es geraten, dass sich Unternehmen an spezialisierte Fachübersetzerinnen und Fachübersetzer wenden, die selbst die komplexesten Fachtexte sicher in die Zielsprache übertragen können.

Doch die Übersetzung betrifft nicht nur das Bedienungspersonal von Maschinen und Geräten. Neben Handbüchern, Dokumentation, Zertifizierungen usw. müssen im Hinblick auf eine erfolgreiche Internationalisierung auch Werbetexte adaptiert werden, die das Zielpublikum, das heißt die Kundschaft, direkt ansprechen. Die Übersetzung soll in diesem Fall nicht nur informieren, sondern auch bewegen – und zum Kauf animieren. Dieses Ziel lässt sich am besten durch eine freie, kreative Übersetzung erreichen, die auch etwaige kulturelle Unterschiede und Besonderheiten berücksichtigt.

Gesetzliche Rahmenbedingungen: Zollbestimmungen, Verpackungsvorschriften, Kennzeichnung

Zwischen Deutschland und Schweden besteht im Rahmen des EU-Binnenmarkts Zollfreiheit. Somit birgt Schweden aus zollrechtlicher Sicht keine Fallstricke.

Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr gelten bereits für viele Produkte einheitliche Kennzeichnungs- und Verpackungsvorschriften. Die Reduzierung der Verpackungsabfallmengen und die Begrenzung der Umweltbelastungen durch Verpackungsmaterialien und -bestandteile sind dabei die wichtigsten Ziele. Gleichzeitig soll die Entsorgung von Verpackungsabfällen gesundheits- und umweltverträglich erfolgen. Wer in Schweden Verpackungen herstellt, importiert oder in Verkehr bringt, ist demnach auch für die Entsorgung dieser Verpackungen verantwortlich.

Eine zollrechtliche Ursprungskennzeichnung ist im Warenverkehr zwischen Deutschland und Schweden nicht erforderlich. Besondere Kennzeichnungsvorschriften gelten jedoch z.B. für Lebensmittel und Arzneimittel. Weitere Informationen in englischer Sprache finden Sie auf der Internetseite der schwedischen Zollverwaltung.

Fazit

Obwohl der Großteil der schwedischen Bruttowertschöpfung im Dienstleistungssektor erwirtschaftet wird, hat das produzierende Gewerbe mit 23,7 Prozent in Schweden einen hohen Anteil am nationalen BIP und beschäftigt rund 17 Prozent der Erwerbstätigen. Schweden ist ein innovationsfreundliches Land. Sowohl der öffentliche als auch der private Sektor investieren weiterhin in grüne Technologien und nachhaltige Entwicklung. Automobilhersteller wie Volvo und Scania setzen zunehmend auf emissionsfreie Mobilität, aber auch für Gebäude und Quartiere werden innovative wasserstoffbasierte Energiekonzepte entwickelt. Für deutsche Unternehmen aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Innovation bieten sich daher gute Geschäftschancen im „green-dustrialisierten“ Schweden.



Quellen

Weiterführende Links

 


autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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