Der dänische E-Commerce-Markt ist nicht besonders groß, aber für Interessenten aus Deutschland ein durchaus interessantes Expansionsziel. Welche Merkmale den dänischen E-Commerce kennzeichnen und was Unternehmen im Hinblick auf den digitalen Handel in Dänemark beachten müssen, zeigen wir hier.

Zahlen und Fakten über das Land Dänemark

Neben Grönland und den Färöern ist Dänemark ein Bestandteil des Königreichs Dänemark. Das dänische Mutterland liegt im nördlichen Europa, zwischen der Skandinavischen Halbinsel und Mitteleuropa. Mit seiner Fläche von rund 43.000 km² ist Dänemark etwas größer als die Schweiz, aber kleiner als Österreich.

In Dänemark leben 5,8 Mio. Menschen. Die Hauptstadt Kopenhagen, Dänemarks wirtschaftliches und kulturelles Zentrum, gehört zu den bedeutendsten Metropolen Nordeuropas. Kopenhagen beheimatet ca. 640.000 Einwohnerinnen und Einwohner; fast 1,4 Mio. leben im Ballungsraum um die Hafenstadt.

Dänemark ist eine parlamentarische Monarchie. Für die Verwaltung des Landes sind 5 Regionen und 98 Kommunen zuständig. Früher war das Land in Amtsbezirken unterteilt. Diese wurden 2007 im Zuge einer umfassenden Reform abgeschafft. Die fünf Regionen sind: Nordjylland (größte Stadt: Aalborg; Bevölkerung: 590.000) im Norden der Halbinsel Jütland, Midtjylland (Viborg; 1,3 Mio.) in der Mitte, Syddanmark (Vejle; 1,2 Mio.) im Süden, Hovedstaden, die Hauptstadtregion im Nordosten, und Sjælland mit der Großstadt Sorø (840.000), auf der gleichnamigen Insel.

Der Lebensstandard in Dänemark ist hoch. Im Jahr 2021 lag das dänische BIP pro Kopf bei ca. 68.000 US-Dollar. Die Wirtschaft stützt sich auf den Dienstleistungssektor, den Handel und das verarbeitende Gewerbe; nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft und Fischerei tätig. Es überwiegen kleine und mittelgroße Unternehmen.

Dänemark ist Gründungsmitglied des Militärbündnisses NATO und seit 1973 Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bzw. der Europäischen Union und damit des Europäischen Wirtschaftsraums. Allerdings verwendet Dänemark nicht den Euro, sondern seine eigene Währung: die Dänische Krone (DKK). 1 Krone unterteilt sich in 100 Øre. Aktuell (16.05.2022) beläuft sich der Wechselkurs der Dänischen Krone auf ca. 7,4 Kronen pro Euro.

Sprache und Lokalisierung

Dänisch ist die Amtssprache Dänemarks und wird im nordeuropäischen Land von ca. 5 Mio. Däninnen und Dänen als Muttersprache gesprochen. Über Dänemark hinaus wird Dänisch auch von ca. 50.000 Angehörigen der dänischen Sprachminderheit im grenznahen Südschleswig sowie von weiteren Sprecherinnen und Sprechern in Island, Norwegen und Schweden als Zweit- bzw. Fremdsprache gesprochen. Zudem ist Dänisch seit dem Beitritt Dänemarks zur EU im Jahr 1973 offizielle Sprache der Union.

Dänisch gehört zu den germanischen Sprachen, genauer gesagt zur Gruppe der skandinavischen Sprache, zu der u. a. auch Isländisch, Schwedisch und Norwegisch gehören. Aus diesem Grund ist unter Sprecherinnen und Sprechern aus verschiedenen skandinavischen Ländern eine gewisse gegenseitige Verständlichkeit gegeben, auch wenn die jeweiligen Muttersprachen eigene, charakteristische Merkmale aufweisen. Die dänische Standardsprache leitet sich aus der Variante des Dänischen her, die im Raum um die Hauptstadt Kopenhagen gesprochen wird.

Es besteht für ausländische Händlerinnen und Händler keine Pflicht zur Übersetzung der Unternehmenswebsite ins Dänische, aber: Wenn die Vermarktung des Produkts in dänischer Sprache erfolgt, müssen laut Konsumentenschutzgesetz sämtliche Informationen, die das Produkt betreffen, auch in dänischer Sprache zur Verfügung gestellt werden. Es sei denn, der Verwendung der anderen, nichtdänischen Sprache wurde vom Konsumenten ausdrücklich zugestimmt. Ferner sieht das dänische Gesetz vor, dass alle Unterlagen, welche wichtige Informationen enthalten, z. B. Verträge und Bedienungsanleitungen, dem Konsumenten in einer Sprache zur Verfügung gestellt werden müssen, die der Konsument verstehen kann. Eine Übersetzung ist also sinnvoll – wenn auch nicht immer gesetzlich vorgeschrieben.

In manchen Fällen reicht es für Dänemark, fremdsprachliche Texte ins Englische zu übersetzen, da Englisch an allen dänischen Schulen als Pflichtfach unterrichtet wird und von nahezu allen Däninnen und Dänen mit sehr hoher Kompetenz im Alltag und Beruf gesprochen wird (vgl. EF English Proficiency Index). Es gibt allerdings zwei Aspekte, die für eine landesspezifische Übersetzung etwa von Marketinginhalten sprechen: Erstens erfordert die lokale Währung eine Umrechnung der Preise, zweitens lassen sich Produkte mithilfe einer landesspezifischen Kommunikationsstrategie auf dem lokalen Markt erfolgreicher vermarkten.

Eckdaten über Wirtschaft, Import und Export

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 395 Mrd. US-Dollar im Jahr 2021 ist Dänemark klein, das BIP pro Kopf im nordeuropäischen Land ist allerdings hoch: Däninnen und Dänen sollen im Durchschnitt 68.000 US-Dollar im Jahr verdienen.

Die dänische Wirtschaft stützt sich vor allem auf den Dienstleistungssektor (64,55 %); das verarbeitende Gewerbe (21,17 %) und die Landwirtschaft (1,31 %) tragen in einem geringeren Ausmaß zur Bruttowertschöpfung bei.

Deutschland ist Dänemarks wichtigster Handelspartner: 14 % aller dänischen Exporte werden nach Deutschland geliefert, 21 % aller dänischen Importe kommen aus Deutschland. Weitere wichtige Partner Dänemarks im Bezug auf den grenzüberschreitenden Handel sind die USA, Schweden, die Niederlande und China. Im Jahr 2020 bezog Dänemark Waren im Wert von 97 Mrd. US-Dollar aus dem Ausland. Im gleichen Jahr exportierte Dänemark Waren im Wert von 108 Mrd. US-Dollar ins Ausland. Zu den wichtigsten Waren, die aus Dänemark exportiert bzw. nach Dänemark importiert werden, gehören Rohstoffe, Landwirtschafts- und Nahrungsprodukte, Industriemaschinen, elektronische Geräte und chemische Erzeugnisse. Über diese Produkte hinaus exportiert bzw. importiert Dänemark auch Einrichtungsgegenstände, Kunststoffe, Textilien und Kleidung.

Trends im Hinblick auf die Internetnutzung

Neben den soliden Beziehungen zu Deutschland und der einfach übersteigbaren Sprachbarriere spricht für eine erfolgreiche Expansion nach Dänemark auch die sehr hohe Internetpenetrationsrate. Daten von Statista zufolge haben 95 % der Däninnen und Dänen Zugang zum Internet. Die Gruppe der 24- bis 44-Jährigen bilden die größte – und für Unternehmen, die digital verkaufen – interessanteste Zielgruppe: Sie sind digitalaffin, kauforientiert und ständig vernetzt – es wird geschätzt, dass bis zu 98 % der 24- bis 44-Jährigen mindestens einmal täglich das Internet benutzen (Zeitraum 2014-2020). Viele Däninnen und Dänen surfen am liebsten über Smartphones und mobile Geräte (2018: 136 Verbindungen aus mobilen Geräten je 100 Menschen), daher ist es wichtig für den digitalen Handel, dass Websites und Shops für die mobile Benutzung optimiert sind.

Soziale Netzwerke erfreuen sich in Dänemark unter den 16- bis 39-Jährigen den meisten und aktivsten Benutzerinnen und Benutzern: Bis zu 96 % der Däninnen und Dänen in dieser Altersgruppe benutzen soziale Netzwerke. Unter den 60- bis 74-Jährigen steigt die Popularität sozialer Netzwerke schnell: Im Jahr 2017 benutzten nur noch 44 % der älteren Däninnen und Dänen soziale Netzwerke, im Jahr 2020 waren schon 63 % digital vernetzt. Der größte Marktanteil in Dänemark hat Facebook mit 63%, gefolgt von Pinterest (17 %), Twitter (7 %) und YouTube (4 %).

Trends im Hinblick auf das Kaufverhalten

Daten von Statista zufolge verkaufen 24 % der Unternehmen, die in Dänemark ihren Standort haben, digital. Auf dänischen E-Commerce-Kanälen werden vor allem Kleidung und Lebensmittel verkauft. Die Mehrheit (39 %) der 2019 befragten Däninnen und Dänen gaben an, zwischen 100 und 1.000 Euro im Jahr für Onlineeinkäufe auszugeben; 11 % geben mehr als 1.000 Euro aus; 8 % weniger als 50 Euro.

Bei einer Umfrage aus dem Jahr 2016 wurden dänische Konsumentinnen und Konsumenten nach dem Grund gefragt, warum sie lieber online kaufen als im Geschäft. Die meisten Befragten antworteten, dass sie im Internet schneller zum gewünschten Produkt kommen würden; zudem seien Produkte im Internet oft günstiger als im Geschäft und das Internet biete auch den Vorteil, dass die gekaufte Ware bequem nach Hause geliefert wird.

Mit einem Marktanteil von 40 % ist Zalando der beliebteste Marktplatz in Dänemark, gefolgt von China’s Wish (22 %) und Amazon (20 %).

Die Kreditkarte ist das beliebteste Zahlungsmittel in Dänemark für Onlineeinkäufe. PayPal wird seltener benutzt. Großer Beliebtheit erfreut sich die digitale Zahlungsoption MobilePay, die im Jahr 2013 von Danske Bank eingeführt wurde und das sichere und bequeme Zahlen per Smartphone ermöglicht.

Wissenswertes zu den Import- und Zollbestimmungen

Im bilateralen Warenverkehr zwischen Dänemark und den anderen EU-Mitgliedsstaaten gibt es keine Zollschranken: Hier gelten die Bestimmungen über den innergemeinschaftlichen Warenverkehr. Grönland und die Färöer gehören allerdings nicht zum Zollgebiet der EU: Hier sind bei jeder Sendung Zolldokumente erforderlich – diese müssen in englischer Sprache verfasst sein und in fünffacher Ausfertigung der Sendung beigefügt werden.

Hinsichtlich der Verpackung von Waren gelten in Dänemark die einschlägigen EU-Richtlinien. Es ist zu beachten, dass für die Verpackung von Nahrungsmitteln nur neue, ungebrauchte Materialien verwendet werden dürfen. Darüber hinaus muss bei vielen Kosmetikprodukten für Verpackungen aus recycelbaren Materialien wie Aluminium und Glas eine Umweltabgabe gezahlt werden. Bei vielen Waren ist die Anbringung eines Ursprungsvermerks erforderlich. (Quelle: wko.at)

Fazit

Dänemark ist ein kleiner aber dennoch interessanter Markt für Expansionen. In dem nordeuropäischen Land finden ausländische Interessenten, die einen Einstieg am lokalen Markt beabsichtigen, alle Konditionen, um ihre Produkte erfolgreich verkaufen zu können. Vor allem im Ballungsraum rund um die Hauptstadt Kopenhagen ist die Lage ideal: Die logistische Infrastruktur ist effizient, die Stadt beheimatet zahlreiche potenzielle Kundinnen und Kunden, die Englisch sprechen und über das Internet sehr gut erreichbar sind. Für deutsche Unternehmen sind die Nähe des Landes und die gemeinsamen EU-Vorschriften, die den Warenverkehr erleichtern, ein weiterer, wichtiger Pluspunkt.



Quellen

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

Wir erklären, wie Internationalisierung funktioniert, geben Tipps zu Übersetzungsprojekten und erläutern Technologien und Prozesse. Außerdem berichten wir über aktuelle E-Commerce-Entwicklungen und befassen uns mit Themen rund um Sprache.

 

Bitte beachten Sie: Auch wenn wir in unseren Beiträgen gelegentlich Rechtsthemen ansprechen, stellen diese keine Rechtsberatung dar und können eine solche auch nicht ersetzen. Wenn Sie konkrete Fragen haben, lassen Sie sich bitte von einem Anwalt beraten.