Belgien ist eine wichtige Handelsdrehscheibe und nach den Niederlanden das Land mit den höchsten Exporten pro Kopf in der EU. Die Industrie hat in Belgien einen hohen Anteil am nationalen BIP und beschäftigt rund 19,4 Prozent der Erwerbstätigen. Mit einigen Jahren Verspätung durch die Pandemie – und im Vorfeld der Parlaments- und Regionalwahlen im Juni 2024 – will die belgische Regierung Arbeitslosigkeit, Fachkräftemangel und Klimawandel entschlossener angehen und Belgien als Industriestandort nachhaltig attraktiv machen. Dazu sollen im Rahmen des belgischen Konjunkturprogramms EU-Mittel in Milliardenhöhe in Infrastrukturprojekte investiert werden. Daraus ergeben sich für einige deutsche Unternehmen gute Geschäftschancen in Belgien. Mehr dazu lesen Sie hier.

Daten und Fakten zum Industrieland Belgien: Anteil an der Wirtschaftsleistung, wichtigste Branchen und Handelspartner

Das belgische Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt rund 579 Mrd. US-Dollar, das BIP pro Kopf beträgt kaufkraftbereinigt rund 63.200 US-Dollar (vgl. Deutschland: 64.000 US-Dollar; Österreich: 66.800 US-Dollar). Gemessen am BIP ist die belgische Wirtschaft in etwa so stark wie die Irlands und Norwegens.

Das verarbeitende Gewerbe hat in Belgien einen hohen Anteil am nationalen BIP. So entfallen auf die Industrie inklusive Baugewerbe 20,7 Prozent, auf den Dienstleistungssektor inklusive Handel 68,2 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung. Rund 19,4 Prozent der Erwerbstätigen in Belgien sind in der Industrie beschäftigt. Wichtige Industrieunternehmen sind beispielsweise die Brauerei Anheuser-Busch InBev, die größte Brauereigruppe der Welt gemessen am Absatzvolumen, mit einem Umsatz in Höhe von knapp 58 Mrd. US-Dollar und ca. 167.000 Beschäftigten im Jahr 2022, die internationale Lebensmittelkette Delhaize Group (ca. 137.800 Beschäftigte), der in mehr als 40 Ländern tätige multinationale Chemiekonzern Solvay (ca. 21.000 Beschäftigte) und das Pharma- und Biotechnologieunternehmen UCB (ca. 7.500 Beschäftigte).

Aus Belgien exportiert bzw. nach Belgien importiert werden vor allem medizinische und pharmazeutische Produkte (Exporte: 18,2 %; Importe: 13 %) und Gas (E: 11,7 %; I: 14,5 %). Aus Belgien ins weltweite Ausland exportiert werden auch Straßenfahrzeuge (E: 8,8 %), Erdöl sowie Erdölerzeugnisse (E: 8,6 %), chemische Erzeugnisse (E: 4,1 %) sowie Eisen und Stahl (E: 3,8 %) und Maschinen und Geräte (2,6 %).

Deutschland ist Belgiens wichtigstes Exportland (20,17 %), gefolgt von den Niederlanden (E: 14,14 %) und Frankreich (E: 12,4 %). Frankreich ist auch das wichtigste Importland (I: 10,44 %). Weitere wichtige Export- und Importländer sind die Vereinigten Staaten (E: 6,79 %; I: 5,34 %), Großbritannien (E: 5,13 %; I: 6,27 %) und Italien (E: 3,77 %; I: 4,36 %). Norwegen (I: 3,71 %), China (I: 3,61 %) und Russland (I: 2,36 %) sind auch wichtige Importländer.

Aktuelle Wirtschaftslage: Außenhandel, Inflation, Beschäftigung

Belgien ist eine wichtige Handelsdrehscheibe und nach den Niederlanden das Land mit den höchsten Exporten pro Kopf in der EU. Der Anteil der Exporte am belgischen BIP beträgt rund 80 Prozent. Der Außenhandel spielt somit eine entscheidende Rolle für die belgische Wirtschaft.

Der belgische Außenhandel verzeichnete im Jahr 2022 sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen ein starkes Wachstum: Insgesamt exportierte Belgien 2022 Waren im Wert von 604,4 Milliarden Euro, 30,1 Prozent mehr als 2021. Im Jahr 2023 verschlechterte sich die belgische Außenhandelsbilanz: Der wertmäßige Rückgang der belgischen Importe und Exporte belief sich in den Monaten Mai bis Juli 2023 auf -17,3 bzw. -15,7 Prozent. Die allgemeine Verlangsamung des Welthandels hat sich in diesem Jahr also negativ auf den belgischen Außenhandel ausgewirkt.

Die Inflation erreichte im Jahr 2022 mit einem Rekordwert von 10,3 Prozent ihren Höhepunkt. Verantwortlich für die Teuerung waren vor allem hohe Energie- und Lebensmittelpreise. Im Jahr 2023 ging die Inflation jedoch kontinuierlich zurück und lag im September bei 2,4 Prozent. Damit hat Belgien die niedrigste Inflationsrate in der Eurozone.  Für 2024 rechnet die EU-Kommission mit einer weitgehend stabilen Inflationsrate von 3,5 Prozent.

Das Beschäftigungswachstum verlangsamte sich 2023 aufgrund der weltweiten Konjunkturabschwächung nach einem starken Wachstum von 2,0 Prozent im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote stieg leicht von 5,6 Prozent im Jahr 2022 auf 5,8 Prozent im Jahr 2023. Für 2024 wird ein leichter Rückgang auf 5,7 Prozent erwartet. Auch in Belgien wird versucht, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Im zweiten Quartal 2023 waren fast 195.000 offene Stellen in belgischen Unternehmen gemeldet. Im Vergleich zum Vorquartal ist der Trend rückläufig.

Entwicklungen: Infrastrukturprojekte, Geschäftschancen für deutsche Unternehmen

Im Vorfeld der Parlaments- und Regionalwahlen im Juni 2024 will die belgische Regierung die Arbeitslosigkeit, den Fachkräftemangel, den schlechten Zustand der öffentlichen Finanzen und den Klimawandel entschlossener angehen.

Im Rahmen des Konjunkturprogramms erhält Belgien EU-Mittel in Höhe von 4,5 Mrd. Euro. Damit sollen die Rahmenbedingungen für Unternehmen nachhaltig verbessert werden. Rund 60 Prozent der Mittel sollen in Infrastrukturprojekte fließen. Für deutsche Unternehmen aus den Bereichen umweltfreundliche Mobilität, energetische Sanierung, nachhaltiges Bauen und Infrastruktur bieten sich damit gute Geschäftschancen in Belgien, denn der im belgischen Konjunkturprogramm vorgesehene Beitrag zum ökologischen Wandel beläuft sich auf 50 Prozent der Gesamtmittel.

Internationalisierung

In Belgien haben drei Sprachen den Status einer Amtssprache: Niederländisch, Französisch und Deutsch. Niederländisch, in der belgischen Variante auch Flämisch genannt, wird von etwa 57 bis 60 Prozent der Belgierinnen und Belgier in Flandern, im Norden Belgiens, gesprochen. Die südbelgische Region Wallonien und die Hauptstadt Brüssel sind überwiegend französischsprachig. Die deutschsprachige Gemeinschaft befindet sich im Osten Belgiens in der Provinz Lüttich in Wallonien. Insgesamt sprechen etwa 75.000 Belgierinnen und Belgier Deutsch als Muttersprache.

Viele Belgierinnen und Belgier sprechen neben ihrer Muttersprache sehr gut Englisch. Der English Proficiency Index von Education First bewertet insgesamt 113 Länder weltweit, deren Amtssprache nicht Englisch ist, nach ihrer Kompetenz im Gebrauch der englischen Sprache. Belgien liegt im Ranking von Education First auf Platz 7, Deutschland auf Platz 10.

Die Weltsprache Englisch schlägt somit Brücken für den Handel zwischen Belgien und Deutschland. An der Übersetzung etwa von technischer Dokumentation, zulassungsrelevanten Unterlagen und Marketingtexten kommen etwa deutsche Maschinenhersteller, die nach Belgien expandieren wollen, jedoch nicht vorbei – auch deshalb nicht, weil sie Pflicht ist. Die Maschinenrichtlinie stellt nämlich genaue Anforderungen an die technische Dokumentation – und folglich an deren fremdsprachliche Übersetzung. Wichtig ist, dass die Übersetzung von Handbüchern, Gebrauchsanweisungen, Konformitätsbescheinigungen usw. fachlich korrekt und leicht verständlich ist. Da es sich hierbei um eine besonders sensible Aufgabe handelt, von der die Sicherheit der Maschinenbedienenden abhängt, ist es geraten, dass sich Unternehmen an spezialisierte Fachübersetzerinnen und Fachübersetzer wenden, die selbst die komplexesten Fachtexte sicher in die Zielsprache übertragen können.

Doch die Übersetzung betrifft nicht nur das Bedienungspersonal von Maschinen und Geräten. Neben Handbüchern, Dokumentation, Zertifizierungen usw. müssen im Hinblick auf eine erfolgreiche Internationalisierung auch Werbetexte adaptiert werden, die das Zielpublikum, das heißt die Kundschaft, direkt ansprechen. Die Übersetzung soll in diesem Fall nicht nur informieren, sondern auch bewegen – und zum Kauf animieren. Dieses Ziel lässt sich am besten durch eine freie, kreative Übersetzung erreichen, die auch etwaige kulturelle Unterschiede und Besonderheiten berücksichtigt.

Gesetzliche Rahmenbedingungen: Zollbestimmungen, Verpackungsvorschriften, Kennzeichnung

Zwischen Deutschland und Belgien besteht im Rahmen des EU-Binnenmarkts Zollfreiheit. Somit birgt Belgien aus zollrechtlicher Sicht keine Fallstricke.

Für Verpackungsmaterialien, die in direkten Kontakt mit Lebensmitteln kommen, muss gemäß den Vorschriften des belgischen Gesundheitsministeriums der Nachweis der Unbedenklichkeit erbracht werden. Angaben über die Zusammensetzung sind sowohl für Lebensmittel als auch für Arzneimittel erforderlich.

Irreführende Kennzeichnungen sind in Belgien gesetzlich verboten. Dies gilt insbesondere für die Kennzeichnung ausländischer Waren, die den Eindruck erweckt, es handele sich um ein belgisches Produkt. Beschreibungen und Gebrauchsanweisungen von Waren, die für den Direktverkauf bestimmt sind, müssen in französischer und niederländischer Sprache abgefasst sein.

Fazit

Obwohl der Großteil der belgischen Bruttowertschöpfung im Dienstleistungssektor erwirtschaftet wird, hat das produzierende Gewerbe mit 20,7 Prozent in Belgien einen hohen Anteil am nationalen BIP und beschäftigt rund 19,4 Prozent der Erwerbstätigen. Belgien ist eine wichtige Handelsdrehscheibe und nach den Niederlanden das Land mit den höchsten Exporten pro Kopf in der EU. Der Anteil der Exporte am belgischen BIP beträgt rund 80 Prozent. Der Außenhandel spielt somit eine entscheidende Rolle für die belgische Wirtschaft. Die wichtigsten Handelspartner Belgiens sind neben Deutschland die Niederlande, Frankreich, Italien, Großbritannien und die Vereinigten Staaten. In diese Länder exportiert Belgien vor allem medizinische und pharmazeutische Produkte, aber auch chemische Erzeugnisse, Straßenfahrzeuge, Maschinen und Geräte. Für deutsche Unternehmen vor allem aus den Bereichen umweltfreundliche Mobilität, energetische Sanierung, nachhaltiges Bauen und Infrastruktur bieten sich in Belgien gute Geschäftschancen, denn Belgien will rund die Hälfte der EU-Mittel in Höhe von 4,5 Milliarden Euro in Infrastrukturprojekte und Nachhaltigkeit investieren.

Quellen

Weiterführende Links

English Proficiency Index von Education First

 


autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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