Die Industrie ist in Tschechien für fast ein Drittel der nationalen Bruttowertschöpfung verantwortlich. Konzerne wie Škoda sind international bekannt und können auf eine mehr als einhundert Jahre alte Geschichte zurückblicken. Doch die tschechische Industrie erlebt zurzeit eine schwierige Phase. Mit Russland hat Tschechien den zweitgrößten Absatzmarkt für Automobile verloren und die weiterhin hohe Teuerung bremst den privaten Konsum. Auch bei dem Umstieg auf erneuerbare Energieträger tut sich Tschechien im Vergleich zu den anderen EU-Ländern schwer. Mehr dazu lesen Sie hier.

Daten und Fakten zum Industrieland Tschechien: Anteil an der Wirtschaftsleistung, wichtigste Branchen und Handelspartner

Das tschechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt etwas mehr als 280 Mrd. US-Dollar, das BIP pro Kopf rund 26.800 US-Dollar (vgl. Deutschland: 48.750 US-Dollar; Österreich: 52.190 US-Dollar). Kaufkraftbereinigt ist die tschechische Wirtschaft in etwa so stark wie die Finnlands, dabei entspricht die Fläche Tschechiens nur einem Viertel der Finnlands. Gemessen am BIP pro Kopf gehört Tschechien nicht gerade zu den wohlhabendsten unter den EU-Ländern. Zum Vergleich: Spanien, Slowenien oder Italien haben ein höheres BIP pro Kopf als Tschechien, Estland und Litauen haben ungefähr ein ähnlich hohes BIP pro Kopf, während etwa Griechenland, Polen oder Rumänien ein viel niedrigeres BIP pro Kopf haben.

Der Großteil des tschechischen Bruttoinlandsprodukts wird im Gewerbe- und im Dienstleitungssektor erwirtschaftet. Dennoch hat die Industrie in Tschechien noch einen (verglichen mit anderen EU-Ländern) sehr hohen Anteil am nationalen BIP. So ist in Tschechien die Industrie inklusive Baugewerbe für 30,69 Prozent, der Dienstleistungssektor inklusive Handel für 57,9 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung verantwortlich. Dabei sind rund 36,9 Prozent der Erwerbstätigen in Tschechien in der Industrie beschäftigt.

Aus Tschechien sind viele Industriekonzerne international bekannt. Von ihnen können einige auf eine mehr als einhundert Jahre alte Geschichte zurückblicken – etwa wie der Automobil- und Motorenhersteller Škoda Auto (Umsatz 2021: 442 Mrd. CZK; Beschäftigte 2021: 35.000 nur in Tschechien), der 1895 gegründet wurde und heute zu 100 Prozent zur deutschen Volkswagen AG gehört. Weitere tschechische Top-Industrieunternehmen nach Branche: der Energiekonzern ČEZ bzw. České energetické závody (größter Energiekonzern in Mittel- und Osteuropa sowie größter Erzeuger elektrischer Energie in Tschechien; Umsatz 2021: 201 Mrd. CZK), der Chemiekonzern Agrofert (der u.a. in den Bereichen Grundstoffindustrie, erneuerbare Energien, Agrarhandel, Lebensmittelherstellung und Medien tätig ist; Umsatz 2021: 166 Mrd. CZK), der Erdölverarbeiter Orlen Unipetrol (der dem gleichnamigen polnischen Konzern Orlen Spółka Akcyjna gehört), der Stahlproduzent  Moravia Steel (Umsatz 2020: 47 Mrd. CZK; Beschäftigte 2020: 13.800).

Deutschland ist für Tschechien der mit Abstand wichtigste Handelspartner, sowohl im Hinblick auf die Importe (19,79 %) als auch auf die Exporte (32,78 %). Weitere wichtige Import- und Exportländer sind die nahen Länder Polen (Importe: 7,98 %; Exporte: 7,07 %) und Slowakei (I: 4,17 %; E: 8,37 %). Wichtige Importländer und Bezugsmärkte sind außerdem China (I: 18,84 %), Russland (I: 4,82 %) und Italien (I: 3,83 %). Wichtige Exportländer und Zielmärkte sind auch Frankreich (E: 4,6 %), Österreich (E: 4,46 %), die Niederlande (E: 3,63 %) und das Vereinigte Königreich (E: 3,58 %).

Aktuelle Wirtschaftslage: Automobilindustrie und Maschinenbau stützen die Wirtschaft, Privatkonsum von Inflation geschwächelt

Mit einem Plus von 2,4 Prozent im Jahr 2022 hat sich die tschechische Wirtschaft unerwartet wachstumsstark gezeigt. Getragen wurde diese Entwicklung vor allem von Außenhandel, Industrie und Anlageinvestitionen. Wichtigste Impulsgeber waren dabei die Automobilindustrie und der Maschinenbau mit einem Plus von jeweils rund 25 Prozentpunkten. Die meisten anderen Industriezweige, beispielsweise die energieintensiven Branchen, die chemische Industrie und die metallverarbeitende Industrie, verzeichneten einen Produktionsrückgang.

Die Inflationsrate betrug im Jahr 2022 durchschnittlich 15,1 Prozent. Vor allem die Wohnkosten sowie die Preise für Energie und für Lebensmittel wurden nach oben getrieben und wuchsen um bis zu 49 Prozent. Im Februar 2023 lag die Inflation mit 16,7 Prozent etwas niedriger als zu Jahresbeginn und dürfte damit ihren Höhepunkt hinter sich haben. Die Wohn- und Energiepreise sind seitdem leicht zurückgegangen, doch die Teuerung bleibt vor allem bei den Lebensmitteln und Konsumgütern weiterhin hoch. Der Privatkonsum ging aufgrund von Realeinkommensverlusten, hohen Energiepreisen und sinkendem Verbrauchervertrauen um 3,6 Prozent zurück.

Entwicklungen: Ukraine-Krieg bereitet Automobilindustrie Probleme, deutsche Unsicherheit wirkt sich negativ auf Tschechien aus, Ausbau erneuerbarer Energien geht langsam vor sich

Auch wenn Tschechien mit der Ukraine und Russland nur etwas mehr als drei Prozent seines gesamten Außenhandelsvolumens umsetzt, leiden doch viele tschechische Unternehmen direkt oder indirekt unter den Folgen des Krieges. Die Automobilindustrie ist dabei am stärksten betroffen, einerseits durch Absatzprobleme, da etwa der größte tschechische Automobilhersteller Škoda mit Russland den zweitgrößten Absatzmarkt für ca. 90.000 Fahrzeuge verloren hat, sowie andererseits aufgrund von Lieferproblemen.

Die seit dem 3. Quartal 2022 sinkende Produktionskapazität der Industrie, die Auftragsrückgänge und der schwache PMI-Index deuten auf eine konjunkturelle Abkühlung hin, die sich vermutlich fortsetzen dürfte. Aufgrund der Schwäche des Privatkonsums, bedingt durch hohe Energiepreise und Realeinkommensverluste, sowie der schwierigen Situation hinsichtlich der Exporte ins Ausland, vor allem im Fahrzeug- und Maschinenbau, wird nur mit einer bescheidenen Erholung der Wirtschaft gerechnet. Die künftige Konjunkturentwicklung in Deutschland wird sich stark auf die tschechische Wirtschaft auswirken, denn Tschechien erzielt mehr als ein Viertel seines gesamten Bruttoinlandsprodukts im Export nach Deutschland.

Im Jahr 2022 betrug der Anteil erneuerbarer Energien an der gesamten tschechischen Stromproduktion nur 3,7 Prozent (EU-Durchschnitt: 22 Prozent). Auch der Ausbau erneuerbarer Energien geht in Tschechien verglichen mit dem EU-Durchschnitt nur langsam vor sich: Der Zuwachs an Strom aus erneuerbaren Energien in den letzten fünf Jahren liegt in Tschechien bei +13,6 Prozent, im Rest der EU bei durchschnittlich +88 Prozent. Grund dafür sind vor allem die langwierigen und komplizierten Genehmigungsverfahren.

Internationalisierung

Die Amtssprache Tschechiens ist Tschechisch. Die tschechische Sprache zählt 13,4 Mio. Muttersprachlerinnen und Muttersprachler und wird in Tschechien und in der Slowakei, aber auch von Minderheiten u.a. in Österreich, Serbien, Kroatien und Rumänien gesprochen. Tschechisch ist eine slawische Sprache und hat vieles mit der slowakischen Sprache gemeinsam. In der Tat sind Tschechisch und Slowakisch so ähnlich, dass sie gegenseitig so gut wie problemlos verständlich sind. Die Zweisprachigkeit war vor der Trennung der Tschechoslowakei die Norm. Heute tun sich vor allem die jüngeren Bürgerinnen und Bürger, die nur in der eigenen Muttersprache sozialisiert wurden, etwas schwer, die jeweilige Nachbarsprache zu sprechen. Offizielle Dokumente, die in slowakischer Sprache abgefasst sind, werden in Tschechien trotzdem weiterhin automatisch anerkannt. Mehr zu den Ähnlichkeiten und den Unterschieden zwischen der tschechischen und der slowakischen Sprache sowie über die anderen slawischen Sprachen lesen Sie hier.

Dass Tschechisch und Slowakisch gegenseitig verständlich sind, erleichtert natürlich den grenzüberschreitenden Handel zwischen den Nachbarländern. Die Tschechinnen und Tschechen sind außerdem gut bis sehr gut in Englisch. Beim Englisch Proficiency Index von Education First werden insgesamt 113 Länder weltweit, deren Amtssprache nicht Englisch ist, nach Kompetenz im Gebrauch der englischen Sprache bewertet. Tschechien kommt im Ranking von Education First auf Platz 26, die Slowakei auf Platz 18, Deutschland auf Platz 10.

Die Weltsprache Englisch schlägt somit Brücken für den Handel zwischen Tschechien und Deutschland. Doch wenn es darum geht, Waren und Dienstleistungen so zu präsentieren, dass sie das Zielpublikum auch wirklich ansprechen, dann führt kein Weg an der Übersetzung ins Tschechische vorbei. Denn für eine erfolgreiche Internationalisierung müssen neben Dokumentation, Gebrauchsanweisungen etc. auch Werbetexte sprachlich adaptiert werden. Die Übersetzung soll in diesem Fall nicht nur informieren, sondern auch bewegen – und zum Kauf animieren. Dies lässt sich am besten durch eine freie, kreative Übersetzung erreichen, die auch etwaige kulturelle Unterschiede und landesspezifische Besonderheiten, wie etwa im Falle Tschechiens die andere Währung, berücksichtigt – eine besonders sensible Aufgabe, die an spezialisierte Fachübersetzerinnen und Fachübersetzer anvertraut werden muss, die selbst die komplexesten Fachtexte sicher in die Zielsprache übertragen können.

Gesetzliche Rahmenbedingungen: Zollbestimmungen, Verpackungsvorschriften, Ursprungsbezeichnung

Zwischen Deutschland und Tschechien besteht im Rahmen des EU-Binnenmarkts Zollfreiheit. Somit birgt Tschechien aus zollrechtlicher Sicht keine Fallstricke.

Für Verpackungen sind in Tschechien die einschlägigen EU-Richtlinien zu beachten. Im Warenverkehr zwischen Deutschland und Tschechien ist keine zollrechtliche Ursprungskennzeichnung der Waren erforderlich. Auch die Kennzeichnung „Made in…“ ist vielerorts nicht notwendig. Dennoch kann die Ursprungskennzeichnung freiwillig angebracht werden, entweder mit dem englischen Hinweis „Made in…“ oder dem entsprechenden Hinweis in tschechischer Sprache.

Für geschützte Ursprungsbezeichnungen und geschützte geografische Angaben sind ebenfalls die einschlägigen EU-Richtlinien zu beachten. Bei bestimmten Produkten wie beispielsweise Lebensmitteln, Energydrinks oder Pharmazeutika gelten besondere Kennzeichnungsvorschriften. Pflichtangaben müssen beim Verkauf im Einzelhandel auf dem Produktetikett in tschechischer Sprache, in verständlicher und leicht lesbarer Form angegeben werden.

Fazit

Die tschechische Industrie kann auf eine sehr lange – teilweise jahrhundertelange – Geschichte zurückblicken. Noch heute trägt die Industrie zu einem wesentlichen Anteil an der tschechischen Bruttowertschöpfung bei – und beschäftigt mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen. Obwohl sie für die nationale Wirtschaft weiterhin zentral ist, erlebt die tschechische Industrie zurzeit eine schwierige Phase – einerseits bedingt durch die generelle Ungewissheit infolge des Kriegs in der Ukraine, andererseits aber, weil Tschechien vor allem in puncto erneuerbare Energien im internationalen Vergleich mit den anderen EU-Ländern stark zurückgeblieben ist. Die tschechische Regierung will da eingreifen und den Ausstieg aus den fossilen Energieträgern durch den Ausbau der Kernenergie vorantreiben, doch die Energiewende geht im Land nur sehr langsam voran. Die Aussichten für die tschechische Industrie bleiben daher trüb. Entscheidend ist für den tschechischen Außenhandel auch, wie sich die deutsche Wirtschaft in den nächsten Monaten entwickeln wird. Schließlich ist Deutschland der wichtigste Handelspartner.



Quellen

Weiterführende Links

Englisch Proficiency Index von Education First

 


autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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