In Neuseeland macht der E-Commerce mittlerweile 8,1 Prozent aller Einzelhandelsausgaben aus und ist 4 Mrd. US-Dollar wert. Zwar ist der E-Commerce-Markt auf der Antipode Europas kleiner als in anderen hochentwickelten Volkswirtschaften, aber er hat noch viel Raum zum Expandieren. Tatsächlich steigen die Umsätze des neuseeländischen E-Commerce weiter an. Neue Märkte entstehen und auch bestehende Märkte haben das Potenzial für eine weitere Entwicklung. Grund genug, sich genauer umzusehen. Alles Relevante in puncto Internetnutzung, Kaufverhalten, wichtigste Branchen und Marktführer sowie Zahlungsarten und rechtliche Besonderheiten gibt es hier zu lesen.

Zahlen und Fakten

Der geographisch isolierte Inselstaat Neuseeland liegt im südlichen Pazifik, mehr als 1.600 km südöstlich von seinem nächstgelegenen Nachbarn Australien entfernt. Das Land besteht aus zwei Hauptinseln, der Nord- und der Südinsel, sowie aus einer Vielzahl von über 700 kleineren Inseln, von denen einige Hunderte von Kilometern von der Hauptgruppe entfernt sind. Die zwei Hauptinseln sind insgesamt etwa 1.600 km lang, die Nordinsel ist an ihrer breitesten Stelle etwa 450 km breit. Mit einer Fläche von knappen 270.000 km2 ist Neuseeland größer als Großbritannien aber kleiner als Italien. Etwa zwei Drittel des Landes sind wirtschaftlich nutzbar, der Rest ist gebirgig.

Sowohl die Hauptstadt Wellington (200.000 Einwohnerinnen und Einwohner) als auch die größte Stadt Auckland (1,6 Mio.) befinden sich auf der bevölkerungsreicheren Nordinsel. Hier leben über 3 von den fast 5 Mio. Menschen, die das Land insgesamt beheimatet. Neuseeland ist hoch urbanisiert: Neben dem großen Ballungsraum Auckland, der allein ein Drittel der Bevölkerung Neuseelands unterbringt, gibt es im Land viele kleinere Städte und einige größere Provinzstädte mit bis zu 10.000 bzw. 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Über drei Viertel der Gesamtbevölkerung leben in der Stadt, Neuseelands Hinterland ist hingegen dünn besiedelt und immer mehr Menschen verlassen das Dorf und ziehen in die Großstadt.

Gemessen am HDI, dem Wohlstandindikator der Vereinten Nationen, ist Neuseeland mit einem Wert von 0,934 das 13. Land der Welt nach menschlicher Entwicklung (vgl. Deutschland: 0,942; Österreich: 0,916). Das neuseeländische Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei rund 247 Mrd. US-Dollar, kaufkraftbereinigt liegt das BIP pro Kopf bei rund 46.600 US-Dollar (vgl. deutsches BIP pro Kopf: 45.700 US-Dollar).

Der neuseeländische Dollar (NZD) ist die Währung in Neuseeland. Die neuseeländische Währung unterteilt sich in 100 Cents. Aktuell (11.12.2023) entspricht 1 neuseeländischer Dollar 0,57 Euro.

Internetnutzung, Kaufverhalten, Branchen und Marktführer, Zahlungsarten

Die neuseeländische Bevölkerung ist digitalaffin und im Umgang mit der Technik versiert. Ungefähr ein Drittel der Internetnutzerinnen und -nutzer in Neuseeland surfen von mehreren Geräten im Web aus, darunter PCs, Tablets und Smartphones. Apple-Produkte erfreuen sich großer Beliebtheit: 80 Prozent der Smartphones im Land sind iPhones, 10 Prozent mehr als im weltweiten Durchschnitt. Vor allem junge Konsumentinnen und Konsumenten in den Großstädten kaufen bevorzugt über ihr Smartphone online ein. 15- bis 24-Jährige verbringen über sechs Stunden pro Woche mehr online als die anderen Altersgruppen im Land und bilden für Anbieter von Mobile-First-Websites eine besonders wichtige Zielgruppe.

Der E-Commerce macht mittlerweile 8,1 Prozent aller Einzelhandelsausgaben im Land aus und ist 4 Mrd. US-Dollar wert: Damit ist der E-Commerce-Markt in Neuseeland kleiner als in anderen hochentwickelten Volkswirtschaften, das heißt aber auch, dass der Onlinehandel in Neuseeland noch viel Raum zum Expandieren hat. Im Durchschnitt geben Kundinnen und Kunden in Neuseeland rund 1.876 US-Dollar für Onlineeinkäufe aus. Am aktivsten sind Onlineshopperinnen und -shopper zwischen 30 und 44 Jahren. Durchschnittlich tätigen diese 27 Transaktionen pro Jahr. Onlineshopperinnen und -shopper in der Altersgruppe zwischen 45 und 59 Jahren zeigen sich allerdings bereit, höhere Summen online auszugeben, nämlich rund 2.023 US-Dollar pro Jahr.

Etwa 40 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen in Neuseeland haben mindestens einmal online eingekauft, wobei Frauen mit einem Durchschnitt von 23 Onlinetransaktionen pro Jahr häufiger online einkaufen als Männer. Männer neigen hingegen dazu, höhere Beträge für weniger Artikel auszugeben: im Durchschnitt geben sie fast 27 US-Dollar mehr pro Transaktion aus. Dieser Trend wird vor allem in der Kategorie Gesundheit und Körperpflege bestätigt, wo Männer fast doppelt so viel wie Frauen pro Transaktion ausgeben. Unabhängig von ihrem Geschlecht reagieren Onlineshopperinnen und -shopper in Neuseeland positiv auf saisonale Events und die damit verbundenen E-Commerce-Aktionen, etwa wie am Singles Day, am Black Friday und am Cyber Monday.

Während der Großteil der Onlineeinkäufe bei inländischen Händlern getätigt wird, sind grenzüberschreitende Transaktionen ein sehr bedeutender Teil des neuseeländischen E-Commerce-Marktes. China, die Vereinigten Staaten und Großbritannien sind hier die wichtigsten internationalen Bezugsmärkte. Zu den beliebtesten Onlinemarktplätzen für neuseeländische Produkte zählt die Plattform Trade Me, die seit 1999 als lokale Alternative zu eBay gut etabliert ist, und im Jahr 2020 einen Umsatz von 250 Mio. US-Dollar erzielt hat. Weitere wichtige Player auf dem neuseeländischen E-Commerce-Markt sind die Webseiten countdown.co.nz., amazon.com und apple.com, mit einem Umsatz von 468 Mio., 139 Mio. bzw. 94 Mio. US-Dollar. Insgesamt machen die drei Top-Shops 20 Prozent des E-Commerce-Umsatzes in Neuseeland aus.

Wenn es um die Produkte geht, die Neuseeländerinnen und Neuseeländer am meisten aus dem Ausland kaufen, dominieren Kleidung und Schuhe. Diese Produktkategorie macht 54 Prozent der Ausgaben neuseeländischer Onlineshopperinnen und -shopper an ausländische E-Commerce-Händler. Konsumentinnen und Konsumenten bis 30 Jahre kaufen bis zu 50 Prozent öfter auf nicht neuseeländischen Webseiten ein, weshalb sie für ausländische Anbieter eine durchaus interessante Zielgruppe darstellen. Weitere Produktkategorien, die auf dem neuseeländischen E-Commerce-Markt besonders gut abschneiden, sind Reise- und Freizeitangebote (29 % des gesamten lokalen E-Commerce-Marktes), Elektronik und Unterhaltung (22 %), Mode und Accessoires (18%) und Lebensmittel (12 %).

Mehr als die Hälfte der Onlinetranskationen im neuseeländischen E-Commerce wird mit der Kreditkarte abgeschlossen. Dies entspricht einem Umsatz von 2,3 Mrd. US-Dollar. Banken und Kreditanstalten spielen in der lokalen Wirtschaft eine zentrale Rolle, was auch die Durchschnittanzahl von 3,07 Kredit- und Debitkarten pro Person bestätigt. Alternativ zur Kreditkarte sind digitale Geldbörsen die zweitbeliebteste Zahlungsmethode für Onlineeinkäufe in Neuseeland: Hier haben sie bereits einen Anteil von 22 Prozent am E-Commerce-Zahlungsmarkt, ähnlich wie in Australien.

Sprache

Neuseeland ist ein englischsprachiges Land. Die englische Sprache wird von nahezu allen Neuseeländerinnen und Neuseeländern gesprochen. Die neuseeländische Varietät des Englischen ist mit dem australischen Englisch verwandt – doch es gibt auch Unterschiede, vor allem, was den Wortschatz betrifft, die durch den Kontakt mit Neuseelands indigener Sprache bedingt sind. Mehr über die englische Sprache und ihre Varianten lesen Sie hier.

Die maorische Sprache wird trotz ihren offiziellen Status als Amtssprache im heute überwiegend englischsprachigen Neuseeland nur noch von ungefähr 100.000 nativen Sprecherinnen und Sprechern bzw. rund einem Viertel der in Neuseeland lebenden Maori gesprochen und ist somit eine Minderheitssprache. Weitere Sprachen, die in Neuseeland gesprochen werden, sind Samoanisch, Hindi und Mandarin.

Import- und Zollbestimmungen, Handelsabkommen, Umsatzsteuer Verpackungsvorschriften

Für den Import nach Neuseeland gelten zahlreiche gesetzliche Rahmenbedingungen, die vor allem dem Schutz der neuseeländischen Bevölkerung, der Umwelt und der Landwirtschaft dienen. Alle gewerblich importierten Waren müssen vom neuseeländischen Zoll abgefertigt werden. Dazu müssen sich Importeure bei der Zollbehörde anmelden und eine sogenannte Import Declaration bzw. Electronic Cargo Information (ECI) einreichen. In der Regel müssen die Importdokumente in englischer Sprache abgefasst sein oder, wo dies nicht möglich ist, mit englischer Übersetzung vorgelegt werden.

Neuseeland wendet das harmonisierte Zolltarifschema an. Der Zoll berechnet sich nach dem Warenwert ohne Transport- und Versicherungskosten (FOB-Wert). Damit unterscheidet sich Neuseeland bei der Zollberechnung zugunsten der Importeure von der sonst üblichen CIF-Regelung.

Neuseeland hat mit Australien 1983 ein Handelsabkommen geschlossen, mit dem Zölle und Importquoten zwischen den beiden Ländern abgeschafft wurden. Darüber hinaus sind Neuseeland und Australien durch ein Freihandelsabkommen mit der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) verbunden. Auch mit China hat Neuseeland ein Freihandelsabkommen unterzeichnet.

Wichtig für den E-Commerce: Bei der Umsatzsteuer (Goods & Service Tax) bestehen unterschiedliche Regelungen, je nachdem, ob die Waren an Unternehmer oder Privatpersonen verkauft werden und wie hoch der Jahresnettoumsatz ist. Die Umsatzsteuer wird sowohl auf Waren als auch auf Dienstleistungen erhoben und beträgt grundsätzlich 15 %. Beim E-Commerce über einen sogenannten Online-Marktplatz ist grundsätzlich der Marktplatzbetreiber umsatzsteuerpflichtig.

Hinsichtlich der Verpackungsvorschriften: In Neuseeland wird in der Regel genau geprüft, dass die Waren in sauberem Zustand und frei von Materialien ankommen, für die ein Quarantänerisiko besteht. Nicht erlaubt sind u.a. Rinde oder Rindenreste, Stroh, Heu, Papierwolle, gebrauchte Hanf-, Jute- oder Flachssäcke sowie Altreifen.

Fazit

Aus deutscher Sicht gibt es gute Gründe, um Neuseeland im Rahmen einer Expansion in Betracht zu ziehen. Denn obwohl Neuseelands E-Commerce-Markt im Vergleich zu den Nachbarmärkten in der asiatisch-pazifischen Region eher klein erscheinen mag, bieten sich hier zahlreiche Vorteile durch eine junge, digitalaffine und technikversierte Konsumentenbasis sowie durch die hohe Internetpenetrationsrate und die Freihandelsabkommen mit den wichtigsten Handelspartnern Australien und China. Grenzüberschreitende Transaktionen sind ein sehr wichtiger Teil der neuseeländischen Online-Shopping-Kultur und es werden immer mehr Einkäufe aus dem Ausland getätigt. Ein weiterer Trend, der den E-Commerce im Inselstaat begünstigt, ist die weit verbreitete Benutzung von digitalen Zahlungsmitteln sowie die Präsenz von lokalen Anbietern von sicheren, für den Onlinehandel optimierten Zahlungsdienstleistungen und Marktplätzen. Last but not least punktet Neuseeland natürlich durch die englische Sprache, die eine zusätzliche Übersetzung unnötig macht, da englische Übersetzung meist ohnehin vorhanden sind. Für Mobile-First-Anbieter ist die Antipode Europas somit ein durchaus interessantes Expansionsziel. Zwar ist Neuseeland für deutsche und europäische Unternehmen nicht gerade der nächstgelegene Markt, doch auch in puncto Logistik überwiegen die Pluspunkte: Die meisten bewohnten Gebiete Neuseelands sind gut erreichbar, das Straßennetz ist auch in ländlichen Gegenden gut ausgebaut und ein Netz von Schnellstraßen verbindet die wichtigsten Städte miteinander. Nur bei den rechtlichen Vorschriften, etwa bei den Import- und Zollbestimmungen, ist Vorsicht geboten – aber insgesamt birgt Neuseeland auch rechtlich keine Fallstricke.

Quellen

Weiterführende Links

Neuseeländische Zollbehörde (in englischer Sprache)

 


autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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