Die Slowakei ist das nächste Land Mitteleuropas, das wir in unserer Reihe „E-Commerce in…“ vorstellen. Der Binnenstaat zwischen Polen, Tschechien, Österreich, Ungarn und der Ukraine ist zwar klein, sein E-Commerce-Markt ist in den letzten Jahren aber rasant gewachsen. Das eröffnet neue Möglichkeiten, auch für expandierende E-Commerce-Unternehmen aus dem Ausland.

Zahlen & Fakten

Die Slowakei ist mit knapp 5,5 Millionen Einwohnern eines der kleineren Länder Europas – damit liegt die Bevölkerungszahl etwas unter der Hessens. Mit 49.043 km2 ist die Slowakei flächenmäßig so groß wie Niedersachsen. Das ergibt eine Einwohnerdichte von 111 Einwohnern pro km2.

Mit 82,6% liegt die Internet-Penetrationsrate in der Slowakei im europäischen Mittelfeld. Allerdings haben gerade einmal 50,7% der Slowaken im letzten Jahr online eingekauft. Ähnlich wie im Nachbarland Tschechien hat der slowakische E-Commerce-Markt in den letzten Jahren aber deutlich zugelegt, mit Wachstumsraten von über 15%. Damit ist der Umsatz auf inzwischen knapp 1,2 Milliarden US-$ gestiegen. Prognosen zufolge wird der Markt in den nächsten Jahren aber nur noch um 3-5% steigen.

Mehr noch als in Tschechien ist in der Slowakei die geringe Kaufkraft ein bremsender Faktor: Durchschnittlich gab jeder Kunde nur 448 Euro pro Jahr im E-Commerce aus, weniger als ein Viertel des europäischen Durchschnitts. Dazu passt, dass der Preis für die Slowaken noch immer das wichtigste Argument für eine Kaufentscheidung ist.

Die Transkationen werden dabei besonders häufig über Smartphones abgewickelt: Bei 46% Smartphone-Penetration kaufen 65% der slowakischen E-Commerce-Kunden über ein mobiles Endgerät ein. Das spricht für eine junge E-Commerce-Kundschaft.

Mehr noch als in Tschechien dominieren einige wenige Unternehmen den Markt: Der größte Gigant ist der Ableger des Tschechischen Konzerns Alza, der in der Slowakei als alza.sk auftritt: Satte 35% des Umsatzes entfallen allein auf diese Internet-Plattform. Deutlich dahinter kommen weitere tschechische Unternehmen wie mall.sk und die Online-Shops von Supermärkten wie itesco.sk und lidl-shop.sk.

Lokalisierung

Staatssprache in der Slowakei ist Slowakisch. Allerdings haben verschiedene Minderheiten auf dem Gebiet der Slowakei ihre eigene Muttersprache: Nennenswert ist hier insbesondere die ungarisch-sprachige Minderheit, die fast 10% der Bevölkerung ausmacht. Dazu kommen Minderheiten, die Romani oder Russinisch sprechen. Trotzdem beherrscht die große Mehrheit der Bevölkerung das Slowakische. Auch das Tschechische wird in der Regel verstanden, so werden TV-Sendungen aus Tschechien häufig im Original übertragen. Trotzdem ist eine eine Website oder ein Onlineshop auf slowakisch für viele Slowaken ansprechender und auch vertrauenserweckender.

Die Slowakei ist nicht nur seit 2004 Mitglied der Europäischen Union, sie ist seit 2009 auch Teil der Eurozone. Damit ist der Euro (EUR) die offizielle Währung.

Die Konfektionsgrößen in der Slowakei entsprechen den EU-Maßstäben.

Weihnachten ist in der Slowakei mit Abstand das wichtigste Datum für Verkäufe im E-Commerce. Außerdem nutzen Slowaken häufig und gerne Vergleichsseiten, um nach Produkten zu suchen.

Zahlungsmethoden und Versand

Mehr noch als in Tschechien ist es in der Slowakei üblich, auch online bar zu bezahlen: 66% der Kunden bevorzugen Nachnahme als Zahlungsmethode. Diese wird als Service von der Slowakischen Post, der Slovenská Pošta, angeboten. Neben Kreditkartenzahlung, die bei 17% der Transaktionen genutzt wird, ist es auch üblich, über den Mobilfunkvertrag oder über speziell für diesen Zweck ausgestellte Prepaid-Karten zu bezahlen.

Für den Transport ist das Straßennetz in der Slowakei am wichtigsten. Dieses verfügt über eine das Land durchquerende Autobahn und viele weitere, gut ausgebaute Fernstraßen. Über Autobahnen durch Österreich, Tschechien oder Polen ist das gesamte Land gut erreichbar. Das Schienennetz ist dagegen weniger gut ausgebaut.

Ähnlich wie in Tschechien erwarten auch die Slowaken eine schnelle Zustellung, spätestens am nächsten Tag sollte die Bestellung beim Kunden sein. Neben der schon erwähnten Slovenská Pošta können die Sendungen auch mit UPS und GLS in der Slowakei versandt werden. Insbesondere bei Versand mit der Slowakischen Post ist auch die Versendung an Packstationen ein gern genutzter Service.

Branchen

Die beliebteste Branche im E-Commerce in der Slowakei ist mit Abstand die Sektion „Mode“. Dahinter erfreuen sich auch „Elektronik“ und „Hobby“ großer Beliebtheit.

Fazit

Die Slowakei ist insbesondere für Unternehmen, die sich für die mitteleuropäischen Märkte interessieren, eine gute Option. So machen viele Ähnlichkeiten zur Tschechischen Republik eine Expansion in beide Staaten attraktiv. Schließlich lockt die Slowakei noch mit vergleichsweise hohen Wachstumsraten und einem sich entwickelnden aber übersichtlichen Markt.



Quellen

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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