In dieser Ausgabe unserer Reihe „E-Commerce in …“ widmen wir uns dem E-Commerce-Markt Griechenland. Das Land ist den Deutschen vor allem als Urlaubsziel und Herkunftsland guten Essens und Trinkens bekannt, während es in den Nachrichten gelegentlich im Zusammenhang mit politischen und finanziellen Krisen auftaucht. Für seinen florierenden E-Commerce-Markt ist Griechenland eher nicht bekannt, was sicher auch daran liegt, dass es in dieser Hinsicht noch sehr viel Wachstumspotential gibt.

Lage und Daten

Griechenland hat eine Gesamtfläche von rund 132.000 km2 und eine Küstenlänge von knapp 14.000 km. Die Landmasse entspricht damit etwa 37% der Größe Deutschlands. Die Hauptstadt ist Athen; der berühmteste Berg, der Olymp, befindet sich in Thessalien und ist mit seinen 2.917m die höchste Erhebung des Landes. Er wird auch „Berg der Götter“ genannt. Die direkten Landesgrenzen zu Griechenland bestehen zu den Nachbarstaaten Albanien, Bulgarien, Türkei und Mazedonien. Griechenland grenzt zudem im Osten an das Ägäische Meer und im Westen an das Ionische Meer – beide sind Teil des Mittelmeeres.

Aktuell leben rund 10.4 Millionen Menschen in Griechenland, was eine Bevölkerungsdichte von 78 Einwohnern pro km2 ergibt.  Im Durchschnitt sind die Bürger 43,3 Jahre alt und haben eine Lebenserwartung von 79,9 Jahren. Seit 1952 ist die Wachstumsrate dagegen von 1% auf 0,5% gesunken. Griechisch ist die offizielle und primäre Sprache Griechenlands und wird von der Mehrheit der Bevölkerung des Landes gesprochen. Daneben ist Englisch die dominierende Fremdsprache, die in der Geschäftswelt gesprochen und in Schulen unterrichtet wird. Etwa 88% der Bewohner gehören dem Christentum an, während 6,2% atheistisch sind und 5,3% dem Islam angehören.

Konsumverhalten im Netz

Griechenland holt, was den Onlinehandel angeht, auf, ist allerdings mit seinen europäischen Nachbarn noch nicht auf Augenhöhe. Es bestehen noch große Wachstumsspielräume, da derzeit gerade einmal 4 von 10 Konsumenten online einkaufen. 2017 kauften in Griechenland rund 3,5 Millionen Verbraucher im Internet Produkte und Dienstleistungen im Gesamtwert von 4,5-5 Milliarden Euro, gegenüber 4 Milliarden Euro im Jahr 2016.  Auch wenn der Anteil der Internetnutzer in Griechenland mit 72% klar hinter dem EU-Durchschnitt von 85% (Deutschland: 92%) liegt, stieg der Anteil über die letzten Jahre hinweg stetig.

Gleichzeitig bestehen Probleme auf dem griechischen E-Commerce-Markt. Vor allem gibt es Schwierigkeiten bei der Übergabe der Produkte: hohe Versandkosten, lange Zustellungszeiten und der Erhalt fehlerhafter Produkte. Weitere Probleme betreffen den Support wie beispielsweise die Auskünfte nach dem Kauf und der telefonischen Kommunikation. Hier besteht also noch einiges an Entwicklungspotenzial, doch insgesamt lohnt es sich schon jetzt, ein Paket nach Griechenland zu verschicken und griechische Kunden zu gewinnen.

Grundsätzlich sind laut einer Umfrage von Statista zum Online-Einkaufsverhalten in Griechenland über 67% der Griechen dazu bereit, Produkte aus dem Ausland zu bestellen. Sie sind gegenüber dem internationalen Versand also durchaus aufgeschlossen. 2021 sind 98% der gesamten E-Commerce-Käufe in Griechenland allerdings noch inländisch.

Außerdem informiert sich die Hälfte der Kunden, die bevorzugt im stationären Handel einkauf, im Vorfeld im Internet über die Preise. Allerdings erklärt dazu einer von drei Griechen, niemals in seinem Leben einen Computer (34,4%) oder das Internet (36,3%) genutzt zu haben.  Dieser Anteil ist gleichwohl in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken, sodass knapp 80% der Bürger das Internet fast jeden Tag nutzen. Dabei bleibt der PC das populärste Gerät für den Zugang zum Internet, während inzwischen auch der Zugang per Mobiltelefon bedeutsam zunimmt.

Wichtigste Branchen

Der griechische E-Commerce-Markt wächst in den letzten zwei bis drei Jahren rapide. Eines der beiden größten Marktsegmente des griechischen Onlinehandels ist das immer beliebter werdende Segment „Fashion“ mit einem erwarteten Volumen von 1.001 Mio. € im Jahr 2021. Wobei auch elektronische Geräte, Arzneiprodukte und traditionelles Essen immer öfter online gekauft werden. Der Gewinner im Bereich des E-Commerce ist allerdings nach wie vor der Dienstleistungssektor und darin vor allem die Reiseveranstalter und Online-Reiseagenturen.

Vertrauen ist für die Griechen allerdings ein wichtiges Thema, das auch ihr Konsumverhalten bestimmt. Sie bevorzugen es, online bei bekannten Marken und Online-Shops einzukaufen, die ein hohes Ansehen genießen. Die größte Angst der griechischen Konsumenten liegt beim Online-Shopping daher mit 71% darin, betrogen zu werden.

Die beliebtesten Online-Shop-Plattformen sind in Griechenland Magento, Shopify und Prestashop. Zusätzlich verkaufen Online-Händler sehr häufig auf Amazon, eBay und Etsy.

Versand und Bezahlung

Trotz der Zugehörigkeit Griechenlands zu Europa und der EU darf nicht vergessen werden, dass Griechenland rund 1.600 km Luftlinie von Deutschland entfernt liegt. Dementsprechend dauert der Versand eines Pakets nach Griechenland deutlich länger, als ein Paket beispielsweise nach FrankreichÖsterreich oder Italien benötigt. Je nach Versanddienstleister liegt die Dauer zwischen 2 und 9 Tagen.

Griechenland ist seit 1981 Mitgliedsland der Europäischen Union und hat seit der Einführung des Euros diesen auch als Landeswährung angenommen.

Aufgrund der Angst vor Sicherheitslücken zeigen sich die griechischen Kunden weiterhin sehr zurückhaltend, wenn es um die Nutzung von Payment-Lösungen wie Kreditkarten oder PayPal geht. Die überwiegende Mehrheit entscheidet sich daher entweder dazu per Vorkasse oder Nachnahme zu bestellen. Dabei ist die Nachnahme am beliebtesten. Es wird aber damit gerechnet, dass 2021 rund 36% der gesamten E-Commerce-Käufe mit Kartenzahlung bezahlt werden, wobei hier auch PayPal und andere Zahlungsvarianten via Smartphone immer mehr Anhänger finden. Momentan arbeiten aber noch viele Online-Shops eher als eine Art Werbe-Werkzeug für Marken, die ebenso im stationären Handel erhältlich sind, da Kunden die Websites meist nur besuchen, um sich im Vorneherein über die Preise zu informieren und die Produkte letztlich doch im stationären Handel zu kaufen.

Fazit

Grundsätzlich kann sich der Online-Handel in Griechenland lohnen. Es muss lediglich auf die sprachliche Barriere sowie die langen Lieferzeiten und Lieferwege Rücksicht genommen werden. Ein guter Supportdienst und vertrauenswürdige Zahlungsvarianten sollten dabei auch gewährleistet werden.



Quellen

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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