Trotz der schwierigen weltwirtschaftlichen Lage verzeichnet die überwiegend dienstleistungsorientierte und vom Tourismus abhängige spanische Wirtschaft Wachstum. Warum das so ist und wo sich die größten Chancen für deutsche Unternehmen bieten, lesen Sie hier.

Daten und Fakten zum Industrieland Spanien

Anteil an der Wirtschaftsleistung

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Spaniens beträgt rund 1,7 Billionen US-Dollar. Das BIP pro Kopf liegt kaufkraftbereinigt bei etwa 54.700 US-Dollar (zum Vergleich: Deutschland 71.800 Euro, Österreich 73.000 Euro). Gemessen am BIP ist Spanien nach Deutschland, Frankreich und Italien und vor den Niederlanden die viertgrößte Volkswirtschaft der EU. Die Industrie ist für 19,5 Prozent der spanischen Bruttowertschöpfung verantwortlich und beschäftigt 19,9 Prozent der Erwerbstätigen.

Spanische Industriebranchen im Fokus

Von den spanischen börsennotierten Unternehmen und Großkonzernen sind international vor allem die Banken und Versicherungsgesellschaften bekannt. Etwa Banco Santander, BBVA, Banco Sabadell oder Bankinter sind nur einige spanische Kreditinstitute, die auch im Ausland tätig sind. Was das verarbeitende Gewerbe betrifft, da gibt es in Spanien im Vergleich zu Deutschland, Frankreich oder auch den Niederlanden weniger international agierende Großkonzerne. Doch immerhin: Laut dem spanischen Institut für Außenhandel ICEX sind in Deutschland ca. 200 spanische Unternehmen tätig. Das heißt: Deutschland ist aus spanischer Sicht das drittwichtigste Investitionsland nach den Vereinigten Staaten und Großbritannien.

Die wichtigsten Branchen sind die Bauindustrie, die Textil- und Modeindustrie, die Lebensmittelindustrie sowie die pharmazeutische Industrie. In Deutschland und international bekannt sind beispielsweise das Textilunternehmen Inditex mit seinen Tochterunternehmen Zara, Massimo Dutti, Zara Home, Bershka und Pull & Bear, der europaweit größte Fleischverarbeiter Campofrio Food Group, das multinationale Healthcare- und Pharmaunternehmen Grifols sowie das Stahlunternehmen Acerinox, zu dem auch der deutsche Hersteller VDM Metals Group gehört.

Automobilindustrie

Schätzungsweise wurden 2025 in Spanien etwa 2,4 Millionen Fahrzeuge produziert, von denen rund 90 Prozent fürs Ausland bestimmt waren. Der Trend zur E-Mobilität ist auch in Spanien unumkehrbar – wenn auch nicht so schnell wie ursprünglich gedacht. Nach wie vor sind mehr als 90 Prozent der im Land hergestellten Autos benzin- oder dieselbetrieben. Anteilig waren E-Autos zuletzt sogar rückläufig unter den neu zugelassenen Fahrzeugen. Staatliche Förderungen für Elektroautos dürften dennoch unvermindert fortgesetzt werden.

Bei den Pkw-Neuzulassungen in Spanien ist schon seit mehreren Jahren der japanische Hersteller Toyota Spitzenreiter. Die deutschen Autobauer Mercedes-Benz, Audi und BMW erzielten 2023 Marktanteile von 4,5 Prozent, 4,3 Prozent bzw. 3,7 Prozent. Eine neue Marktentwicklung ist der zunehmende Anteil chinesischer Unternehmen am Hersteller- und Zuliefermarkt.

Chemieindustrie

Die Chemieindustrie ist einer der größten Wirtschaftszweige Spaniens. Aktuell wird in der Branche verstärkt in das Recycling chemischer Erzeugnisse investiert. Allein fünf Projekte von Repsol, Plastic Energy und Sacyr sollen zusätzliche Recyclingkapazitäten von mehr als 465.000 Tonnen schaffen. Wichtige Themen sind zudem die Dekarbonisierung sowie die Herstellung und der Einsatz von grünem Wasserstoff. Durch den Einsatz erneuerbarer Energien in der Produktion und die Umstellung von grauem auf grünen Wasserstoff in Raffinerien kann die Chemiebranche ihre Emissionen erheblich reduzieren.

Ein Strategieplan der spanischen Regierung fokussiert sich auf die Kreislaufwirtschaft. Mit 492 Millionen Euro an Fördermitteln sollen private Investitionen angeregt werden, wobei der Schwerpunkt auf Kunststoff liegt.

Ein weiterer Strategieplan betrifft erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff. Bis zum Jahr 2030 will Spanien mithilfe staatlicher Subventionen im Wert von 1,5 Milliarden Euro die Produktionskapazität für grünen Wasserstoff auf 4 Gigawatt erhöhen. Grüner Wasserstoff soll der Chemieindustrie den Übergang zu einer nachhaltigeren Produktion ermöglichen. Derzeit ist grüner Wasserstoff jedoch noch ein Hemmnis, da er mit dem Vier- bis Fünffachen des Preises von grauem Wasserstoff auf Gasbasis derzeit noch sehr viel teurer ist.

Pharmaindustrie

Spanien ist der fünftgrößte Arzneimittelmarkt Europas. Wie in anderen Industrieländern auch nimmt die Zahl der älteren Menschen in Spanien zu. Damit steigt auch der Anteil chronisch kranker Menschen, die einer Behandlung bedürfen.

Aufgrund der Einwanderung, insbesondere aus Lateinamerika, gewinnt Spanien als Absatzmarkt und Produktionsstandort für Medikamente weiter an Bedeutung. Laut Fitch Solutions soll der spanische Gesundheitsmarkt bis 2028 jährlich um durchschnittlich 3,7 Prozent wachsen. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel sollen von 648 Euro im Jahr 2024 auf 754 Euro zunehmen.

Bereits seit Jahren produzieren ausländische Pharmakonzerne in Spanien und bedienen von dort aus weltweit Absatzmärkte, darunter Belgien, die Schweiz, Deutschland, China und Frankreich.

Im Rahmen des 2021 genehmigten spanischen Aufbau- und Resilienzplans hat Spanien im Dezember 2024 erstmals eine Strategie für den Pharmasektor verabschiedet. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Pharmaindustrie bis zum Jahr 2029 durch Maßnahmen in folgenden drei Punkten zu stärken:

  • gerechter Zugang zu Arzneimitteln und Nachhaltigkeit des nationalen Gesundheitssystems,
  • Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Innovationen,
  • Wettbewerbsfähigkeit durch starke und nachhaltige Lieferketten.

Außenhandel und Handelspartner

Im Handelsstreit zwischen den USA und der EU steht Spanien besser da als andere Länder. Schließlich exportierte Spanien im Jahr 2024 weniger als fünf Prozent seiner Güter in die USA. Einige Branchen sind jedoch stark vom Zollstreit betroffen, darunter die Pharma- und die Kfz-Zulieferindustrie. Insgesamt wird für den Außenhandel Spaniens mit steigenden Zahlen gerechnet.

Spanien importiert vor allem Fahrzeuge, Maschinen, Elektronik und chemische Produkte. Dabei zählen Deutschland, Frankreich und China zu den wichtigsten Lieferländern. Exportiert werden vorwiegend Fahrzeuge, Nahrungsmittel, Maschinen und Chemikalien. Abnehmer sind vor allem Frankreich, Deutschland und Italien. Auch ausländische Direktinvestitionen tragen maßgeblich zur spanischen Wirtschaft bei. Deutschland ist ein wichtiger Investor, insbesondere in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und im Bereich der erneuerbaren Energien.

Aktuelle Wirtschaftslage

Auch Spanien blieb von den globalen Verwerfungen der letzten Jahre, die sich negativ auf die gesamte Weltwirtschaft auswirkten, nicht verschont. Dennoch konnte das Land erneut ein für die Eurozone überdurchschnittliches Wachstum erzielen. Im Jahr 2024 wuchs die spanische Wirtschaft mit 3,2 Prozent stärker als erwartet. Ein stabiler Inflationsverlauf, eine starke touristische Nachfrage und EU-finanzierte Investitionen dürften den Aufwärtstrend weiter stützen.

Deutsche Perspektive

Auch das Konjunkturbarometer der Deutschen Handelskammer für Spanien (AHK) für November 2025 fällt positiv aus. So erwarten 41,3 Prozent der in Spanien ansässigen deutschen Unternehmen, dass sich ihre wirtschaftliche Situation in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird. Für 46 Prozent wird sich die Lage nicht verändern, während 12,7 Prozent mit einem Rückgang rechnen.

Die gute Wirtschaftslage Spaniens sorgt insgesamt für einen Anstieg der Importe, von dem auch deutsche Unternehmen profitieren. So exportierten deutsche Unternehmen im Zeitraum von Januar bis September 2025 Waren im Wert von 43,9 Milliarden Euro nach Spanien.  Bei anhaltender Entwicklung stünde bis Jahresende ein Plus von 8,1 Prozent gegenüber dem Exportwert von 2024 zu Buche.

Internationalisierung

Die spanische Industrie ist stark vom Außenhandel abhängig. Spanische Maschinenhersteller kommen somit nicht umhin, technische Dokumentationen, zulassungsrelevante Unterlagen und Marketingtexte zu übersetzen. Denn gemäß Maschinenrichtlinie müssen alle schriftlichen oder mündlichen Informationen und Warnhinweise an der Maschine in der bzw. den Amtssprachen des Mitgliedstaats, in dem die Maschine in den Verkehr gebracht bzw. in Betrieb genommen wird, abgefasst sein. Darüber hinaus müssen die „für die Bedienung einer Maschine erforderlichen Informationen“ gemäß Maschinenrichtlinie „eindeutig und leicht verständlich“ sein. Zu beachten ist zudem, „dass das Bedienungspersonal nicht mit Informationen überlastet wird“.

Die Maschinenrichtlinie stellt somit klare Anforderungen an die technische Dokumentation – und folglich auch an deren fremdsprachliche Übersetzung. Wichtig ist, dass die Übersetzung von Handbüchern, Gebrauchsanweisungen, Konformitätserklärungen usw. fachlich korrekt und leicht verständlich ist. Da es sich hierbei um eine besonders sensible Aufgabe handelt, von der die Sicherheit der Maschinenbedienenden abhängt, ist es ratsam, dass sich Unternehmen an spezialisierte Fachübersetzerinnen und Fachübersetzer wenden, die selbst die komplexesten Fachtexte sicher in die Zielsprache übertragen können.

Doch die Übersetzung betrifft nicht nur das Bedienpersonal von Maschinen und Geräten. Im Hinblick auf eine erfolgreiche Internationalisierung müssen neben technischen Dokumentationen auch Werbetexte adaptiert werden, die sich direkt an Kundinnen und Kunden richten und nicht nur informieren, sondern auch zum Kauf anregen sollen. Bei solchen Texten empfiehlt sich eine freie, kreative Übersetzung, um kulturelle Unterschiede zu meistern und nicht-sprachliche Aspekte zu berücksichtigen. Für eine verhandlungssichere Kommunikation mit Partnern und Kunden sind auch andere Währungen und Maßeinheiten wichtig. Ob eine KI-Übersetzung eine realistische Alternative sein kann, hängt vom Einzelfall ab, beispielsweise von der Textsorte, der Textmenge, dem Qualitätsniveau und der Zielgruppe.

Import- und Zollbestimmungen

Für den bilateralen Warenverkehr zwischen den Ländern der Europäischen Union und Spanien gibt es im Rahmen des Zoll- und Außenhandelsregime der EU keine Importbestimmungen und keine Zollschranken (einheitlicher Wirtschaftsraum der EU). Importbestimmungen müssen EU-Unternehmen somit nur dann beachten, wenn sie Waren aus Drittländern nach Spanien und damit in die EU einführen. Da in den Mitgliedstaaten der EU ein gemeinsamer Zolltarif gilt, unterliegen die Waren grundsätzlich den gleichen Vorschriften, unabhängig vom Ursprungsland. Die Zölle für die Einfuhr von Waren aus Ländern außerhalb der EU richten sich nach dem Integrierten Zolltarif der Europäischen Gemeinschaften TARIC.

Zu beachten ist aber: Die Kanarischen Inseln und die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla sind steuerlich und zollrechtlich Sondergebiete innerhalb der Europäischen Union.

Die Kanarischen Inseln sind zwar Teil der Europäischen Zollunion, gehören aber nicht zum Steuergebiet der EU. Innergemeinschaftliche Lieferungen im Rahmen des EU-Binnenmarktes sind somit nicht möglich. Bei der Einfuhr von Gemeinschaftswaren sind diese durch den Käufer zu verzollen und zu versteuern. Auf den Kanarischen Inseln gibt es ein eigenes Umsatzsteuersystem (IGIC, Impuesto General Indirecto Canario). Der Steuersatz liegt zwischen 3 und 13,5 Prozent, für Tabakwaren gibt es einen Sondersteuersatz. Grundnahrungsmittel sind von der Steuer befreit. Bei der Einfuhr von Produkten, die mit lokal hergestellten Produkten konkurrieren, wird ggf. eine spezielle Inselsteuer erhoben.

Die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla gehören nicht zum Zoll- und Steuergebiet der EU. Somit sind sämtliche Ausfuhren nach Ceuta und Melilla wie Ausfuhren in ein Drittland zu behandeln. Diese Gebiete gelten als Zollfreigebiete, bei der Einfuhr wird jedoch eine lokale Steuer (IPSI, Impuesto sobre la Producción y la Importación) erhoben. Der Steuersatz liegt zwischen 0,5 und 10 Prozent.

Hinsichtlich geschützter Ursprungsbezeichnungen und geschützter geografischer Angaben gilt das EU-Recht. Es besteht keine Pflicht zur Angabe des Herstellungslandes der Ware. Die Ursprungsbezeichnung soll jedoch laut spanischem Verbraucherschutzgesetz keine falschen Rückschlüsse auf den Ursprung und die Herkunft des Produktes zulassen. Name und Anschrift des Herstellers sind jedenfalls anzugeben.

Fazit

Trotz der schwierigen weltwirtschaftlichen Lage verzeichnet die überwiegend dienstleistungsorientierte und vom Tourismus abhängige spanische Wirtschaft Wachstum. Fachleute führen den guten Wirtschaftsausblick auf die hohe private Nachfrage, die starke Einwanderung – vor allem aus Lateinamerika – und die zunehmende Zuversicht in der Privatwirtschaft zurück. Unternehmen investieren daher verstärkt in Maschinen und Anlagen, um der wachsenden Nachfrage gerecht werden zu können. Durch EU-finanzierte Investitionen in grüne Technologien erlebt Spanien ein zusätzliches Wirtschaftswachstum und zählt zu den Vorreitern bei der Umsetzung des europäischen Green Deals. Bis 2050 möchte das Land klimaneutral werden. Dafür hat es den Fokus auf die Umstellung auf erneuerbare Energien, insbesondere Solar- und Windenergie, gelegt. Aber auch für Wasserkraft und Biomasse gibt es Geschäftschancen. Von der positiven Wirtschaftslage Spaniens profitieren auch deutsche Unternehmen, was die anhaltend hohen Importzahlen aus Deutschland belegen.



Quellen

Weiterführende Links

 


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