Last but not least: Nach England, Irland und Wales wenden wir uns dem vierten im Bunde des Vereinigten Königreichs zu – Schottland. Wo die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede liegen und was das für Onlinehändler bedeutet, wollen wir in diesem Beitrag herausfinden.

Lage und Daten

Schottland hat als nördliches Drittel Großbritanniens eine Fläche von 78.772 km² und ca. 5,3 Millionen Einwohner. Es ist damit etwas größer als Bayern, hat aber eine deutlich geringere Bevölkerungsdichte von 70 Einwohner pro km² (Bayern: ca. 190). Die einzige Landesgrenze besteht zu England und hat eine Länge von knapp 100 km. Genauso wie Wales gehört Schottland zu Großbritannien, da die Schotten das Referendum über Schottlands Unabhängigkeit 2014 abgelehnt hatten. Die größten Städte Schottlands sind neben der Hauptstadt Edinburgh, die nebenbei bemerkt die erste Stadt der Welt war, die eine eigene Feuerwehr hatte, Glasgow und Aberdeen. Schottlands Küsten haben eine Gesamtlänge von etwa 3540 km. Gut zu wissen ist auch, dass in Schottland eine Stunde Zeitverschiebung zur mitteleuropäischen Zeit (MEZ) gilt.

Sprache und Währung

Die offizielle Amtssprache ist Englisch. Daneben wird auch Schottisch, Walisisch und vereinzelt sogar Gälisch unterrichtet und gesprochen.  In Schottland wird mit Pfund Sterling (GBP) bezahlt wie im gesamten Vereinigten Königreich. Allerdings gibt es eine kuriose Besonderheit: Die drei großen schottischen Banken Bank of Scotland, Royal Bank of Scotland und Clydesdale Bank sind nämlich berechtigt, ihre eigenen Banknoten herauszugeben. Zusammen mit den Banknoten der Bank of England gibt es deshalb in Schottland vier unterschiedliche Geldscheine jeden Nennwerts. Die Briten sind, was Kreditkarten anbelangt, weiter als die Deutschen. Fast überall kann dort mit Visa / Mastercard / Maestro gezahlt werden. In Pubs wird allerdings bevorzugt Bargeld angenommen. In Schottland kann man in vielen Regionen sowohl mit schottischer Landeswährung als auch mit der britischen Währung bezahlen. Begibt man sich in abgelegene Gegenden, kann es auch passieren, dass die britische Währung nicht akzeptiert wird. Schottisches Bargeld scheint daher sinnvoll. Für Online-Einkäufe ist neben den Kreditkarten auch Paypal sehr beliebt.

Aussichten und Trends

Der schottische Markt, wie auch der britische, wird überwiegend von amerikanischen Shops und Markplätzen beherrscht. Insbesondere Amazon und eBay, die dort mit Abstand die größten E-Commerce-Akteure sind. Da der britische Markt technologisch fortgeschritten ist und eine hohe Marktdurchdringung und Zahlungsfähigkeit aufweist, ist der Wettbewerb um Onlinekäufe sehr hart. Einige traditionelle stationäre Einzelhändler, die sich auf bestimmte Kategorien konzentrieren, wie Argos für Elektronik und Haushaltsgeräte oder B&Q und Screwfix mit Werkzeugen und Eisenwaren, sind jedoch immer noch in der Lage, sich einen ordentlichen Marktanteil zu sichern. Einige wichtige britische Lebensmittelhändler wie Tesco, konnten sich durch den Online-Verkauf einen Namen machen, obwohl Asda, das dem amerikanischen Einzelhändler Walmart gehört, auch in diesem digitalen Segment ein enger Konkurrent ist.

Branchen und Sektoren

Die wichtigsten Sektoren sind Industrie, Landwirtschaft und die Holzwirtschaft. Im Industriesektor liegt der Fokus vor allem auf den großen Beständen an Kohle, Eisen- und Zinkerz. Seit der Entdeckung der ausgedehnten Ölfelder in den späten Siebzigerjahren stellt Erdöl und Erdgasförderung in der Nordsee einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Das Geschäft mit Öl und Gas vor der Küste macht gut 17 % der gesamten Wirtschaftsleistung Schottlands aus. Der Export von Schottland wird seither besonders von Erdöl und Erdgas, chemischen Produkten, Elektronikteilen und -zubehör, Bekleidung, Maschinen, Textilien und Whisky bestimmt.

Zudem spielt auch die Landwirtschaft für Schottland eine sehr wichtige Rolle. Mehr als 75 % der Landesfläche wird für Weidewirtschaft und den Anbau von Nutzpflanzen verwendet. Vor allem Gerste und Weizen sind für die Whisky- und Bierherstellung wichtig. Neben der Weidewirtschaft ist auch die qualitativ hochwertige Fleischproduktion von großer Relevanz. Gezüchtet werden in den Highlands vor allem Rinder und Schafe. Die Milchviehwirtschaft ist dagegen von untergeordnetem Gewicht. Bedeutungsvoll sind zudem auch die Holzwirtschaft und die Fischerei. Rund ein Drittel der gesamten Holzproduktion von Großbritannien findet in Schottland statt. Ebenso stammen 70 % der Gesamtfangmenge von Großbritannien aus den Gewässern Schottlands. Die Hochseefischerei ist besonders im Nordosten und im Bereich der Inselgruppen von Bedeutung. Schottland ist jedoch auch für die hervorragende Qualität geräucherter Fische bekannt, für die vor allem Hering und Schellfisch verwendet werden.

Versand und Zoll

Bezüglich Versand und Zoll ist bei Schottland mittlerweile einiges zu beachten. Großbritannien ist mit dem Austrittsabkommen vom 31. Januar 2020 aus der EU ausgetreten. Seit dem Brexit gehört es damit nicht mehr zur EU-Zollunion. Das hat auch Auswirkungen auf den Versand. Wo früher ein Paket einfach losgeschickt werden konnte, muss jetzt eine Zollerklärung oder Handelsrechnung beigefügt werden. Dazu gehören etwa eine Beschreibung und der Wert der zu versendenden Ware. Ob dabei letztlich Zölle oder Steuern anfallen, hängt von der Art und dem Wert der Ware ab. So bleibt das als Geschenk verschickte Paket aus England dann abgabefrei, wenn es nicht einen Wert von 45 Euro übersteigt. Der Preis für eine Paketsendung bis zu 5 kg per DHL liegt übrigens aktuell bei 29,99€. Grundsätzlich können kleinere Online-Bestellungen mit einem Warenwert von bis zu 22€ ohne Abgaben eingeführt werden. Wird dieser Wert allerdings überstiegen, kommen Einfuhrumsatzsteuer, Verbrauchsteuer und gegebenenfalls eine Zollgebühr hinzu. Für den Händler ist die Situation also viel Aufwand und einigen Mehrkosten verbunden. Ob man als ausländischer Händler in Schottland damit noch wettbewerbsfähig ist und ob sich das Geschäft überhaupt noch lohnt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Fazit

Letztlich ist der Markt in Schottland genauso interessant wie der in England und Wales. Die Zielgruppe ist relativ groß, die Infrastruktur gut und es wird gerne online eingekauft. Auch die Einstiegshürden sind eigentlich nicht sehr groß: Wer über einen englischsprachigen Onlineshop mit den entsprechenen Bezahlmethoden verfügt, kann loslegen. Wäre da nur nicht die Sache mit dem Brexit. Und so stellt sich zumindest für europäische Unternehmen vom Festland die Frage, ob sich der organisatorische und finanzielle Aufwand am Ende lohnt. Für kleine Händler vermutlich eher nicht. Bleibt abzuwarten, wie sich die politische Lage in Schottland entwickelt. Das letzte Referendum für eine Unabhängigkeit von England ging relativ knapp aus. Falls die Stimmung weiter kippt, wäre es denkbar, dass sich Schottland politisch von England trennt und dann auch wieder eine EU-Mitgliedschaft anstrebt.



Quellen

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

Wir erklären, wie Internationalisierung funktioniert, geben Tipps zu Übersetzungsprojekten und erläutern Technologien und Prozesse. Außerdem berichten wir über aktuelle E-Commerce-Entwicklungen und befassen uns mit Themen rund um Sprache.