Der mexikanische E-Commerce-Markt ist der erste lateinamerikanische Markt, den wir in unserer Reihe „E-Commerce in …“ vorstellen. Eine Expansion nach Mexiko ist zwar aufgrund der Distanz zu Europa nicht so einfach, das starke Wachstum des Marktes und die große Nachfrage insbesondere nach ausländischen Produkten rechtfertigen aber einen zweiten Blick.

Zahlen & Fakten

Mexiko ist mit einer Einwohnerzahl von fast 129 Millionen Menschen der zweitgrößte Staat Lateinamerikas, und weltweit auf Rang 11. Flächenmäßig ist Mexiko mit knapp 1.973.000 km2 etwas größer als Deutschland, Frankreich, Spanien und Polen zusammen. Das ergibt eine Bevölkerungsdichte von nur 63 Einwohnern pro km2 (zum Vergleich: in Deutschland sind es 232 Einwohner pro km²).

Die Internet-Penetrationsrate liegt in Mexiko, als Schwellenland, mit 64% noch deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Trotzdem ist der E-Commerce-Market bereits etabliert: Knapp drei Viertel der Internet-Nutzer kauften in den letzten drei Monaten etwas online. Dabei zeigt die Tendenz steil nach oben: Mit einer der höchsten jährlichen Wachstumsraten weltweit – durchweg über 20% in der letzten Dekade – wird das Handelsvolumen im E-Commerce im Jahr 2021 wohl auf 39 Milliarden US-$ steigen, und somit den zweitgrößten Markt für Online-Handel in Lateinamerika darstellen. Es ist zu erwarten, dass die Corona-Pandemie dieses Wachstum noch deutlich beschleunigt – so stiegen die Gewinne im E-Commerce in Mexiko in der ersten April-Woche 2020 um satte 500%, verglichen mit der ersten März-Woche.

Interessant ist dabei, dass knapp zwei Drittel aller Online-Kunden auch im Ausland kaufen. Europa steht dabei mit 21% des internationalen Marktvolumens zwar weit hinter den USA (64%), aber zum Beispiel weit vor Lateinamerika (11%). Der häufigste Grund für Käufe im Ausland ist dabei neben besseren Preisen die Suche nach Produkten, die in Mexiko nicht erhältlich sind. Deutsche Unternehmen können dabei sicherlich auch von dem sehr guten Ruf profitieren, den sie in Lateinamerika genießen.

Ebenfalls wissenswert ist, dass 34% des E-Commerce-Handels über mobile Endgeräte abgewickelt wird; damit liegt der Anteil nur knapp hinter Deutschland. Der typische Kunde ist zwischen 35 und 44 Jahre alt und kommt aus der Mittelschicht – allerdings kaufen auch immer mehr Menschen aus einkommensschwachen Haushalten online ein.

Diese dynamische Marktentwicklung spiegelt sich auch darin, dass knapp die Hälfte aller E-Commerce-Unternehmen auf dem mexikanischen Markt in den letzten drei Jahren gegründet worden ist. Trotzdem dominieren bereits einige Giganten. Zu nennen ist vor allem die argentinische Verkaufsplattform Mercado Libre, die mit eBay kooperiert. Dort können sich Firmen und Einzelpersonen anmelden und ihre Produkte kostenpflichtig anbieten. Wichtigste Konkurrenten in Mexiko sind Amazon und die Plattform Linio, die zum chilenischen Konzern Falabella gehört.

Lokalisierung

Knapp 13% der Bevölkerung sprechen eine der 62 offiziell anerkannten indigenen Sprachen Mexikos, die de facto Amtssprache ist aber Spanisch und wird auch von allen verstanden. Wer Kunden in Mexiko gewinnen will, muss also eine spanische Version des Webshops anbieten. Ähnlich wie beim Englischen ist dabei zu beachten, dass es einige Unterschiede zwischen dem Spanischen Spanisch und dem Lateinamerikanischen Spanisch gibt: Zwar verstehen Mexikaner das Spanisch aus Spanien, aber ihre eigene Sprachvariante ist für sie – wie für alle Lateinamerikaner – deutlich ansprechender. Es empfiehlt sich also, bei der Übersetzung für den jeweiligen Markt das richtige Spanisch zu wählen.

Eine bloße Übersetzung reicht allerdings nicht aus: So müssen insbesondere die Konfektionsgrößen angepasst werden. Außerdem müssen auch kulturelle Unterschiede bedacht werden. Interessant ist hierbei zum Beispiel, dass es neben Weihnachten weitere besondere Daten im Kalender gibt, an denen besonders viel online verkauft wird: Die wichtigsten heißen El Buen Fin (zu Deutsch:„Das gute (Wochen-)Ende“; entspricht dem US-Amerikanischen Black Friday), und Hot Sale, das nur für den Online-Handel gilt und am Beginn des Sommers stattfindet. Es gibt noch andere mexikanische Feste, die mehr oder weniger umfassend gefeiert werden (z.B. der „Día de los Muertos“ oder der „Cinco de Mayo“). Allerdings spielen diese im E-Commerce keine besondere Rolle.

Die Währung Mexikos ist übrigens der Mexikanische Peso (MXN). Der US-Dollar ist als stabilere Währung im Alltag häufig anzutreffen, im Online-Handel wird die Bezahlung in der Regel aber üblicherweise in Mexikanischen Pesos abgewickelt.

Generell ist die Kundenzufriedenheit in Mexiko relativ hoch. Im Vergleich mit der üblichen Norm können europäische Produkte häufig mit einer überdurchschnittlichen Qualität punkten. Entsprechende Erwartungen müssen aber auch erfüllt werden.

Schließlich sind die Zölle für Ein- und Ausfuhr in den letzten Jahren für viele Produkte deutlich abgebaut worden. Zur Zeit wartet eine 2018 erzielte Einigung über eine weitere Vertiefung des Freihandelsabkommens von 2000 zwischen Mexiko und der EU nur noch auf die Ratifizierung. Trotzdem müssen bestimmte Vorschriften beachtet werden: Zum Beispiel müssen alle für den Einzelhandel bestimmten Produkte auf Spanisch beschriftet sein, außerdem muss alles, was nach Mexiko exportiert werden soll, den dortigen kommerziellen und hygienischen Normen (Normas Oficiales Mexicanas „NOM“) entsprechen.

Zahlungsmethoden und Versand

Das häufigste Zahlungsmittel im E-Commerce in Mexiko sind Kredit- und Debit-Karten. Auch Bezahldienste wie Paypal sind weit verbreitet: Mercado Libre bietet sogar einen eigenen Bezahldienst, MercadoPago, an. Außerdem wird häufig auch die Zahlung per Überweisung angeboten.

Viele mexikanische Kunden erwarten, in Cuotas (Raten) bezahlen zu können. Das gilt auch bei sehr niedrigen Summen: Häufig werden für Beträge ab 100 MXN (umgerechnet ca. 4€) 12 Monatsraten angeboten. Auch bei höheren Beträgen sind diese Raten häufig zinslos.

Eine Herausforderung für Unternehmen, die nach Mexiko expandieren, kann der Versand sein. Das Land ist einerseits flächenmäßig groß, andererseits entspricht das Niveau der Infrastruktur nicht europäischen Maßstäben. Im lateinamerikanischen Vergleich steht das Land dagegen relativ gut da: Neben Autobahnen und Zugverbindungen verfügt Mexiko über ein dichtes Netz von Flughäfen. Trotzdem sind abgelegene Regionen von der Hauptstadt Mexiko-Stadt aus zum Teil nur sehr schwierig zu erreichen. Da die Mehrheit der Einwohner aber im Hochland in der Nähe der Hauptstadt wohnt, befinden sich auch die Logistikzentren der E-Commerce-Unternehmen meistens dort. Außerdem sind die Verbraucher daran gewöhnt, dass Lieferzeiten in der Regel je nach Region unterschiedlich sind. Bei speziellen Produkten aus dem Ausland werden auch Fristen von mehreren Wochen toleriert. Dagegen bietet fast die Hälfte der Anbieter die Produkte versandkostenfrei an – egal, wohin die Ware geschickt wird.

Branchen

Die wichtigste Branche im E-Commerce in Mexiko ist „Haushalts- und Unterhaltungselektronik“. Danach kommen „Mode“ und „Haushalt“, aber auch „Lebensmittel“, „Hobby“ und „Drogerie“ machen wichtige Teile des Online-Handels aus.

Fazit

Eine Expansion nach Mexiko ist natürlich anspruchsvoller als eine nach Tschechien oder Schweden, gerade wegen der geografischen Distanzen zum Land und auch innerhalb des Landes. Wer in den USA aktiv ist, ist mit diesem Problem allerdings schon vertraut. Aufgrund der schieren Größe des E-Commerce-Marktes und seiner sehr dynamischen Entwicklung in den letzten Jahren, kann Mexiko außerdem als Tor zu weiteren Märkten in Mittel- und Südamerika angesehen werden.

Quellen

Deutsch:

Englisch:

Spanisch:

 

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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