Island ist das Land der heißen Quellen, der Vulkane und der Nordlichter – und liegt unter anderem bei der Zahl der Internetnutzer ganz weit vorne. In unserem neuen Blogbeitrag aus der Reihe „E-Commerce in…“ sehen wir uns die Insel im Nordatlantik einmal genauer an.

Zahlen und Fakten

Als im April 2010 der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und den internationalen Flugverkehr durch seinen Qualm zum Erliegen brachte, war Island einige  Wochen in aller Munde. Ansonsten hört man nicht viel von der Insel, die zwischen Grönland, Norwegen und den Färöer-Inseln im Nordatlantik liegt. Kein Wunder, denn auf einer Fläche, die mit 103.000 Quadratkilometern etwa dreieinhalb Mal so groß ist wie Belgien, leben nur etwa 366.000 Einwohner.

Bei Touristen ist Island vor allem beliebt für seine spektakuläre Natur:  Geysire, Gletscher, heiße Quellen und atemberaubende Nordlichter verbinden Besucher mit dem Land im hohen Norden. Auch die Hauptstadt Reykjavik ist einen Besuch wert. Im Großraum rund um die nördlichste Hauptstadt der Welt leben etwa zwei Drittel aller Isländer. In der Einkaufsstraße Laugavegur reihen sich kleine Cafés, Läden und Restaurants aneinander. Die auffällige Kirche Hallgrímskirkj, das Wahrzeichen der Stadt, überragt die Häuser mit dem höchsten Kirchturm des Landes.

Obwohl sich Island in der subpolaren Klimazone befindet, ist das Klima in der Hauptstadt durch den nahen Golfstrom vergleichsweise mild: Die Durchschnittstemperatur im Winter beträgt etwa ein Grad Celsius, selten wird es kälter als minus zehn Grad. Für einen Badeurlaub außerhalb der warmen Quellen eignet sich Island dennoch nicht, denn auch im Sommer bleibt es dort bei Maximaltemperaturen von 25 Grad relativ kühl.

Historisch betrachtet kann Island auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Wohl durch die geographisch isolierte Lage wurde die Insel vermutlich erst im neunten Jahrhundert nach Christus von Wikingern besiedelt. Jahrhundertelang befand sich Island unter dänischer und norwegischer Fremdherrschaft und erlangte erst im Jahr 1944 die vollständige Unabhängigkeit. Wie Norwegen und Liechtenstein ist Island Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraumes, nicht aber der Europäischen Union. Entsprechende Beitrittsverhandlungen hat das Land zwar im Jahr 2009 aufgenommen, unter einer neuen Regierung im Jahr 2013 allerdings pausiert und die Bewerbung im Jahr 2015 zurückgezogen. Grund für die EU-Skepsis der Isländer ist vor allem die Furcht vor Fischfangquoten, die einen der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes beeinträchtigen könnten.

Statt mit dem Euro bezahlen die Isländer also auch weiterhin mit der isländischen Krone. Ein Euro entspricht dabei derzeit etwa 147 Kronen (Stand: November 2021).

Trends und Einblicke

In Island zu leben ist nicht günstig: In einem Ranking der „Teuersten Länder der Welt“ landete das Land 2020 auf Platz 3 – nur in der Schweiz und in Norwegen sind die Lebenshaltungskosten demnach höher als auf der nordischen Insel, die individuelle Kaufkraft ist in Island zudem niedriger als in den beiden höher platzierten Staaten. Kein Wunder also, dass die Isländer Kleidung, Babynahrung und alles, was im lokalen Handel des bevölkerungsarmen Landes nicht oder nur schwer erhältlich ist, gerne im Internet bestellen. In einer Umfrage des isländischen Statistikbüros im Jahr 2019 gaben acht von zehn Isländern an, in den vergangenen zwölf Monaten etwas im Internet erworben zu haben. Besonders beliebt waren dabei jedoch Musik, Filme und Online-Tickets für Veranstaltungen. Also vor allem solche Produkte, für die nicht unbedingt ein physischer Versand nötig ist. Kein Wunder, gaben in der gleichen Umfrage doch 76.8% der Befragten an, dass sie beim Online-Shopping Probleme erfahren hätten, darunter etwa verspätete Lieferung, unerwartet hohe Versandkosten oder defekt gelieferte Produkte.

Dabei sind die grundsätzlichen Voraussetzungen für den isländischen E-Commerce nahezu ideal: Laut einer Statistik der Weltbank hatten im Jahr 2019 mit einer Penetrationsrate von 99 Prozent nahezu alle Isländer Zugang zum Internet und 97 Prozent nutzten das Netz täglich oder fast täglich – nur wenige andere Länder erreichen solche Werte. Auch die lokalen Unternehmen sind längst online: Laut dem isländischen Statistikbüro verkauften im Jahr 2019 23 Prozent aller isländischen Firmen ihre Produkte und Dienstleistungen auch im Netz. Island lag dabei unter den europäischen Ländern gleichauf mit Dänemark, noch höher lag der Anteil demnach mit 30 Prozent nur in Irland.

Dem gegenüber steht jedoch die in vielen Teilen des Landes nicht besonders gut ausgebaute Infrastruktur und die geographische Lage, die den Versand aus dem Ausland erschweren. Für ein Paket von Deutschland nach Island geht der Paketdienstleister DHL beispielsweise von einer durchschnittlichen Laufzeit zwischen zwei und drei Wochen aus. Die hohe Mehrwertsteuer von 24 Prozent auf die meisten eingeführten Produkte und Bearbeitungsgebühren durch die lokalen Postdienstleister sind weitere Hürden für Anbieter aus dem Ausland.

Sprache

Die alten Sagen der Wikinger spielen in der isländischen Kultur bis heute eine große Rolle. Dabei hat sich die Sprache im Lauf der Jahrhunderte so wenig verändert, dass die modernen Isländer die alten Texte bis heute prinzipiell im Original lesen können. Auch in einigen besonderen Buchstaben, die nur im Isländischen bis in die Gegenwart überdauert haben, zeigt sich das besondere Erbe der isländischen Sprache. Und nicht nur das: Vor etwa zweihundert Jahren haben sich die Isländer dazu entschlossen, möglichst keine Fremd- oder Lehnwörter in ihre Sprache aufzunehmen. Ganz egal, ob „Computer“ oder auch nur „Telefon“: Für fast alles gibt es ein originär isländisches Wort. Auch sonst spielen fremde Sprachen in Island keine große Rolle: Fast 96 Prozent der Isländer sprechen Isländisch als Muttersprache. Unter den sonstigen Sprachen ist Polnisch mit etwa zweieinhalb Prozent am weitesten verbreitet.

Isländisch teilt sich gemeinsame Wurzeln mit den anderen skandinavischen Sprachen. Sind Isländisch und Färöisch in der Schriftsprache jedoch noch untereinander verständlich, verstehen moderne Norweger, Schweden und Dänen die altertümlichere Sprache nicht ohne Weiteres. Für Ausländer in Island ist dies jedoch kein Grund zur Verzweiflung: Englisch als Fremdsprache ist Pflichtfach an den isländischen Schulen und fast alle Isländer beherrschen die Weltsprache gut.

Fazit

Island liegt aus kontinentaleuropäischer Sicht zwar ziemlich abgelegen, die strategisch günstige Lage der Insel zwischen Amerika und Europa kann für international tätige Anbieter aber vielleicht auch als Vorteil gelten. Zwar ist der isländische Markt durch die geringe Einwohnerzahl naturgemäß klein und Versand und Lieferung auf die Insel nicht immer einfach, die guten Englischkenntnisse, die exzellente Online-Infrastruktur, die Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum und die Tatsache, dass man Waren aus dem Ausland auf einer bevölkerungsarmen Insel eben nicht immer einfach und günstig im Laden erwerben kann, dürften diese Nachteile jedoch gegebenenfalls aufwiegen.

 



Quellen:

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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Bitte beachten Sie: Auch wenn wir in unseren Beiträgen gelegentlich Rechtsthemen ansprechen, stellen diese keine Rechtsberatung dar und können eine solche auch nicht ersetzen. Wenn Sie konkrete Fragen haben, lassen Sie sich bitte von einem Anwalt beraten.