Zypern ist trotz seiner ungewöhnlichen Lage Mitgliedsland der Europäischen Union und damit des europäischen Wirtschaftsraumes. In unserem neuen Blogeintrag sehen wir uns an, was die geteilte Insel im Mittelmeer in Sachen E-Commerce sonst noch alles zu bieten hat.

Zahlen und Fakten

Gehört Zypern zur Türkei, zu Griechenland – oder gar zu beidem? Bei vielen Menschen sorgt diese Frage noch immer für Verwirrung. Und tatsächlich gibt es darauf zwei unterschiedliche Antworten: Sie lauten „weder noch“ und „es ist kompliziert“.

Im Jahr 1960 erlangte Zypern die Unabhängigkeit von Großbritannien und ist seitdem ein eigenständiger Staat. Die Flagge der Republik Zypern zeigt, in Kupfer auf weißem Grund, die Umrisse der kompletten gleichnamigen Insel. Die ist mit einer Fläche von 9.251 Quadratkilometern nach Sardinien und Sizilien die drittgrößte und zugleich die südlichste und die östlichste Insel im Mittelmeerraum. Obwohl Zypern dadurch geographisch betrachtet in Vorderasien liegt, gilt es politisch und kulturell als europäisches Land und ist seit 2004 Mitgliedsstaat der Europäischen Union.

Landschaftlich ist Zypern geprägt von langen Sandstränden und klarem Wasser an den Küsten und bewaldeten Gebirgszügen im Inland. Der Legende nach soll Aphrodite, die antike griechische Göttin der Liebe und der Schönheit, hier zur Welt gekommen sein.

Seit 1974 beansprucht die Türkei den nordöstlichen Teil der Insel für sich. Türkische Soldaten hatten das Gebiet damals besetzt, nachdem griechische Putschisten den Anschluss Zyperns an Griechenland vorangetrieben hatten. Obwohl bisher noch kein anderes Land die sogenannte „Türkische Republik Nordzypern“ anerkannt hat, ist die Insel somit faktisch geteilt. Die Hauptstadt Nikosia, auf Türkisch Lefkosa genannt, liegt genau auf der Grenze zwischen den beiden Gebieten. Etwa 55.000 der 276.000 Einwohner leben im türkischen Nordteil, der Rest im zyprischen Südteil der Stadt. Friedenstruppen der Vereinten Nationen bewachen die Grenze, von den Einheimischen „grüne Linie“ genannt. Diese Linie führt unter anderem mitten durch eine beliebte Einkaufsstraße der Hauptstadt: Wer von einer Seite zur anderen will, muss zunächst aus einem Gebiet ausreisen, dann die einige Meter breite, UN-überwachte Pufferzone durchqueren und sich auf der anderen Seite einer Passkontrolle zur Einreise unterziehen.

Insgesamt leben etwa 1,1 Millionen Menschen auf der Insel, 855.000 davon im südlichen Teil. Die EU erkennt die Türkische Republik Nordzypern nicht an und betrachtet somit ganz Zypern als Teil des EU-Gebietes; faktisch ist jedoch nur der Südteil der Insel der Union beigetreten. Seit dem ersten Januar 2008 bezahlt man dort auch mit dem Euro, im nördlichen Teil gilt weiterhin die Türkische Lira, wobei auch der Euro als Währung vielerorts akzeptiert wird. Wie gesagt, „es ist kompliziert“.

Trends und Einblicke

Die Weltbank stuft Zypern als einkommensstarkes Land ein. Die zyprische Wirtschaft ist dabei jedoch stark vom Import abhängig, wichtigste einheimische Wirtschaftszweige sind die Landwirtschaft und der Tourismus. Außerdem ist Zypern mit etwa 50 Reedereien eines der größten Schiffsmanagementzentren der Welt. Im griechisch geprägten Teil haben sich wegen der günstigen Steuerbedingungen zudem zahlreiche Offshore-Firmen niedergelassen.

Vielleicht wegen der isolierten Lage der Insel ist der E-Commerce-Boom in Zypern etwas später angekommen als in vielen anderen europäischen Staaten. Laut dem Digitalindex DESI der Europäischen Union lag Zypern unter den EU-Ländern in Sachen Digitalisierung im Jahr 2020 auf dem 20. Platz, das Land mache aber stetige Fortschritte. So hatten im Jahr 2020 beispielsweise 93 Prozent der Haushalte in Zypern Zugang zum Internet – etwas mehr als im europäischen Durchschnitt. Mit Unterstützung der EU arbeitet die zyprische Regierung derzeit außerdem daran, die Geschwindigkeit der Internetverbindung zu verbessern. Bis Ende 2021 soll zu diesem Zweck ein neuer Breitbandplan für die nächsten fünf Jahre beschlossen werden, der etwa Glasfaserverbindungen nach Griechenland und zu mehreren Nicht-EU-Staaten vorsieht.

Über die Hälfte der Internetnutzer gab in einer Eurostat-Umfrage an, im Corona-Jahr 2020 im Internet eingekauft zu haben. 66 Prozent sagten, sie hätten dabei Waren einheimischer Anbieter erworben, während insgesamt 60 Prozent im EU-Ausland und 50 Prozent auch Waren aus Ländern außerhalb der Union bestellt hatten. Die beliebtesten Produktkategorien waren dabei laut Daten des zyprischen Statistikbüros Produkte aus den Bereichen Kleidung und Schuhe, gefolgt von Restaurant-Bestellungen und elektronischen Gerätschaften. Die beliebtesten Onlinehändler in Zypern sind laut einer Übersicht des E-Commerce-Dienstleisters Smartstore die Anbieter Amazon, eBay und BestBuyCyprus. Am liebsten bezahlen die Online-Kunden dabei per Kreditkarte.

Ein großes Thema für den Onlinehandel mit Zypern ist der Versand. Durch die Insellage sind Lieferungen aus dem Ausland teuer und Pakete, beispielsweise aus Deutschland, können schon einmal zwei bis vier Wochen unterwegs sein, bis sie in Zypern ankommen. Viele ausländische Anbieter bieten den Versand nach Zypern gar nicht erst an. Obendrein gelten für den Versand in den von der Türkei besetzten Nordteil der Insel gesonderte Vorschriften, etwa in Bezug auf eine Zollinhaltserklärung.

Sprache

Obwohl nur etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung Türkisch als Muttersprache sprechen, sind sowohl Griechisch als auch Türkisch Amtssprachen in Zypern. 80 Prozent der Zyprioten sind griechische Muttersprachler. Der zypriotische Dialekt unterscheidet sich dabei in Aussprache und Wortschatz von der griechischen Hochsprache, die (für den E-Commerce entscheidende) Schriftsprache ist jedoch weitgehend identisch. Die drei wichtigsten Minderheitensprachen, die auf Zypern gesprochen werden, sind Armenisch, zypriotisches Arabisch und Kurbetcha, das von den Roma in den nördlichen Teilen des Landes gesprochen wird. Während der britischen Kolonialherrschaft war Englisch offizielle Landessprache – noch heute ist es auf vielen Schildern zu lesen und über 70 Prozent der Bevölkerung beherrschen die Sprache als Fremdsprache.

Fazit

Die niedrige Einwohnerzahl, die isolierte geographische Lage und der verwirrende politische Status der Region Nordzypern können auf ausländische E-Commerce-Anbieter abschreckend wirken. Dem gegenüber stehen jedoch die weite Verbreitung der englischen Sprache, die gemeinsame Schriftsprache mit Griechenland, die fortschreitende Digitalisierung und der Status als Mitgliedsland der EU. Bisher war Zypern außerdem für seine niedrigen Unternehmenssteuern bekannt – durch die Einführung der globalen Mindeststeuer könnte sich der Status der Insel als europäische Steueroase jedoch demnächst ändern.

 



Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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