Dieses Mal stellen wir in unserer Reihe „E-Commerce in…“ Portugal vor, das kleine Land im Südwesten Europas, dass viele wohl eher als Urlaubsziel kennen. Neben sonnigen Stränden, guten Weinen und dem melancholischen Fado-Gesang macht der Staat am Atlantik aber auch mit einem starken Wachstum des E-Commerce-Marktes auf sich aufmerksam. Grund genug, sich genauer umzusehen.

Zahlen & Fakten

Mit knapp 10,3 Millionen Einwohnern ist Portugal ein mittelgroßer Staat im Südwesten Europas. Der Einwohnerzahl nach entspricht Portugal in etwa Baden-Württemberg, ist aber flächenmäßig deutlich größer und dünner besiedelt: Mit 92.212 km2 ist das Land so groß wie Bayern und Hessen zusammen, die Dichte von 112 Einwohnern pro km2 ist etwa mit der von Sachsen-Anhalt vergleichbar. Der Großteil der Einwohner wohnt dabei in der Küstenregion im Westen des Landes, insbesondere im Großraum Lissabon, der mit knapp 2,8 Millionen Menschen mehr als ein Viertel des Landes darstellt. Das einzige Nachbarland Portugals ist Spanien, zusammen bilden beide Staaten die Iberische Halbinsel. Anders als Spanien liegt Portugal in der Westeuropäischen Zeitzone (UTC+0), und weist damit eine Stunde Zeitverschiebung zur in Deutschland gültigen Mitteleuropäischen Zeit (UTC+1) auf.

Die Internet-Penetrationsrate in Portugal entspricht mit 81% in etwa dem europäischen Durchschnitt, die Zahl der Internet-Nutzer hat aber in den letzten Jahren stark zugenommen. Dagegen ist die Rate derer, die im Internet auch einkauften, mit 52% noch vergleichsweise gering. Diese niedrige Sättigung des Marktes ist aber dabei, sich zu verändern: In den letzten Jahren wuchs der Umsatz im portugiesischen E-Commerce mit zweistelligen Raten auf 6,8 Milliarden US-$. Auch für die nächsten Jahre wird noch mit einem Wachstum von knapp 8% gerechnet.

Dabei hat jeder Käufer im Durchschnitt knapp 1.500 Euro im Jahr online ausgegeben, ein mit Deutschland vergleichbarer Wert. Darüber hinaus ist das Einkaufen im Internet in Portugal vor allem unter den Jüngeren verbreitet: Knapp 71% der 25-34-Jährigen kaufen online ein. Damit ist ein weiteres Wachstum des Marktes zu erwarten. Das gilt insbesondere für den E-Commerce, der über mobile Endgeräte abgewickelt wird: Während zurzeit noch der Einkauf über PCs überwiegt, könnte der Anteil von Einkäufen über Smartphones und Tablet von derzeit 37% des Umsatzes bis 2023 auf rund die Hälfte ansteigen. Immerhin besitzen schon jetzt knapp drei Viertel der Portugiesen ein Smartphone, die Penetration liegt damit in etwa gleichauf mit der deutschen.

Außerdem haben die portugiesischen Kunden keine Berührungsängste mit ausländischen Anbietern: 60% der Käufer haben schon einmal im Ausland eingekauft, knapp 23% des Umsatzes des E-Commerce in Portugal überquert die Landesgrenzen. Interessant ist dabei, dass der geografisch naheliegende Nachbar Spanien mit 16% des internationalen E-Commerce nur an zweiter Stelle liegt, und zwar weit hinter China mit 45% und nur knapp vor dem Vereinigten Königreich, dass auf 11% kommt. Daraus lässt sich schließen, dass eine größere Auswahl von Produkten in Portugal auf Interesse stößt, selbst angesichts längerer Transportwege.

Insofern überrascht es nicht, dass sich unter den wichtigsten E-Commerce-Unternehmen in Portugal viele internationale Namen finden: Neben AliExpress und einer Übersetzung der spanischen Amazon-Seite ist vor allem die Online-Version der spanischen Kaufhauskette El Corte Inglés umsatzstark. Außerdem sind noch die französische Handelskette Fnac und die spanische Mode-Kette Zara zu nennen. Unter den lokalen E-Commerce-Firmen ist vor allem der Händler worten.pt wichtig, außerdem sind Vergleichsseiten wie olx.pt und costojusto.pt beliebt. Allerdings hat es kein Unternehmen geschafft, sich zu einem echten Giganten in Portugal zu mausern: selbst die Umsatzstärksten können nicht mehr als 5% des E-Commerce-Volumens für sich beanspruchen.

Lokalisierung

Amtssprache in Portugal ist Portugiesisch. Es muss allerdings beachtet werden, dass sich das in Portugal gesprochene portugiesische Portugiesisch von anderen Varianten, insbesondere von der brasilianischen, unterscheidet – ähnlich wie das britische Englisch vom US-Amerikanischen Englisch unterschieden werden muss. Zwar wurde in einer Vereinbarung im Jahr 1990 entschieden, die Orthografie in den portugiesisch-sprachigen Ländern zu vereinheitlichen, allerdings gibt es neben großen Unterschieden in der Aussprache auch einige grammatikalische Besonderheiten. Es ist deshalb ratsam, die Verkaufsplattform und ggf. auch den Kundenservice in Portugal an das entsprechende Portugiesisch anzupassen.

Seit 1986 ist Portugal Mitglied der Europäischen Union. Als Teil des europäischen Binnenmarktes sind alle Zollbeschränkungen nach Portugal entfallen, als Gründungsmitglied der Eurozone gilt in Portugal der Euro (EUR).

Der Interessenverband des E-Commerce in Portugal heißt ACEPI, und hat sich erfolgreich für den Abbau der Hürden im E-Commerce eingesetzt. Daneben hat auch der portugiesische Staat eine Initiative für Digitalisierung und E-Commerce ins Rollen gebracht. Interessant ist in diesem Kontext auch, dass sich neben dem bereits sehr beliebten Black Friday auch ein nationaler „Online-Shopping-Tag“ („Dia das Compras na Net“: DCN) etabliert hat.

Zahlungsmethoden und Versand

Die häufigste Zahlungsmethode in Portugal funktioniert mithilfe des Multibanco-Systems: Dabei können die Käufe im Nachhinein an beliebigen Geldautomaten bezahlt werden. 35% der Transaktionen werden so durchgeführt, danach kommt die Zahlung per Debit- oder Kreditkarte mit knapp 20%. Insbesondere Debit-Karten sind in Portugal weit verbreitet, jeder Portugiese besitzt im Durchschnitt 2. Ein starkes Wachstum wird der Zahlung per Digital Wallet prognostiziert – schon jetzt kommt diese Zahlungsmethode bei 13% der Käufe zur Anwendung, 2023 könnte es schon ein Fünftel sein.

Portugal ist ein kleines Land mit guter Infrastruktur, insbesondere in der dicht besiedelten Küstenregion. So kann man das ganze Land von Nord nach Süd an einem halben Tag durchqueren. Zwischen den größeren Städten bietet auch das Schienennetz eine gute Alternative.

Das wichtigste Transport-Unternehmen ist die ehemals staatliche Post CTT Correios de Portugal – 26% der E-Commerce-Unternehmen gaben an, die CTT als Versanddienstleister zu beauftragen. Daneben sind unter anderem Chronopost, ein Tochterunternehmen der französischen La Poste und das US-Amerikanische Unternehmen UPS in Portugal tätig.

Branchen

Die mit Abstand wichtigste Branche im portugiesischen E-Commerce ist „Mode“, die für knapp ein Drittel des Marktes aufkommt. Dahinter kommt „Elektronik“ mit über einem Viertel des Umsatzes, und auch die Kategorie „Hobby“ repräsentiert ein wichtiges Marktsegment.

Fazit

Portugal ist zwar nicht gerade der nächstgelegene Markt, es gibt aber trotzdem einige Gründe, die für eine Expansion in das südwesteuropäische Land sprechen. Dazu gehört die Offenheit für internationale E-Commerce-Unternehmen, die staatliche Unterstützung des digitalen Handels und nicht zuletzt das stetige Wachstum, dass sich laut Prognosen auch in den nächsten Jahren noch auf einem relativ hohen Level fortsetzen wird. So kann Portugal auch ungeachtet seiner geringeren Größe, im Vergleich mit Giganten wie Spanien, ein attraktives Expansionsziel sein.



Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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