Seit geraumer Zeit wird viel über die Chancen berichtet, die der grenzüberschreitende E-Commerce den deutschen Händler bietet. Viele europäische Länder hinken den Entwicklungen im Internethandel hinterher und verfügen nur über wenige eigene Anbieter. Das bietet erfahrenen internationalen Händlern die Möglichkeit, diese Leerstelle zu füllen und ganze Märkte ohne nennenswerte Konkurrenz für sich zu erschließen. Dabei wird gerne ausgeblendet, dass deutsche Händler nicht zwangsläufig auf der Gewinnerseite stehen müssen, sondern auch selbst durch internationale Anbieter unter Druck gesetzt werden können – mehr und mehr sogar auf dem eigenen Heimatmarkt.

 

Dass ausländische Anbieter auf dem deutschen Markt Fuß fassen wollen, ist wahrlich kein neues Phänomen. Bei großen Plattformen wie eBay oder Amazon sind zum Beispiel im Elektronikbereich schon seit Jahren viele chinesische Händler aktiv. Diese stellen aufgrund der schlechten Kommunikation und Warenpräsentation, fragwürdiger Warenqualität, mangelnder Umtauschmöglichkeiten und der zum Teil extremen Lieferzeiten keine wirkliche Konkurrenz dar.

Immer häufiger stößt man aber auch auf Händler aus England oder osteuropäischen Staaten, die in diesem Produktbereich Waren anbieten. Und das auf einem höheren sprachlichen Niveau und mit Lieferzeiten, die sich denen der einheimischen Händler annähern. Für die deutschen Kunden bedeutet das eine größere Auswahl bei niedrigeren Preisen, für die deutschen Händler aber vor allem einen noch härteren Verdrängungswettbewerb.

Heise weist deshalb in einem aktuellen Artikel darauf hin, dass sich deutsche Händler auf die neue Situation einstellen sollten: 2018 wird vermutlich zu 20% grenzüberschreitend eingekauft.

Mit Gütesiegeln für grenzüberschreitende Qualitätsversprechen

Um auch im internationalen Handel Sicherheit und Qualität transparent zu machen, hat der europäische E-Commerce-Dachverband Emota vor Kurzem ein europäisches Gütesiegel gestartet. Damit soll sichergestellt werden, dass die ausgezeichneten Händler die Richtlinien des Versandhandels optimal erfüllen.

Aktuell haben noch viele Verbraucher ein “ungutes Bauchgefühl”, wenn sie teure Waren im Ausland ordern. Gerade was Lieferzeit und Retouren-Management angeht, herrscht eine gewisse Skepsis. Mit dem Gütesiegel könnte sich das bald ändern. Einkaufen im Ausland wäre damit genauso sicher und unkompliziert wie vor Ort.

Starke Konkurrenz im Elektronikbereich

Wer unter der ausländischen Konkurrenz besonders leiden wird, muss sich erst noch zeigen. Viele Händler werden wohl besonders auf das Preisargument setzen, um einen Fuß in die Tür zu bekommen. Darunter würden vor allem große Händler leiden, die bislang auf Preiskampf setzen.

Dass die “Angreifer” aber nicht nur auf Niedrigpreise setzen, zeigt das Beispiel AO. Der britische Haushaltsgerätespezialist hat sich in den letzten Jahren in seinem Heimatmarkt gegen viele etablierte Konkurrenten durchsetzen können. Bei seiner Expansion in Deutschland will AO vor allem mit hoher Service-Qualität punkten. Damit geraten auch kleinere Händler in die Schusslinie, die ihre höheren Preis durch besonders guten  Service rechtfertigen.

Deutsche Händler werden also in allen Bereichen nach Optimierungsmöglichkeiten suchen müssen, was sowohl Preisgestaltung als auch den Service angeht. Andernfalls könnte es Deutschland wie Österreich ergehen, wo aktuell die Hälfte aller online gekauften Waren aus dem Ausland geliefert werden.

Quellen

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Grenzenloser-E-Commerce-Erfreute-Kunden-besorgte-Haendler-2743306.html

https://www.bevh.org/presse/pressemitteilungen/details/datum/2015/juli/artikel/einfacher-sicher-einkaufen-in-europa-emota-startet-europaeisches-guetesiegel/