{"id":16010,"date":"2024-11-21T08:38:41","date_gmt":"2024-11-21T07:38:41","guid":{"rendered":"https:\/\/eurotext.de\/?p=16010"},"modified":"2025-01-14T09:11:11","modified_gmt":"2025-01-14T08:11:11","slug":"industrie-in-japan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eurotext.de\/blog\/industrie-in-japan\/","title":{"rendered":"Industrie in Japan"},"content":{"rendered":"
Die japanische Wirtschaft ist im ersten Halbjahr 2024 moderat gewachsen und wird sich nach Expertenmeinung weiter positiv entwickeln. Trotz der verhaltenen Binnennachfrage sind die Aussichten f\u00fcr die Exportwirtschaft positiv, insbesondere f\u00fcr die Halbleiter- und Automobilindustrie. Die Zukunft bringt eine \u201eSociety 5.0\u201c, in der KI und Virtual Reality zunehmend in den analogen Alltag integriert werden, die Stammzellforschung neue Therapiem\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet und Wasserstoff als klimaneutraler Energietr\u00e4ger fossile Energietr\u00e4ger abl\u00f6st.<\/p>\n
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Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Japans betr\u00e4gt 4.200 Mrd. US-Dollar, das BIP pro Kopf liegt kaufkraftbereinigt bei rund 51.400 US-Dollar (vgl. Deutschland: 64.000 US-Dollar; \u00d6sterreich: 66.800 US-Dollar). Gemessen am BIP ist Japan nach Deutschland<\/a> und vor Indien<\/a> die nominal viertgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt.<\/p>\n Die verarbeitende Industrie hat in Japan einen Anteil von knapp 27 Prozent am BIP und besch\u00e4ftigt 23,6 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen. Rund 71 Prozent der Bruttowertsch\u00f6pfung entfallen auf den Dienstleistungssektor.<\/p>\n Japan ist eine hochindustrialisierte, freie Marktwirtschaft mit einigen Elementen einer gelenkten Wirtschaft. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Industrie sowie traditionelle japanische Tugenden wie Arbeitsdisziplin, das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung (Kaizen) und die Beherrschung von Spitzentechnologien, z. B. im Bereich der Automatisierung, in Verbindung mit einer weitsichtigen F\u00f6rderung von Bildung und Ausbildung durch die Regierung, haben die Produktivit\u00e4t der japanischen Industrie stark gef\u00f6rdert und Japan zur viertgr\u00f6\u00dften Wirtschaftsmacht der Welt gemacht.<\/p>\n Japans Schl\u00fcsselindustrien sind die Robotik-, Automobil- und Elektronikindustrie. Vor allem in der Region um die Metropolen Tokio und Osaka sind zahlreiche namhafte Hersteller dieser Branchen ans\u00e4ssig, die weltweit agieren. Einige Beispiele: Toyota, Honda, Nissan, Mitsubishi, Subaru, Mazda und Suzuki (Automobil), Hitachi, Sony, Panasonic, Fujitsu und Canon (Elektronik und Technologie). Auch die Pharmaindustrie ist mit Unternehmen wie Takeda Pharmaceutical, Astellas Pharma und \u014ctsuka Seiyaku stark vertreten.<\/p>\n Japan will bis 2050 CO2-neutral werden und bis 2030 die Treibhausgase um 46 Prozent gegen\u00fcber 2013 reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, investiert das Land massiv in erneuerbare Energien. Vor allem Solar- und Windenergie werden gef\u00f6rdert. Auch Kernkraftwerke leisten weiterhin einen wichtigen Beitrag zum Energiemix des Landes, selbst nach der Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011. Dennoch bleibt Japan stark von fossilen Energietr\u00e4gern aus dem Ausland abh\u00e4ngig.<\/p>\n Fossile Energietr\u00e4ger machen einen gro\u00dfen Teil der Waren im Wert von 785 Mrd. US-Dollar aus, die Japan im Jahr 2023 aus dem Ausland importierte. Im gleichen Jahr exportierte Japan Waren im Wert von 717 Mrd. US-Dollar. Die Handelsbilanz ist also negativ.<\/p>\n Im Gegensatz dazu ist die Handelsbilanz mit Deutschland positiv. Im Jahr 2023 wurden Waren im Wert von rund 20,2 Mrd. Euro von Deutschland nach Japan exportiert, der Wert der deutschen Importe aus Japan betrug im gleichen Zeitraum rund 25,6 Mrd. Euro. Gemessen am Exportwert liegt Japan damit auf Platz 19 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands.<\/p>\n Die japanische Wirtschaft ist im ersten Halbjahr 2024 trotz Produktionsausf\u00e4llen vor allem in der Automobilindustrie moderat gewachsen und wird sich nach Expertenmeinung weiter positiv entwickeln. Insbesondere in den Bereichen Software und Forschung werden Rekorde bei Investitionen und Unternehmensgewinnen verzeichnet. Auch der private Konsum zeigt sich trotz Teuerung robust.<\/p>\n Im M\u00e4rz 2024 verabschiedete sich die japanische Zentralbank von ihrer langj\u00e4hrigen Nullzinspolitik. Die Nullzinspolitik war seit 2012 Teil der nach dem ehemaligen Premierminister Shinzo Abe benannten \u201eAbenomics\u201c, die darauf abzielte, die japanische Wirtschaft durch Deregulierung, Konjunkturprogramme und \u2013 daraus resultierend \u2013 ein hohes Defizit aus der seit zwei Jahrzehnten andauernden Stagnation zu befreien. In diesem Jahr wurde der Zinssatz erneut angehoben, zun\u00e4chst auf 0,1 Prozent, dann auf 0,25 Prozent. Bis 2025 soll auch der staatliche Einfluss auf die Wirtschaft in Form von geldpolitischen Lockerungen und Staatsanleihenk\u00e4ufen schrittweise reduziert werden.<\/p>\n Trotz der verhaltenen Binnennachfrage sind die Aussichten f\u00fcr die Exportwirtschaft positiv, insbesondere f\u00fcr die Halbleiter- und Automobilindustrie. Entscheidend f\u00fcr eine Verbesserung im weiteren Verlauf des Jahres 2024 wird sein, ob sich die Weltkonjunktur stabilisiert und die Inflation nachl\u00e4sst. Aufgrund der geopolitischen Spannungen wird die Unsicherheit bis dahin hoch bleiben. F\u00fcr das Jahr 2025 sind zudem Investitionen in erneuerbare Energien, in die Digitalisierung und in die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft geplant.<\/p>\n Ein strukturelles Problem und eine gro\u00dfe demografische Herausforderung ist die \u00dcberalterung der japanischen Bev\u00f6lkerung aufgrund der hohen Lebenserwartung und der niedrigen Geburtenrate. Durch eine Verl\u00e4ngerung der Lebensarbeitszeit, durch Automatisierung und durch Innovationen vor allem im Gesundheitswesen soll dem entgegengewirkt werden.<\/p>\n Die Digitalisierung zieht sich durch alle Bereiche des Lebens und wird von der japanischen Regierung vor allem im Mittelstand gef\u00f6rdert. Die Zukunft bringt eine \u201eSociety 5.0\u201c, in der KI und Virtual Reality zunehmend in den analogen Alltag integriert werden und Roboter menschliche Arbeit ersetzen, um dem R\u00fcckgang der Erwerbsbev\u00f6lkerung entgegenzuwirken, und medizinischer Fortschritt neue Therapiem\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine alternde und krankheitsanf\u00e4lligere Gesellschaft er\u00f6ffnet, etwa durch Stammzellenforschung.<\/p>\n Japan ist nach wie vor stark von fossilen Energietr\u00e4gern aus dem Ausland abh\u00e4ngig. Die Kernenergie hat einen Anteil von mehr als 10 Prozent am Energiemix. Doch die ambitionierten Klimaziele k\u00f6nnen damit nicht erreicht werden. Auf Wasserstoff, der als klimaneutraler Prim\u00e4renergietr\u00e4ger f\u00fcr Industrie und Verkehr im Vergleich zu fossilen Energietr\u00e4gern stark subventioniert wird, setzt Japan gro\u00dfe Hoffnungen. Zudem interessieren sich in Japan wie in Europa immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten f\u00fcr nachhaltige Produkte.<\/p>\n Japan ist ein so gut wie einsprachiges Land. Die Amtssprache Japanisch wird von rund 127 Millionen Menschen weltweit gesprochen und ist die Muttersprache fast aller Japanerinnen und Japaner. Anders als beispielsweise Englisch<\/a>, Franz\u00f6sisch<\/a> oder Spanisch<\/a> wird Japanisch fast ausschlie\u00dflich von Muttersprachlern<\/a> gesprochen. Japanisch ist also keine Weltsprache.<\/p>\n Obwohl Englisch an japanischen Schulen unterrichtet wird, verf\u00fcgen die meisten Japanerinnen und Japaner nur \u00fcber m\u00e4\u00dfige Englischkenntnisse. Mit Englisch allein kommen ausl\u00e4ndische Interessenten daher nicht weit. Der English Proficiency Index von Education First bewertet weltweit 116 L\u00e4nder, deren Amtssprache nicht Englisch ist, nach ihrer Kompetenz im Umgang mit der englischen Sprache. Japan liegt im weltweiten Vergleich hinter China auf Platz 92 und die Englischkenntnisse der japanischen Bev\u00f6lkerung sind laut Education First gering.<\/p>\n Bei einer Expansion nach Japan ist daher eine professionelle \u00dcbersetzung<\/a> notwendig, um die vielen kulturellen Unterschiede sicher zu bew\u00e4ltigen und eine verhandlungssichere Kommunikation mit japanischen Partnern und Kunden zu erm\u00f6glichen. Bei Texten wie z. B. Werbetexten<\/a>, die sich direkt an das Zielpublikum, den Kunden, richten und nicht nur Information, sondern auch Kaufanreiz sein sollen, empfiehlt sich eine freie, kreative \u00dcbersetzung<\/a> durch spezialisierte Fach\u00fcbersetzer.<\/p>\n Am 1. Februar 2019 ist das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der Europ\u00e4ischen Union und Japan in Kraft getreten. Durch das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen entfallen f\u00fcr europ\u00e4ische Unternehmen in Japan, dem sechstwichtigsten Handelspartner der EU, Z\u00f6lle in H\u00f6he von rund einer Milliarde Euro pro Jahr. Auch regulatorische und b\u00fcrokratische Handelshemmnisse werden abgebaut. Dar\u00fcber hinaus schafft das Abkommen gleiche Wettbewerbsbedingungen f\u00fcr Unternehmen aus der EU und Japan bei der Vergabe \u00f6ffentlicher Auftr\u00e4ge in Japan.<\/p>\n Die japanische Wirtschaft ist im ersten Halbjahr 2024 moderat gewachsen und wird sich nach Expertenmeinung weiter positiv entwickeln. Die Aussichten f\u00fcr die Exportwirtschaft sind trotz der verhaltenen Binnennachfrage positiv. Entscheidend wird sein, ob es zu einer Stabilisierung der Weltkonjunktur und zu einem R\u00fcckgang der Inflation kommt. F\u00fcr deutsche Unternehmen bieten sich vor allem in den Bereichen digitale Technologien und erneuerbare Energien gute Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten, denn Japan will bis 2050 CO2-neutral werden und investiert in Solar-, Wind- und Wasserstoffkraftwerke. Insbesondere die Wasserstoffinfrastruktur wird derzeit massiv ausgebaut und Wasserstoff als klimaneutraler Prim\u00e4renergietr\u00e4ger f\u00fcr Industrie und Verkehr stark subventioniert. Dies ist auch vor dem Hintergrund interessant, dass mit dem Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und Japan im Jahr 2019 gleiche Wettbewerbsbedingungen f\u00fcr Unternehmen aus der EU und Japan bei der Vergabe von \u00f6ffentlichen Auftr\u00e4gen in Japan geschaffen wurden.<\/p>\nAktuelle Wirtschaftslage: Wirtschaft w\u00e4chst trotz Produktionsausf\u00e4llen, Investitionen in Software und Forschung auf Rekordniveau, Abschied von Nullzinspolitik<\/h2>\n
Entwicklungen: \u201eSociety 5.0\u201c, Stammzellenforschung, Wasserstoff<\/h2>\n
Internationalisierung<\/h2>\n
Wirtschaftspartnerschaftsabkommen mit der EU<\/h2>\n
Fazit<\/h2>\n
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