{"id":14934,"date":"2024-05-21T08:02:53","date_gmt":"2024-05-21T06:02:53","guid":{"rendered":"https:\/\/eurotext.de\/?p=14934"},"modified":"2024-09-30T08:43:44","modified_gmt":"2024-09-30T06:43:44","slug":"industrie-in-finnland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eurotext.de\/blog\/industrie-in-finnland\/","title":{"rendered":"Industrie in Finnland"},"content":{"rendered":"
Finnlands<\/strong> wichtigste Rohstoffquelle ist der Wald. Das ist auch heute noch so. Trotz eines Anteils von immer noch rund 12 Prozent an der gesamten Industrieproduktion hat die finnische Holzindustrie \u2013 traditionell der wichtigste Industriezweig Finnlands \u2013 in den letzten Jahren gegen\u00fcber der Metall- und Elektronikindustrie jedoch an Bedeutung verloren. Im Fokus vision\u00e4rer Unternehmensgr\u00fcnder und der Politik stehen heute vielmehr k\u00fcnstliche Intelligenz, Quantencomputing und innovative Recyclingtechnologien. Was sich im Industrieland Finnland ge\u00e4ndert hat und warum sich f\u00fcr deutsche Unternehmen aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Innovation gute Gesch\u00e4ftschancen bieten, lesen Sie hier.<\/p>\n <\/p>\n Das finnische Bruttoinlandsprodukt (BIP) betr\u00e4gt knapp 300 Mrd. US-Dollar, das BIP pro Kopf betr\u00e4gt kaufkraftbereinigt rund 53.600 US-Dollar (vgl. Deutschland: 64.000 US-Dollar; \u00d6sterreich: 66.800 US-Dollar). Gemessen am BIP ist die finnische Wirtschaft in etwa so stark wie die Tschechiens<\/a>.<\/p>\n Das verarbeitende Gewerbe hat in Finnland einen hohen Anteil am nationalen BIP. So entfallen auf die Industrie inklusive Baugewerbe 25,1 Prozent, auf den Dienstleistungssektor inklusive Handel 59,5 Prozent der gesamten Bruttowertsch\u00f6pfung. Rund 21 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen in Finnland sind in der Industrie besch\u00e4ftigt.<\/p>\n Finnlands wichtigste Rohstoffquelle ist der Wald. Noch in den 1970er Jahren entfiel mehr als die H\u00e4lfte der finnischen Exporte auf die Papier- und Holzindustrie. Heute hat sie mit einem j\u00e4hrlichen Gesamtvolumen von \u00fcber 75 Millionen Kubikmetern Rohholz noch einen Anteil von etwa 12 Prozent an der finnischen Industrieproduktion. Die Unternehmen Stora Enso (zweitgr\u00f6\u00dfter Forstkonzern und \u00e4lteste Aktiengesellschaft der Welt), UPM-Kymmene und Mets\u00e4 Board haben in den letzten Jahren verst\u00e4rkt auch im Ausland investiert und z\u00e4hlen zu den Weltmarktf\u00fchrern in der Papierindustrie.<\/p>\n In den letzten Jahren hat die Papierindustrie jedoch an Bedeutung gegen\u00fcber der Metall- und vor allem der Elektronikindustrie verloren. Auf sie entfallen heute jeweils rund 20 Prozent der Produktion. Der Telekommunikationskonzern Nokia hat daran einen bedeutenden Anteil. Der Werkzeughersteller Fiskars, der Aufzughersteller Kone sowie die Fahrzeughersteller Valmet und Sisu Auto sind weitere bedeutende finnische Unternehmen.<\/p>\n Deutschland<\/a> ist sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen (jeweils 13,48 %) der wichtigste Handelspartner Finnlands. Auch die nahen L\u00e4nder Schweden<\/a> (11,31 %), Norwegen<\/a> (7,71 %) und Estland<\/a> (3,46 %) sind wichtige Handelspartner. Weitere wichtige Export- und Importl\u00e4nder sind China<\/a> (9,02 %), die Vereinigten Staaten<\/a> (5,38 %), die Niederlande<\/a> (4,72 %), Polen<\/a> (3,38 %) und Italien<\/a> (2,98 %). Im grenz\u00fcberschreitenden Handel mit diesen L\u00e4ndern importierte bzw. exportierte Finnland 2023 Waren im Wert von rund 82,3 Mrd. US-Dollar. Damit weist Finnland eine leicht positive Handelsbilanz auf.<\/p>\n Das Konsumverhalten der Finninnen und Finnen wird durch den Krieg in der Ukraine, Probleme in der Lieferkette, Inflation, steigende Zinsen und die j\u00fcngste Bankenkrise beeinflusst. Das Umweltbewusstsein und die Sorge um den Klimawandel sind bei wohlhabenden Verbraucherinnen und Verbrauchern hoch. Dies hat zur Folge, dass die Einzelh\u00e4ndler sich mehr f\u00fcr die Umwelt interessieren: Sie verzichten auf Plastikverpackungen, kaufen langfristig Strom aus erneuerbaren Energiequellen ein, liefern mit Fahrr\u00e4dern oder Elektrofahrzeugen aus und starten Kampagnen gegen Lebensmittelverschwendung.<\/p>\n Der private Konsum ist 2023 um einen Prozentpunkt zur\u00fcckgegangen, d\u00fcrfte aber 2024 mit 0,5 Prozent wieder leicht positiv ausfallen. Der Markt d\u00fcrfte stabil bleiben, gest\u00fctzt durch hohe Besch\u00e4ftigung und Lohnerh\u00f6hungen.<\/p>\n Der Wohnungsbau war in den letzten zehn Jahren f\u00fcr die finnische Wirtschaft von gro\u00dfer Bedeutung. Die Finanzkrise und der damit verbundene R\u00fcckgang der Baut\u00e4tigkeit haben den Sektor jedoch stark getroffen. Dieser Trend wird noch bis 2024 anhalten. Erst ab 2025 wird wieder mit einem Wachstum im Bausektor gerechnet.<\/p>\n Im vergangenen Jahr ist die Nachfrage nach Papier, Pappe und Zellstoff stark zur\u00fcckgegangen. Inflation, Zinserh\u00f6hungen, hohe Lagerbest\u00e4nde und allgemeine Unsicherheit wirken sich unweigerlich auf die Holzindustrie aus. Der Anteil der finnischen Forst- und Holzwirtschaft an den Warenexporten des Landes belief sich im Jahr 2023 auf 15,9 Prozent und lag damit um 6,9 Prozent niedriger als im Vorjahr.<\/p>\n Finnland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 CO2-neutral zu werden. Dazu sollen die Treibhausgasemissionen um 60 Prozent reduziert werden. Bereits 2022 war die Stromerzeugung in Finnland zu fast 90 Prozent emissionsfrei. Bei der Stromerzeugung setzt Finnland heute zu 54 Prozent auf erneuerbare Energiequellen \u2013 vor allem auf Kernenergie, Wasserkraft und Holzbrennstoffe, aber zunehmend auch auf Windenergie. Im Juni 2023 ver\u00f6ffentlichte Finnland seine Wasserstoffstrategie. Ziel ist es, wasserstoffbasierte Technologien und Dienstleistungen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n Fr\u00fcher dominierten Unternehmen wie Nokia die finnische Technologieszene. Heute ist der Fokus auf Bereiche wie k\u00fcnstliche Intelligenz, Quantencomputing und innovative Recyclingtechnologien gerichtet. Mit direkten Zusch\u00fcssen und Steuererleichterungen will Finnland demn\u00e4chst verst\u00e4rkt Start-ups f\u00f6rdern. Zudem sollen die Bruttoinlandsausgaben f\u00fcr Forschung und Entwicklung von derzeit rund drei Prozent bis 2030 auf vier Prozent erh\u00f6ht werden.<\/p>\n Den Status einer Amtssprache teilen sich in Finnland Finnisch (als Sprache der Bev\u00f6lkerungsmehrheit) und Schwedisch (als Sprache der finnlandschwedischen Minderheit). Rund 88,7 Prozent der Finninnen und Finnen sprechen Finnisch als Muttersprache, 5,3 Prozent Schwedisch \u2013 vor allem in den s\u00fcdlichen K\u00fcstenregionen und in \u00d6sterbotten sowie in der Provinz \u00c5land.<\/p>\n Im Rahmen der finnischen Sprachenpolitik gelten alle finnischen Gemeinden als finnischsprachig, schwedischsprachig oder zweisprachig. Als zweisprachig gilt eine Gemeinde, wenn der Anteil der schwedischen Minderheit an der Bev\u00f6lkerung mindestens acht Prozent oder mindestens 3.000 Personen betr\u00e4gt. Auch im benachbarten Schweden wird Finnisch von vielen Menschen als Muttersprache gesprochen. Dort ist Finnisch als Minderheitensprache anerkannt. Mehr \u00fcber die skandinavischen Sprachen erfahren Sie hier<\/a>.<\/p>\n Viele Finninnen und Finnen sprechen neben ihrer Muttersprache auch gut Englisch<\/a>. Der English Proficiency Index von Education First bewertet insgesamt 113 L\u00e4nder weltweit, deren Amtssprache nicht Englisch ist, nach ihrer Kompetenz im Gebrauch der englischen Sprache. Finnland liegt im Ranking von Education First auf Platz 14, Deutschland auf Platz 10.<\/p>\n Die Weltsprache Englisch schl\u00e4gt somit Br\u00fccken f\u00fcr den Handel zwischen Finnland und Deutschland. An der \u00dcbersetzung etwa von technischer Dokumentation, zulassungsrelevanten Unterlagen und Marketingtexten kommen etwa deutsche Maschinenhersteller, die nach Finnland expandieren wollen, jedoch nicht vorbei \u2013 auch deshalb nicht, weil sie Pflicht ist. Die Maschinenrichtlinie stellt n\u00e4mlich genaue Anforderungen an die technische Dokumentation \u2013 und folglich an deren fremdsprachliche \u00dcbersetzung. Wichtig ist, dass die \u00dcbersetzung von Handb\u00fcchern, Gebrauchsanweisungen, Konformit\u00e4tsbescheinigungen usw. fachlich korrekt und leicht verst\u00e4ndlich ist. Da es sich hierbei um eine besonders sensible Aufgabe handelt, von der die Sicherheit der Maschinenbedienenden abh\u00e4ngt, ist es geraten, dass sich Unternehmen an spezialisierte Fach\u00fcbersetzerinnen und Fach\u00fcbersetzer<\/a> wenden, die selbst die komplexesten Fachtexte sicher in die Zielsprache \u00fcbertragen k\u00f6nnen.<\/p>\n Doch die \u00dcbersetzung betrifft nicht nur das Bedienungspersonal von Maschinen und Ger\u00e4ten. Neben Handb\u00fcchern, Dokumentation, Zertifizierungen usw. m\u00fcssen im Hinblick auf eine erfolgreiche Internationalisierung auch Werbetexte adaptiert werden, die das Zielpublikum, das hei\u00dft die Kundschaft, direkt ansprechen. Die \u00dcbersetzung soll in diesem Fall nicht nur informieren, sondern auch bewegen \u2013 und zum Kauf animieren. Dieses Ziel l\u00e4sst sich am besten durch eine freie, kreative \u00dcbersetzung erreichen, die auch etwaige kulturelle Unterschiede und Besonderheiten ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n Zwischen Deutschland und Finnland besteht im Rahmen des EU-Binnenmarkts Zollfreiheit. Somit birgt Finnland aus zollrechtlicher Sicht keine Fallstricke.<\/p>\n F\u00fcr die Verpackung von Waren gilt in Finnland neben den entsprechenden EU-Richtlinien eine nationale Verordnung \u00fcber Verpackungen und Verpackungsabf\u00e4lle, die zus\u00e4tzliche Kriterien f\u00fcr Verkaufs-, Sammel- und Transportverpackungen festlegt. So d\u00fcrfen Lebens- und Futtermittelverpackungen nur aus neuen, ungebrauchten Materialien bestehen.<\/p>\n Eine zollrechtliche Ursprungskennzeichnung ist im Warenverkehr zwischen Deutschland und Finnland nicht erforderlich. Eine Ausnahme besteht f\u00fcr die Angabe des Herkunftslandes von Lebensmitteln. F\u00fcr einige andere Produkte, wie z. B. chemische Erzeugnisse, gelten besondere Kennzeichnungsvorschriften. Ausf\u00fchrliche Informationen zu diesem Thema finden Sie in englischer Sprache auf der Internetseite der finnischen Zollbeh\u00f6rde.<\/p>\n Obwohl der Gro\u00dfteil der finnischen Bruttowertsch\u00f6pfung im Dienstleistungssektor erwirtschaftet wird, hat das produzierende Gewerbe mit 25,1 Prozent in Finnland einen hohen Anteil am nationalen BIP und besch\u00e4ftigt rund 21 Prozent der Erwerbst\u00e4tigen. Die Papier- und Holzindustrie \u2013 in den 1970er Jahren noch der wichtigste Industriezweig Finnlands \u2013 hat heute noch einen Anteil von rund 12 Prozent an der finnischen Industrieproduktion. Gegen\u00fcber der Metall- und vor allem der Elektronikindustrie hat die Papierindustrie in den letzten Jahren jedoch an Bedeutung verloren. Dar\u00fcber hinaus wirkt sich die aktuelle Weltwirtschaftslage auch negativ auf die Holzindustrie aus. Vielmehr stehen heute Bereiche wie k\u00fcnstliche Intelligenz, Quantencomputing und innovative Recyclingtechnologien im Fokus von vision\u00e4ren Unternehmensgr\u00fcndern und der Politik. Start-ups, die beispielsweise in diesen Bereichen forschen, sollen in Finnland verst\u00e4rkt gef\u00f6rdert werden. F\u00fcr deutsche Unternehmen aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Innovation bieten sich daher in Finnland gute Gesch\u00e4ftschancen.<\/p>\nDaten und Fakten zum Industrieland Finnland: Anteil an der Wirtschaftsleistung, wichtigste Branchen und Handelspartner<\/h2>\n
Aktuelle Wirtschaftslage: Einzelhandel orientiert sich mehr am Umweltschutz, Privatkonsum zieht wieder an, Markt d\u00fcrfte stabil bleiben<\/h2>\n
Entwicklungen: R\u00fcckgang beim Neubau, Inflation wirkt sich auf Holzindustrie aus, Stromerzeugung wird zunehmend emissionsfrei, Innovation soll verst\u00e4rkt gef\u00f6rdert werden<\/h2>\n
Internationalisierung<\/h2>\n
Gesetzliche Rahmenbedingungen: Zollbestimmungen, Verpackungsvorschriften, Kennzeichnung<\/h2>\n
Fazit<\/h2>\n
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